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Was tun beim Hersteller von Biokraftstoff?

Premium: TradeCentre
09.08.2011, 08:35  |  1444   |   |   

Der Anbieter von Biokraftstoffen musste die Prognose für das Jahr 2011 auf der Ertragsseite nach unten anpassen. Anstatt einem EBITDA zwischen 35 und 40 Millionen Euro soll sich der operative Gewinn vor Abschreibungen auf 25 bis 30 Millionen Euro belaufen. Das EBIT wird nunmehr zwischen sechs und zwölf Millionen Euro erwartet anstatt zuvor zwischen 15 und 25 Millionen Euro. Das ist nicht schön; aber nicht zu ändern. Wie uns Vorstandschef Claus Sauter bei unserem Besuch in der Firmenzentrale in Leipzig erklärt, hängt die reduzierte Gewinnprognose im Wesentlichen an der geringer als erwarteten Produktion von Biogas.

Die Produktionskapazität für Biogas von derzeit insgesamt 60 Megawatt konnte aufgrund technischer Schwierigkeiten nicht wie geplant hochgefahren werden, so dass in den ersten beiden Quartalen wesentlich weniger Biogas als geplant produziert werden konnte. Durch die begrenzte Verfügbarkeit der Kapazitäten und der längeren Dauer für das Hochfahren im Zusammenhang der Entschwefelung der Biogasanlagen, wirkt sich laut dem CEO mit einem zuvor angenommenen Gewinnbeitrag von circa sieben Millionen Euro nachteilig auf den Profit aus. Ein weiterer Effekt resultiert aus den Startschwierigkeiten auf dem E10-Markt im Bereich Bioethanol. VERBIO wird in der kommenden Woche die Zahlen für das erste Halbjahr verkünden. Sie sollten aus den dargestellten Gründen nicht viel erwarten.

Das Gute: Die erste Halbzeit ist vorbei. Die Zweite wird besser! Das verspricht uns Sauter. „Im Bereich Biogas haben wir alle technischen Probleme gelöst. Wir arbeiten inzwischen mit einer Auslastung von 80 Prozent und fahren die Anlagen weiter hoch“. Seit Anfang Juli läuft auch das Geschäft mit Bioethanol auf Hochtouren. Nach einer Auslastung in Q2 der Kapazitäten auf Vorquartalsniveau, ist das Unternehmen im dritten Quartal bereits ausverkauft. Für das Schlussquartal ist die Produktion bereits heute zu knapp 80 Prozent verkauft. „E10 wird inzwischen am Markt viel besser angenommen. Das wirkt sich sehr positiv aus, weshalb ich für den Bereich zuversichtlich bin“. „Überraschend gut“ entwickelt sich der Verkauf vom dritten Kraftstoff des Konzerns. Biodiesel. „Uns hilft die Marktbereinigung und die Nachhaltigkeitsverordnung“, sagt Sauter. Die Auslastung liegt bei über 70 Prozent.

Perspektivisch hat VERBIO die besten Chancen im Bereich Biogas zu wachsen. Der Vorstand baut die Kapazitäten in dieser Einheit kräftig aus. Im Verlauf des kommenden Jahres soll sich die Produktion auf 125 Megawatt verdoppeln. Das Gas wird ins Netz eingespeist und soll für die Mobilität bei Gasfahrzeugen verwendet werden. „Wir verkaufen unser Biogas zum Erdgaspreis“. Der Ausbau kostet weitere 40 Millionen Euro und ist finanziert. Ab 2013 kann das Unternehmen über die volle Kapazität von 125 Megawatt verfügen. Laut Sauter soll dies einen EBIT-Beitrag von 30 bis 40 Millionen Euro zum Konzern beisteuern. Mit dem Ausbau dieser Investition ist noch lange nicht Schluss. „Mein Ziel ist eine weitere Verdopplung auf ein Volumen von 250 Megawatt“. An der Verwirklichung des weiteren Ausbaus von 125 Megawatt arbeitet der Firmenchef mit Hochdruck. Ziel ist diese Anlagen in Osteuropa gemeinsam mit Landwirten hochzuziehen. Die Leipziger liefern die Technologie und der Landwirt die dazu notwendigen Rohstoffe. Ein erstes Projekt ist in Ungarn geplant. Offen für diesen vollständigen Ausbau ist noch die Finanzierung. „Wir prüfen verschiedene Optionen. Eine Kapitalerhöhung kann ich allerdings ausschließen“. Eine Option wäre eine Anleihe. Das wird von Sauter nicht unbedingt favorisiert. Eine weitere Option ist ein zusätzlicher Partner aus der Industrie oder ein Projektinvestor für die Biogasanlagen in Osteuropa. Das wäre sicherlich der charmanteste Weg.

Sollte das zweite Halbjahr wie von Sauter erwartet nunmehr positiv verlaufen, könnte VERBIO am Jahresende am oberen Ende der EBIT-Range landen. Dennoch sollten Anleger den Blick auf die Folgejahre richten. Die grundsätzliche Story ist absolut intakt. Das Gewinnversprechen für dieses Jahr hat sich lediglich auf der Zeitachse um ein Jahr verzögert. 2012 dürfte VERBIO im eingeschwungenen Zustand der Biogasaktivitäten, einem soliden Geschäft mit Biodiesel und Bioethanol, ein EBIT von mindestens 25 bis 30 Millionen Euro erwirtschaften. Das Unternehmen muss jetzt allerdings liefern. Den Ausrutscher in diesem Jahr haken wir ab. Einen weiteren sollte sich Sauter nicht mehr leisten. Sonst ist das bisher zurückgewonnene Vertrauen in das Management ganz schnell wieder weg. Nach dem deutlichen Kursrückgang sehen wir für die Aktie hohe Chancen. Bei Kursen um drei Euro wird das Unternehmen lediglich mit knapp 200 Millionen Euro kapitalisiert. Der Buchwert liegt bei 330 Millionen Euro. Die Aktie ist sodann alles andere als teuer. Sobald sich der Gesamtmarkt wieder etwas beruhigt, ist unser Altfavorit wieder kaufenswert.

Beste Grüße
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