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Zertifikate Scope: Ein oft vernachlässigtes Risiko

Gastautor: Sasa Perovic
25.08.2011, 10:47  |  1368   |   |   

In Südbaden klingeln die Kassen: Der starke Schweizer Franken veranlasste die Eidgenossen zuletzt verstärkt dazu, für Einkäufe die Grenze nach Deutschland zu überqueren. Das freut deutsche Einzelhändler. Profiteure gibt es natürlich auch an der Börse. Nicht nur, wer direkt auf einen starken Franken setzte, konnte sich freuen. Auch wer bei einem Zertifikate-Investment in einen Schweizer Basiswert auf die Währungsabsicherung verzichtet hat, profitiert. Eine solche Entscheidung kann aber auch schnell teuer werden, wie andere Beispiele zeigen.

Der DAX ist der beliebteste Basiswert für Zertifikate bei Privatanlegern. Auch deutsche Einzelaktien und der Euroland-Index Euro STOXX 50 stehen hoch im Kurs. Wer hier investiert, muss sich über Wechselkursrisiken keine Gedanken machen. Für Underlyings aus fremden Währungsräumen gilt dagegen: Anleger müssen entweder sowohl zum Basiswert selbst als auch zur Währung eine Meinung mitbringen oder diesen Einfluss eliminieren. Dies gelingt mit Zertifikaten, die mit dem Zusatz „Quanto“ versehen sind.
Währungseffekte werden durch eine solche Absicherung ausgeblendet. Somit kann sich ein ungünstiges Wechselkursverhältnis nicht negativ auf den Zertifikatepreis auswirken. Andererseits werden aber auch positive Effekte unterbunden. Deutlich ist dies an zwei Zertifikaten zu sehen, die sich auf den Schweizer Leitindex SMI beziehen. Auf Zwölf-Monats-Sicht liegt der Index rund 15 Prozent im Minus. Ähnlich die Performance eines Open End-Zertifikats der Commerzbank (ISIN: DE0007036857), das gegen Währungsrisiken abgesichert ist. Dagegen fällt der Verlust bei einem Zertifikate der Deutschen Bank (ISIN: DE000DB0SM19) auf denselben Index ohne Währungssicherung deutlich geringer aus. Der starke Franken hat dazu geführt, dass das Zertifikat auf Jahressicht lediglich ein Minus von 1,4 Prozent hinnehmen muss.

US-Dollar liegt auf Jahressicht hinten
Gelohnt hat sich die Währungssicherung dagegen vielfach für Anleger, die bei Zertifikaten auf US-Basiswerte zugegriffen haben. Das Wechselkursverhältnis zum Euro kannte in den vergangenen Jahren mehrere Höhen und Tiefen, der Trend kehrte sich mehrmals um. Auf Sicht eines Jahres hat der Greenback jedoch gegenüber dem Euro verloren. Das Devisenpaar bewegte sich von 1,26 auf aktuell rund 1,44 US-Dollar. Im gleichen Zeitraum verzeichnete der US-Index S&P 500 ein Plus von rund 6 Prozent. Einen Zuwachs in ähnlicher Höhe kann ein Zertifikat mit Quanto-Absicherung von der Commerzbank (ISIN: DE000CB23ZE0) ausweisen. Wenig genützt hat die Stärke des US-Index dagegen einem Zertifikat der Deutschen Bank (ISIN: DE0007093361) ohne Währungssicherung. Auf Zwölf-Monats-Sicht sorgte der schwache US-Dollar hier sogar für ein Minus von 6 Prozent.
Besonders bitter ist dieser Effekt zu spüren, wenn sowohl Basiswert als auch dessen Währung schwach tendieren: Im ersten Quartal des Krisenjahrs 2008 verlor der S&P fast 9 Prozent. Der US-Dollar rutschte gegenüber dem Euro um knapp 8 Prozent ab. Bei dem Non-Quanto-Zertifikat der Deutschen Bank resultiert das in einem Verlust von rund 15 Prozent für diesen Zeitraum.

Risiken trennen
Die beiden Fallbeispiele zeigen: Eine Quanto-Absicherung kann sich positiv, aber auch negativ auf das Investment auswirken. Daher stellt sich für Anleger die Frage, ob sie Zertifikate mit oder ohne diesen Zusatz wählen sollten. Generell gilt: Wer Anlage- und Währungsrisiko trennen möchte, sollte Quanto-Papiere bevorzugen. Weiterhin lässt sich feststellen, dass die Absicherung insbesondere bei solchen Basiswerten sinnvoll ist, die negativ mit ihrer Währung korreliert sind. Bestes Beispiel hierfür ist Gold, das in US-Dollar gehandelt wird. In der Vergangenheit ging eine steigende Goldnotiz meist mit einem fallenden US-Dollar einher und umgekehrt.
Die Gebühr, die Emittenten für eine Quanto-Absicherung verlangen, ist in solchen Fällen allerdings in der Regel teurer. Wie hoch sie ausfällt, ist von Emittent zu Emittent unterschiedlich. Die Performance-Daten der Zertifikate machen dies deutlich. Scope Analysis hat verglichen: Bei acht Gold-Trackern mit Quanto-Absicherung am Markt reicht die Historie mindestens zwölf Monate zurück. In dieser Zeit kletterte das Edelmetall in US-Dollar  um rund 54 Prozent. Das Quanto-Zertifikat der Royal Bank of Scotland schneidet am besten ab und zeigt sogar eine Performance von plus 58 Prozent. Schlusslicht ist das Produkt von Goldman Sachs. Es konnte die Gold-Hausse mit einem Plus von 49 Prozent deutlich schwächer nachvollziehen. Ohne Währungssicherung kamen Anleger übrigens nur auf eine Performance von rund 35 Prozent (z.B. ISIN: DE000DR1VJC6)

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