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Fonds-Check Nordcapital Offshore Fonds 5

Gastautor: Markus Gotzi
23.12.2009, 09:45  |  12784   |   |   
Rolls Royce schleppt Ölplattformen: Nordcapital-Fonds finanziert Ankerzieher

Keine Chance für Anbieter von Schiffsbeteiligungen. Angesichts abgestürzter Charterraten und vor Anker liegender Containerschiffe sind diese Fonds so gut wie unverkäuflich. Außer: Der Initiator erzählt eine besondere Geschichte. So wie Nordcapital.

Das Emissionshaus platziert 2009 bereits den fünften Schiffsfonds und betont dabei den Energie-Schwerpunkt. Nordcapital setzt nicht auf die Sonne und andere alternative Energiequellen, sondern hält an Öl und Gas fest. Die beiden fossilen Brennstoffe stellen gemeinsam mit rund 60 Prozent den größten Anteil der weltweiten Energieversorgung. Zeichner des „Offshore Fonds 5” beteiligen sich an einem besonderen Schiff. Wichtigster Job des Ankerziehers ist es, Bohrtürme und Plattformen an die Öl- und Gasquellen auf hoher See zu transportieren.

Objekt: Auf den ersten Blick ist dem Schiff nicht anzusehen, warum es rund 80 Millionen Dollar kosten soll. Doch eine Antriebstechnik mit Zugkraft von 200 Tonnen, ferngesteuerte Krane und andere Gimmicks haben ihren Preis. All das ist nötig, damit der Kraftprotz mit 18.360 PS die riesigen Plattformen schleppen, positionieren und verankern kann. Designed wurde er von Rolls Royce Marine, dem Marktführer bei der Entwicklung moderner Offshore-Schiffe.

Markt: Die Nachfrage nach diesen Schiffen nimmt zu. Verantwortlich dafür ist der steigende Anteil von Öl und Gas aus dem Meeresgrund. Aktuell liegt er bei rund einem Drittel, wobei die Quote der Tiefseeförderung kontinuierlich wächst. Bei den derzeitigen Energiepreisen lohnt es sich, auch tiefe Löcher zu bohren. Oft ist alleine der Meeresgrund bis zu 3.000 Meter entfernt. So fördert Brasilien zum Beispiel 280 Kilometer von der Küste Rio de Janeiros entfernt im Santos Becken Öl. Nigeria hat seine Tagesproduktion vor der Küste auf 1,8 Millionen Barrel täglich innerhalb weniger Jahre verdoppelt. Die speziellen Schiffe sind nötig, um die Plattformen zu transportieren, aber auch, um Gräben auszuheben und den Meeresgrund zu pflügen, damit Pipelines und Kabel verlegt werden können.

Einnahmen: Das Fondsschiff „ER Louisa” fährt mit baugleichen Schwesterschiffen in einem Einnahmepool. Ein Teil von ihnen soll kurzfristig im Spotmarkt fahren, die anderen Ankerzieher längerfristig beschäftigt werden. Eine Kalkulation nicht ohne Risiken, denn die Raten schwanken in einer extremen Breite, und das sehr schnell. So verdienten solche Schiffe vor wenigen Jahren im Spot weit unterhalb von 50.000 Dollar am Tag, zu anderen Zeiten dafür das fünffache. Die Einnahmen aus langfristigen Verträgen pendelten zwischen 12.000 Dollar und 58.000 Dollar täglich. Nordcapital bleibt bei seiner Mischkalkulation mit 42.000 Dollar unterhalb des Schnitts der vergangenen drei Jahre.

Gewinne: Geht die Rechnung auf, bekommen Zeichner Ausschüttungen von acht Prozent. Inklusive des eingeplanten Verkaufserlöses würden sie bis Ende 2022 ihren Einsatz ungefähr verdoppeln. Der Verkauf soll die Hälfte des Neupreises bringen. Das ist nach Aussage von Gutachtern kein unrealistisches Szenario. Die Schiffshypothek soll gemäß Prognoserechnung nach zwölfeinhalb Jahren getilgt sein.

Weiche Kosten: Die Nebenkosten summieren sich auf rund 19,5 Prozent des Eigenkapitals inklusive Agio. Das ist für einen Schiffsfonds nicht zu viel.

Anbieter: Nordcapital zählt mit einem Investitionsvolumen von 5,8 Milliarden Euro zu den führenden Emissionshäusern Deutschlands. Bislang hat es 120 Fonds vornehmlich mit Schiffen, aber auch Immobilien, Private-Equity-Beteiligungen und erneuerbaren Energien aufgelegt. Eine gute Adresse.

Steuern: Auch Ankerzieher können mit der Tonnagesteuer punkten und Anlegern daher nahezu abgabenfreie Ausschüttungen ermöglichen.

Fazit: Ankerzieher haben mit der üblichen Seeschifffahrt nichts zu tun. Sie fahren in einem Markt, der abhängig ist von den Entwicklungen der Öl-und Gaspreise. Ein volatiles Geschäft, das nur schwer vorherzusagen ist. Charterverträge liegen beim Fondsobjekt noch nicht vor. Immerhin ist Initiator Nordcapital mit einer Millionen Euro eigenem Kapital nachrangig daran beteiligt. Ein Fonds für Schiffs-Investoren, die auch bei hoher See ruhig bleiben.
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