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Smart Investor Weekly 04/2010 Ein Präsident - läuft Amok?

Gastautor: Ralf Flierl
26.01.2010, 17:19  |  1323   |   |   
Mit seinen jüngsten Vorschlägen zur Regulierung des Finanzsektors hat sich Barack Obama an Wall Street keine Freunde gemacht. Die Börsen reagieren geradezu verängstigt auf das, was da aus Washington zu hören war.

Haben wir jetzt das Obama-Drama?
Das für den vergangenen Herbst von uns erwartete „Obama-Drama“ ist bekanntlich ausgeblieben. Zu Beginn des neuen Jahres sieht die Lage inzwischen wieder etwas anders aus. Wenngleich wir an den mittel- bis langfristigen Trends, die auf unserer These des Crack-up-Booms (CuB) basieren, keine Zweifel hegen – wir also steigende, haussierende Aktienmärkte erwarten –, ist die begonnene Korrektur ein deutliches Indiz dafür, dass die letzten Ankündigungen Barack Obamas von den Finanzmärkten mit Skepsis und offener Ablehnung betrachtet werden. Im Kern will Obama den großen Häusern an Wall Street den Eigenhandel, also das Spekulieren auf eigene Rechnung, verbieten und damit das Investmentbanking empfindlich beschneiden. Außerdem sollen Banken nicht länger in Private-Equity-Vehikel oder Hedge Fonds anlegen dürfen. Auch diese Idee stößt auf wenig Gegenliebe. Last but not least sehen die Pläne eine bislang nicht näher definierte Obergrenze bei der Größe der Institute vor. Hiermit soll der „Too Big to Fail“-Problematik in Zukunft vorgebeugt werden. Wenn einzelne Banken eine Bilanzsumme auf sich vereinen, die bei einer Pleite womöglich das gesamte System ins Wanken bringen kann, können sich die verantwortlichen Manager insgeheim darauf verlassen, dass ihnen in letzter Konsequenz der Staat zu Hilfe eilt. Lehman war in dieser Hinsicht nur die Ausnahme von der Regel.

Richtig und doch falsch
Wenn einige Kommentatoren die ungewohnt harschen Pläne Obamas vor allem als innenpolitischen Schachzug nach der verlorenen Wahl in Massasuchets interpretieren, so haben sie sicherlich Recht. Obama versucht sich derzeit als entschlossenes Gegengewicht zur Wall Street zu inszenieren, das er aufgrund seiner persönlichen Vita eigentlich nicht ist und vermutlich auch niemals sein kann. Zudem darf bezweifelt werden, dass die vom früheren FED-Chef Paul Volcker ausgearbeiteten Vorschläge das Finanzsystem tatsächlich sicherer und stabiler machen. Die jetzige Krise hat ihre Ursache in einer viel zu laxen Geldpolitik und dem naiven Glauben, dass jeder sich sein eigenes Häuschen leisten kann. Dann erst kamen die Banken ins Spiel, die aus zweifelhaften Hypotheken neue Pakete schnürten und diese protegiert von erstklassigen Ratings als sichere Anlage vermarkteten. Der von Obama ins Visier genommene Eigenhandel war allenfalls ein Verstärker der Talfahrt, nicht jedoch deren Auslöser. Und dass plötzlich eine Regierung – wenn es wirklich ans Eingemachte geht – sich als Verfechter freier Märkte gegen die öffentliche Meinung positionieren wird, erscheint nach der Entwicklung der vergangenen zwölf Monate nur sehr bedingt glaubwürdig. Einer, wenn nicht der Verfechter freier Märkte ist Ron Paul, der bereits seit Jahrzehnten für freie Märkte kämpft und die wahren Ursachen der Krise beim Namen nennt. Seine Prinzipientreue und sein Lebensweg sind beeindruckend. Mehr dazu erfahren Sie im neuen Heft, gleichfalls auch über die nach wie vor ungelösten Probleme. Denn das „Too Big to Fail“-Dilemma zum Beispiel wird auch Obama letztlich nicht lösen können. So falsch und wirkungslos die zunächst angekündigten Maßnahmen allesamt auch sind, ist es doch nur logisch und gerecht, wenn die Banken – und hiermit sind vorrangig die großen Spieler an Wall Street gemeint – einen finanziellen Beitrag zur Beseitigung der Krisenfolgen entrichten. Es ist längst nicht mehr vermittelbar, warum Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden sollen. Mit ihrem Verhalten und ihrer Uneinsichtigkeit rütteln die Herren Banker an dem Kitt, der auch unsere Gesellschaft zusammenhält.
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