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Was Weizen und Aldi-Butter gemeinsam haben und wieso 120 Kilometer Stau den Rohstoffmarkt unterstützen - Seite 2

Gastautor: Tim Roedel
03.09.2010, 19:59  |  2305   |   |   


Nach Zucker, Kakao und Weizen scheint jetzt Baumwolle der Spekulanten liebstes Kind zu sein. Zumindest lassen stetig steigende Preise für Baumwolle-Futures stark darauf schließen. Auf bis zu 91,4 US-Cent pro Pfund stiegen diese an und markierten damit zuletzt ein 30-Monats-Hoch. Im Gegensatz zu Kakao und Weizen, den letzten beiden Spekulationszielen, rechtfertigen recht geringe Lagerbestände bei Baumwolle diesen Preisanstieg. Vor allem die Flut in Pakistan – das Land ist immerhin der viertgrößte Baumwoll-Produzent der Welt – hat dazu beigetragen, dass die weltweite Baumwollproduktion in diesem Jahr erstmals seit vielen Jahren wieder ein Angebotsdefizit aufweisen könnte. Eine um 16% schlechtere Ernte als im vergangenen Jahr halten Experten dabei für möglich. Dies dürfte den Baumwollpreisen kurzfristig nochmals Aufwind geben. Für die nächste Erntesaison rechnen dieselben Experten jedoch wieder mit einem Anstieg der Produktion um 13%, was den Preis für Baumwolle in 2011 wieder auf ein normales Niveau bringen dürfte.

Apropos Weizenpreis: Dieser konnte in dieser Woche abermals zulegen. Der Grund dafür sind Meldungen über eine gestiegene Nachfrage aus Ägypten und Deutschland. Ägypten hat wohl auf einen Schlag 225.000 Tonnen Weizen vom Markt weggekauft. Mehrere deutsche Mühlen vermeldeten, dass sie in diesem Jahr verstärkt Weizen aus den USA nachfragen werden. Ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass viele Weizenspekulanten händeringend nach jeder noch so kleinen Meldung suchen, die das Weizen-Kartenhaus weiterhin stützen können. Das sollte jedem einleuchten, der sich vor Augen führt, dass allein die Vereinigten Staaten aktuell etwa 25 Millionen Tonnen Weizen in ihren Lägern haben. Also mehr als die hundertfache Menge dessen, was Ägypten jetzt vom Markt gekauft hat. Das wäre in etwa so, als wenn Aldi 100 Stück Butter im Regal liegen hätte und bei nur einem verkauften Stück den Butterpreis erhöhen würde.

Trotz überwiegend positiver Meldungen über die Zukunft der Weltwirtschaft hat es Rohöl aktuell schwer. Der Preis für ein Barrel Rohöl schwankt selbst intraday um mehrere USD rauf oder runter. Vor allem in den USA – sozusagen dem Mutterland der Ölverschwendung – stottert die Ölnachfrage. Rechnet man alle US-amerikanischen Lagerbestände an Rohöl- und Ölprodukten zusammen, so kommt man auf eine Gesamtlagersumme von 1,14 Milliarden Barrel. Eine so hohe Menge war seit Beginn der Öllagerstatistik in den USA vor 20 Jahren noch nie auf Lager. Selbst die Katastrophe im Golf von Mexiko und die damit zusammenhängenden Folgen oder auch die Drosselung der Rohölförderung in den meisten der großen Ölfördernationen führen aktuell nicht zu einem signifikanten Lagerabbau – eher das Gegenteil ist der Fall. Es bleibt abzuwarten, ob der bevorstehende Winter auf der nördlichen Hemisphäre oder auch weitere Pläne zur Produktionsdrosselung in den OPEC-Staaten da etwas Linderung herbeiführen kann.
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