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     3211  0 Kommentare Gold – Reservewährung oder Rohstoff?

    Der Goldpreis handelt aktuell am Allzeithoch bei mehr als 1270 Dollar je Feinunze. Nach der Schließung des öffentlichen Vertriebs eines großen deutschen Goldfonds wird vermehrt die Frage diskutiert, ob Gold als Währung oder als Rohstoff betrachtet werden sollte.

    Gold ist seit Jahrtausenden ein Wertaufbewahrungsmittel und bietet Schutz in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten. Sehr viele Währungen waren durch Goldstandards an das Edelmetall gekoppelt. Als wichtigster Standard gilt das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingeführte Bretton-Woods-System.

    Dabei koppelten die teilnehmenden Staaten ihre Währungen an den US-Dollar. Die Vereinigten Staaten wiederum verpflichteten sich, US-Dollar zu einem fixierten Preis von 35 US-Dollar je Feinunze gegen Gold einzutauschen, sodass auch der Goldpreis festgelegt war. Nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems Ende der 60er Jahre wurde der Goldpreis nicht mehr zentral von Regierungen, sondern an privaten Märkten gebildet. Im Zuge der Liberalisierung des Goldpreises kam es zu einem deutlichen Anstieg in den 70er Jahren, der bis auf ein Hoch bei 835 US-Dollar im Jahre 1980 führte. Der zweite große Anstieg begann Ende 2001, seitdem hat sich der Goldpreis von einem Tiefstand bei 250 US-Dollar aus mehr als vervierfacht
    Das Beispiel Bretton Woods zeigt, dass Gold durchaus als Währung interpretiert werden kann.

    Das globale Goldangebot wird bestimmt durch den Goldabbau in Minen, Goldschrott sowie durch Zentralbankverkäufe. Notenbanken halten Gold immer noch als Reservewährung, um in Krisenzeiten ein Instrument zur Stabilitätssicherung zu haben. Die Nachfrage stammt traditionell hauptsächlich aus der Schmuckindustrie mit einem Anteil von aktuell mehr als 60%. Der Trend ist allerdings rückläufig. Stark gestiegen ist im Gegenzug die Investmentnachfrage, bedingt durch zunehmende Inflationsängste und die weltweit wachsende Staatsverschuldung. Aktuell kommt mehr als 40 Prozent der Goldnachfrage aus dem Investmentsektor. Vor allen Dingen die Nachfrage nach börsengehandelten Goldprodukten ist sprunghaft gestiegen. Allein in den Jahren 2007 bis 2009 hat die Nachfrage nach Exchange Traded Funds um mehr als 140 Prozent zugenommen.Die Zuflüsse in börsengehandelte Fonds liegen bei aktuell mehr als 620 Tonnen physisches Gold und tragen damit knapp 20 Prozent zur globalen Nachfrage bei. Die Gesamtnachfrage nach Gold hat Ende 2009 getrieben durch den Investmentsektor einen neuen Höchststand erreicht und ist weiter ansteigend.

    Die hohen Mittelzuflüsse in börsengehandelten Goldfonds und die starken Preissteigerungen zeigen, dass viele Investoren Gold heute wieder als Reservewährung ansehen, die Stabilität gegenüber schwachem Papiergeld und hoher Inflation bietet. Gold ist aber weder nur Währung noch nur Rohstoff. Investoren sollten daher vorsichtig sein, wenn sie die eine oder andere Brille bei der Analyse und Vorhersage des Goldpreises aufsetzen. Fundamentale Faktoren wie Angebot und Nachfrage spielen genauso eine Rolle wie die durch Stimmungen getriebene Investmentnachfrage, und beide Faktoren sind sehr schwer prognostizierbar.



    Henning Beck
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    Gerd Henning Beck ist seit 2006 Senior Portfolio Manager bei Lupus alpha. Er ist verantwortlich für den Lupus alpha Commodity Opportunities Funds / Lupus alpha Commodity Invest.
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    Verfasst von 2Henning Beck
    Gold – Reservewährung oder Rohstoff? Der Goldpreis handelt aktuell am Allzeithoch bei mehr als 1270 Dollar je Feinunze. Nach der Schließung des öffentlichen Vertriebs eines großen deutschen Goldfonds wird vermehrt die Frage diskutiert, ob Gold als Währung oder als Rohstoff …

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