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Trading hautnah Endstation Parkett

Der Film "Endstation Parkett" zeigt eindrucksvoll in Form eines Doku-Drama die Menschen hinter den Orders. Markus Koch gelingt damit ein Meisterwerk.

Die Stadt Chicago steht bei Börsianern stellvertretend für die Börsenplätze CBOT (Chicago Board of Trade) und CME (Chicago Mercantile Exchange). Beide Börsen schlossen sich 2007 zur CME Group zusammen und besitzen eine lange und beeindruckende Historie. So wurde die CBOT bereits im Jahr 1848 gegründet und ist damit die älteste Terminbörse der Welt. Neben Agrarprodukten wie Getreide, Schweinebäuchen und Kaffee wurden im Jahr 1919 die ersten Börsentermingeschäfte standardisiert. Das Volumen dieser Geschäfte nahm seitdem stetig zu und erreichte im Jahr 2003 den Rekordstand von 454 Millionen Verträgen.

 

Parketthandel wandelt sich

 

Im Jahr 1998 arbeiteten an den Parkettbörsen in Chicago etwa 10.000 Trader. Es wurde im selben Jahr der elektronische Handel eingeführt. Ursprünglich sollte dieser für mehr Handelsvolumen an allen Börsen sorgen. Dies gelang nicht ganz. Der elektronische Handel verdrängte zunehmend die Arbeit der Parketthändler nicht nur in Chicago. Heute sind in dieser Stadt unter 1.000 Trader übrig – das ist ein Rückgang von 90 Prozent. Es wird jedoch nicht weniger gehandelt, sondern über 90 Prozent aller Orders finden über den Computer statt und führen damit zum Aussterben des Berufs Parketthändler. Ein weiterer damit einhergehender Fakt ist die sinkende Gewinnspanne im Zuge steigender Effizienz an den Märkten. Dieser Trend tendiert in Richtung: Endstation Parkett.

 

Das Doku-Drama

 

Von dieser eingangs beschriebenen Entwicklung handelt das Doku-Drama „Endstation Parkett“. Der Wall Street-Experte Markus Koch (bekannt von n-tv) und der US-Regisseur James Allen Smith promoten diesen Streifen seit Herbst 2010 in ausgewählten deutschsprachigen Kinos. In den USA sorgte er bereits für Begeisterung in „The Wall Street Journal“ und „The New York Times“. Ungeschminkt und erschreckend authentisch zeigt das Doku-Drama, wie sich der Wandel vom Parketthandel zum Computertrading in den letzten 12 Jahren vollzog. Bewusst anders als in den bekannten Hollywood-Produktionen wie „Wall Street“ oder „The Bank“ werden die Akteure nicht als taffe und nervenstarke Egoisten dargestellt sondern bekommen erstmals den notwendigen Raum, um sich als reale Person mit all den damit verbundenen Charaktereigenschaften zu präsentieren. Quer durch alle Gesellschaftsschichten bot ihnen der Parketthandel noch vor wenigen Jahren ungeahnte Möglichkeiten – aber auch eine dunkle Kehrseite. Hintergrund für diesen Job war nicht etwa die pauschale Gier nach materiellen Werten (die sicherlich auch eine Rolle spielte) sondern die ganz elementare Motivation, eine Lebensgrundlage für die eigene Familie zu erwirtschaften. Dafür nahmen einige Händler sogar Haus-Hypotheken auf und ließen im täglichen Kampf auf dem Parkett neben der gewohnt lauten Stimme ebenso gelegentlich die Fäuste sprechen.

 

Cover Endstation Parkett

 

Im Zeitablauf der Dokumentation dieser ausgewählten Parketthändler wird schnell deutlich, wie negativ sich diese Belastung aus täglichem Erfolgsdruck, Aufmerksamkeit und Adrenalin auswirken kann. Ob sich dies im Gewinnerfall in der Jagd nach Safari-Trophäen aus Afrika oder im Verlustfall im Alkoholrausch und dem Leben ohne Familie spiegelt, wird anhand von Interviews beider Seiten der Medaille eindrucksvoll und unzensiert dokumentiert. Mehrere bewegende Händlerschicksale räumen gnadenlos mit den existierenden Vorurteilen über dieses Berufsbild auf. Jeder Börsianer wird zum Mitfühlen animiert. Zuschauer ohne vorherigen Bezug zum Handel an den Finanzmärkten nehmen als Fazit mit, dass Händler sein kein sonniger Traumberuf sondern tägliche Schwerstarbeit bedeutet.

 

Mein Fazit

 

Floored (Originaltitel) überzeugt mit realen Menschen und deren Schicksalen. Markus Koch und James Allen Smith beschreiten mit diesem Doku-Drama den schmalen Grat zwischen Begeisterung und Mitgefühl neben eindrucksvollen Bildern aus dem Herzen des Börsenhandels. Dabei kommt der durchweg spannungsgeladene Film ohne Stars der Filmindustrie aus. Man kann die Thematik in einem Satz aus dem Film leicht sarkastisch zusammenfassen: „In den 90er Jahren haben wir die Computer-Freaks ausgelacht – jetzt nehmen sie Rache.“ – Prädikat: unbedingt ansehen!

 

Als Referent auf der "World of Trading 2010" hatte ich in Frankfurt am Main die Gelegenheit, diesen Film exklusiv zu sehen und im Anschluss daran mit Markus Kuch und James Allen Smith zu reden. Einen Einblick (Trailer) und weiterführende Informationen gibt es unter: http://www.endstationparkett.de

 

Bernecker1977

(Andreas Mueller

 

 

 

 



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Trading hautnah Endstation Parkett Der Parketthandel weicht dem elektronischen Handel. Wie verändern sich die Berufsbilder und die Menschen hinter den Orders?

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