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Politik Das Geheimnis um „Karl-Theodor zu Guttenbergs-Afghanistan“

Gastautor: Heiko Schrang
13.01.2011, 17:26  |  2387   |   |   

Seit Beginn des Afghanistan-Krieges sind 44 Bundeswehrsoldaten im Kampf gegen den Terror gestorben. Was steckt tatsächlich hinter der Afghanistan-Offensive der so genannten Afghanistan-Schutztruppe und wer erzielt seinen Profit auf den Rücken der Opfer und was weiß Karl-Theodor zu Guttenberg davon?

Die Politik will uns weiß machen, dass zur Verteidigung der Demokratie und zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus auch Opfer in Form von Menschenleben gebracht werden müssen, was wir Deutschen mittlerweile leidvoll erfahren mussten. Der neue Heilsbringer Karl-Theodor zu Guttenberg, der durch die Medien systematisch als neuer Kanzlerkandidat aufgebaut wird und eine breite Zustimmung in der Bevölkerung erfährt, sollte allerdings als amtierender Verteidigungsminister am Besten über die Hintergründe dieses Einsatzes Bescheid wissen. Die offizielle Version für den Afghanistan-Krieg liest sich wie folgt:

Die Medien ließen verlauten, dass Osama bin Laden für die Anschläge vom 11.September 2001 verantwortlich sei und sich angeblich nach Afghanistan absetzte, um dort Schutz beim Taliban-Führer Mullah Omar zu suchen. Um Osama bin Laden ausfindig zu machen, wurde eine ganze Kriegsmaschinerie in Gang gesetzt. Leider ohne Erfolg. Trotz Satellitenüberwachung ist Osama bin Laden bis heute unauffindbar. Das Ergebnis bis jetzt: ein Krieg ohne absehbares Ende mit hunderttausenden Opfern.

Worum es tatsächlich in Afghanistan geht, kann man sehr schön in dem 1997 erschienenen Buch "The Great Chessboard" (Das große Schachbrett) von Professor Brzezinski (Sicherheitsberater vom damaligen US-Präsident Carter) erkennen. Darin beschreibt er, dass in Eurasien das Zentrum der Weltmacht liegt. "Amerikas globale Vorherrschaft hängt direkt davon ab, wie lange und wie effektiv das amerikanische Übergewicht auf dem eurasischen Kontinent aufrechterhalten werden kann."

Brzezinski benennt dafür unter anderem Kasachstan, Turkmenistan und besonders Usbekistan und verweist auf die "enorme Konzentration von Gas- und Ölreserven" und auf die Planung einer Pipeline durch Afghanistan und Pakistan.

Nur wenigen ist bekannt, dass am 07.10.2001 die USA einen geheimen Vertrag mit Usbekistan unterzeichneten, der den Weg für den Bau einer Pipeline von Nord-Turkmenistan durch Afghanistan nach Pakistan und damit an den indischen Ozean freimachte.

Mittlerweile berichtete die renommierte „New York Times“ unter Berufung auf US-Regierungsmitarbeiter, dass Afghanistan im Besitz von bisher unentdeckten Bodenschätzen im Wert von einer Billionen Dollar sein könnte. Die Vorkommen von Lithium, Eisen, Kupfer, Kobalt und Gold seien so riesig, dass das verarmte Land zu einem der weltgrößten Bergbauzentren avancieren könnte. „Es gibt hier ein erstaunliches Potenzial“, erklärte der Kommandeur des Central Command der US-Streitkräfte, General David Petraeus. Interessanterweise befinden sich ein Großteil der Vorkommen im Süden und Osten an der Grenze zu Pakistan. Damit wird offensichtlich, warum genau in dieser Region der Aufstand der Taliban-Rebellen besonders ausgeprägt ist.

Über diese Geschehnisse müsste ein Verteidigungsminister im Normalfall informiert sein. Aber im Verhältnis zu Rüstungs- und Ölkonzernen ist dieser nur ein kleines Licht, aber, wie so viele Politiker, einer Ihrer Erfüllungsgehilfen.

Wie sich die internationale Gemeinschaft, vertreten durch Ihre jeweiligen Politiker, wirklich für Menschenleben interessiert, sieht man sehr schön an den Geschehnissen aus dem Jahr 1994 in Ruanda. Im April 1994 wurde ein Flugzeug mit Präsident Habyarimana an Bord über der Hauptstadt Kigali abgeschossen. Unmittelbar danach begann ein Töten und Schlachten, bei dem von April bis Juni 1994 ca. 800.000 Menschen getötet wurden. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gab damals den westlichen Regierungen und dem UN-Sicherheitsrat eine schwere Mitschuld an dem Genozid. In einem 1999 in Nairobi veröffentlichten Untersuchungsbericht hieß es, dass die USA, Frankreich und Belgien schon Monate vor Beginn der Massaker Dutzende von Warnungen erhalten hätten, jedoch nicht eingegriffen haben. Die Clinton-Administration, die zu keinem Zeitpunkt einen militärischen Einsatz gegen die Massaker erwogen hatte, - da Ruanda ja keine amerikanischen Interessen bedrohte, wie es hieß - , sprach sich in voller Kenntnis der Sachlage für den Abzug der UN-Einheiten aus Ruanda aus.

Wo waren die Trauerfeiern, Schweigeminuten, Gedenkveranstaltungen für diese Opfer?

Ein Schelm, der da nicht denkt, dass von alledem Herr Karl-Theodor zu Guttenberg und natürlich auch alle anderen Politiker nichts wussten.

 

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2 Kommentare

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Kommentare

Also ich hab kein Problem mit dem Artikel... Ist mir seit Jahren klar, daß es in Afghanistan wesentlich um Öl, Wasser und strategische Dinge geht. Gab es mal einen sehr schönen Artikel dazu in "brand eins".
hallo,

auch wenn ich w:o die betriebswirtschaftkiche notwendigkeit nicht absprechen möchte, so ist doch das unzensierte veröffentlichen derartiger artikel für mich mehr als bedenklich.

ob die boardregeln nun nach stgb missachtet werden, möchte ich nicht näher betrachten. aber dass auch noch mit gefallenen (nicht gestorbenen) soldaten die nötige aufmerksamkeit des lesers geweckt werden soll, das verstösst gegen den guten geschmack -zumindest den meinigen.

wenn dem autor keine besseren beiträge einfallen, um gehör -und letztendlich money zu finden, sollte er vielleicht doch seinen beruf wechseln.

nur meine pers. meinung, vllt haben andere user ebenso gefühlt.

uraltkali

Disclaimer

Gastautor

Heiko Schrangbeleuchtet regelmäßig die Themen Inflation und Staatsbankrott und berichtet über Sachwertanlagen wie 1A-Immobilien als Kapitalanlagen. Seit 2005 hält Heiko Schrang zudem Vorträge zu den Themen Inflation, Gold und Finanzkrisen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.macht-steuert-wissen.de

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