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Euro und GAP - Chartanalyse

Gastautor: Andreas Mueller
11.05.2010, 10:33  |  7314   |   |   
Der Euro zeigte eindrucksvoll was ein GAP ist. Erklärungen dazu in diesem Trading-Gezwitscher

Was ist ein GAP?

Ein GAP ist eine Lücke. In der Betrachtung eines Charts von einem Handelsinstrument an der Börse ist ein GAP somit eine Kurslücke. Diese entsteht durch sehr schnelle Bewegungen an den Märkten und durch Kursdifferenzen während einer Handelspause. Identifiziert wird die Größe eines GAPs somit durch die Differenz zwischen dem letzten Handelskurs vor dieser Lücke zum nächsten Kurs nach dieser Zeit.

Je nach Markt können unterschiedliche GAPs entstehen. Der Devisenmarkt neigt durch die lange Handelszeit in der Woche (Montag bis Freitag) zu wenigen GAPs, während beispielsweise Indizes jeden Handelstag mit einem GAP eröffnen können. Die Kursverläufe von Einzelwerten (Aktien) weisen zudem häufig ein GAP bei unerwarteten Veränderungen der Fundamentaldaten auf.

Welche GAP-Arten gibt es?

In der Ausgestaltung und Entwicklung von Kurslücken unterscheidet man unterschiedliche Arten von GAPs.

- Runaway GAP ist gekennzeichnet von mehreren Notierungslücken in Folge, die in eine Richtung verlaufen. In der Regel sind diese bei Aktien innerhalb eines starken Trends zu beobachten.

- Common GAP ist ein „normales” GAP in einem Seitwärtsmarkt, das in der Regel schnell geschlossen wird. Dies ist Grundlage für viele Daytrader und letztlich Ziel einer Intraday-Spekulation.

- Exhausting GAP entsteht am Ende eines Trends und leitet eine Trendumkehr ein.

- Island GAP bezeichnet eine Erschöpfungslücke in einem Trend, welche zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Kurslücke geschlossen wird. Der so entstandene Kursbereich wird als Insel gekennzeichnet. Dies ist sehr selten und kann auf der Unterseite (nach einem Abwärtstrend) und auf der Oberseite (nach einem Aufwärtstrend) gebildet werden.

Der Handel von GAPs

Nach Identifizierung eines GAPs sollte man dies nicht „blind” handeln. Gemeint ist das Warten auf ein entsprechendes Signal. Mit der Aussage „70 Prozent aller GAPs werden geschlossen” wird der zeitliche Aspekt ausgeklammert. Für Daytrader macht es wenig Sinn, auf die Schließung eines Island GAP zu spekulieren und das Kapital womöglich mehrere Tage oder Wochen zu binden. Praktischer ist die Identifikation eines Common GAP, da diese häufig während der ersten Handelsstunde (im Fall von US-Aktienindizes) geschlossen werden. Aber auch hier gilt es, ein entsprechendes Signal abzuwarten.

Je nach GAP-Art entstehen unterschiedliche Einstiegssignale.

Aktuell: GAP im EUR/USD

Mit der Einigung am Sonntagabend zur „Rettung des Euro” zwischen den G20-Staaten und dessen Vertretern, wird eine Zweckgemeinschaft geschaffen. 60 Milliarden aus EU-Gemeinschaftsmitteln, 440 Milliarden von den Mitgliedsstaaten und 250 Milliarden als Kreditlinie vom IWF bilden den Rettungsschirm. Das bedeutete für den Wechselkurs EUR/USD eine massive Aufwertung zum Handelsbeginn am Montag-Morgen. Zwischen dem Schlusskurs am Freitag und diesem Eröffnungskurs entstand ein GAP von 170 Pips. Da dies nicht am Ende eines Trends vollzogen wurde, nennt man dies Common GAP.



Im weiteren Handelsverlauf konnte der EUR/USD im Zuge dieser Meldung bis knapp unter 1,31 steigen. Mit der Meldung über einen Rückkauf von Anleihen durch die EZB, entstand ab Mittag neuer Druck auf die Einheitswährung. Damit erodiert das Fundament der EZB, wie man in der Fachpresse nachlesen kann.
Aus charttechnischer Sicht gewann das GAP somit an Bedeutung. Das Signal eines Einstieges ist hierbei der Bereich der ersten Kursnotierung des Tages (in diesem Fall die Candle bei 1,2900) und im weiteren Verlauf die GAP-Kante als engster Bereich dieser Kurslücke (1,2820 etwa). Beides habe ich rot markiert.
Das hier vorgestellte GAP wurde gegen 18.00 Uhr dynamisch geschlossen. Ein GAP-Gewinn konnte mit geringem Risiko vereinnahmt werden.



Ausblick EUR/USD

Der Blick auf den mittelfristigen Chart offenbart eindrucksvoll die Dynamik des Abwärtstrends. Dieser wurde jedoch bereits am Freitag verlassen. Es schloss sich eine Konsolidierungszone an. Der Ausbruch aus dieser am Montag wurde brutal eingefangen, das GAP (wie bereits beschrieben) geschlossen und damit ein erneuter Eintritt in diese Konsolidierungszone vollzogen.



Aus der Sicht dieser Charteinstellung ist der Bereich von 1,2600-1,2650 als Unterstützung zu werten und die Marke von 1,2800 als Widerstand. Beide Marken sind aus meiner Sicht prozyklisch zu handeln, das heißt; ein Ausbruch unter 1,2600 auf der Shortseite und über 1,2800 auf der Longseite. Eine Entscheidung gibt uns der Markt letztlich.

Ich hoffe mit dieser Kolumne ein wenig Orientierungshilfe geleistet zu haben und wünsche allen Lesern viel Erfolg in der Umsetzung des Handels.

Zu kontaktieren bin ich wie immer in den Tages-Trading-Chancen.



Bernecker1977
(Andreas Mueller)

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