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Standortfaktor Sind Chinas Löhne schon zu hoch?

Gastautor: Gerhard Heinrich
17.06.2010, 13:50  |  3244   |   |   

Der taiwanesische Auftrags-Elektronikhersteller Foxconn hat seinen Arbeitern in China jüngst umfangreiche Lohnerhöhungen zugestanden. Die Grundlöhne sollen um 30 Prozent steigen. Angestellte, die ihre Planziele erreichen, können künftig sogar bis zu 66 Prozent mehr verdienen können. Die Gesellschaft reagierte damit auf eine Selbstmordserie unter ihren Arbeitern, die international heftige Kritik an den dortigen Arbeitsbedingungen hervorgerufen hat.  

Foxconn gehört zur Hon-Hai-Gruppe, die für Hersteller wie Dell, Apple und Sony Mobiletelefone und Computer baut. Hon Hai beschäftigt in China mehr als 800.000 Mitarbeiter, weshalb die Gehaltserhöhungen durchaus ins Gewicht fallen. Das Unternehmen hofft, die höheren Lohnkosten an seine Kunden weiterreichen zu können. Ob dies funktionieren wird, ist allerdings noch ungewiss.

Foxconn und Hon Hai gehören in China sicherlich nicht zu den schlechtesten Arbeitgebern. Dennoch wollen sich die einfachen Fabrikarbeiter im Billiglohnland China nicht mehr mit den dort gemeinhin bezahlten Hungerlöhnen abfinden. Auch eine Fabrik des japanischen Autoherstellers Honda wurde zuletzt 10 Tage lang bestreikt, was zu empfindlichen Produktionsausfällen führte. 

Die chinesische Regierung greift bei solchen Arbeitsniederlegungen nicht ein, und entgegen westlicher Vorstellungen sind wilde Streiks im Reich der Mitte schon seit längerem an der Tagesordnung. Vor allem die junge Generation unter den Arbeitnehmern wird sich zunehmend ihrer Rechte bewusst, und fordert diese immer öfter auch vehement ein. Zudem hat Premier Wen Jiabao sich vor kurzem demonstrativ auf die Seite der Belegschaften gestellt, und die Unternehmen dazu aufgefordert, insbesondere die Wanderarbeiter besser zu behandeln.

Das robuste Wirtschaftswachstum der letzten Jahre ermutigt die Regierung ohnehin dazu, verstärkt die Belange der Arbeiter wahrzunehmen. In fast allen chinesischen Provinzen wurden die Mindestlöhne dieses Jahr deutlich angehoben – laut Morgan Stanley um durchschnittlich 17 Prozent. In der Provinz Peking lag die Anhebung nach der konjunkturbedingten Nullrunde im vergangenen Jahr sogar bei 20 Prozent. 

Besonders hoch sind die Mindestlöhne damit auch weiterhin nicht. Sie befinden sich in vielen Regionen des Landes bei lediglich etwa 130 bis 150 Dollar im Monat, und reichen damit kaum zum Leben. Dennoch stellt die vorgeschriebene Anhebung einen weiteren entschlossenen Schritt zur Hebung des Lebensstandards breiter Schichten dar, denn bereits in den Jahren vor der Finanzkrise waren jeweils Mindestlohn-Steigerungen verordnet worden, die sich meist im hohen einstelligen Prozentbereich bewegten. 
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