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Grüner Fisher Droht ein neuer Bärenmarkt?

Gastautor: Thomas Grüner
30.08.2011, 17:50  |  2229   |   |   
Wird aus dem Kursrutsch eine globale Rezession?

Die Parallelen zu 2008 machen die Runde. Angeblich soll uns ein neuer Bärenmarkt bevorstehen. Ein Rückfall in eine neue, globale Rezession - ausgehend von den USA - wird befürchtet. Der Kurseinbruch ist heftig gewesen, die Anleger sind verschreckt. Das Trauma das Jahres 2008 ist vielen Investoren wieder in Erinnerung getreten. Viele Fragen stellen sich: Gibt es diese bösen Parallelen tatsächlich? Droht erneut eine globale Rezession? Welche Unterschiede gibt es? Wie sollte man sich verhalten?

S&P 500 seit 1982

Sucht man nach einer technischen Parallele zum jüngsten Kursrutsch, so fällt der Vergleich zu 1998 ins Auge (blau markiert). Auch damals wurde der laufende Bullenmarkt von einer scharfen Korrektur unterbrochen - kein neuer Bärenmarkt entstand!

Der S&P 500 stieg vom 27. August 2010 bis zum 02. Mai 2011 um 31,8 % an, bevor die Korrektur begann. 1998 stieg der US-Leitindex S&P 500 vom 28. Oktober 1997 bis zum 20. Juli 1998 um 39,2 % an. Ähnlich!

Die Korrektur führte den S&P 500 vom 20. Juli 1998 bis zum 08. Oktober 1998 um 22,4 % nach unten. Sie kennen sicher auch die unsinnige "Regel", dass ab einem Verlust von mehr als 20 % von einem neuen Bärenmarkt ausgegangen werden muss. Viele Korrekturen größer als 20% hat die Börsengeschichte für uns parat, die wenigsten davon mündeten jedoch tatsächlich in einen Bärenmarkt.

In diesem Jahr hat der S&P 500 seit seinem Hoch am 02. Mai bei rund 1371 Punkten bis zum bisherigen Tief am 09. August 2011 um 19, 6 % nachgegeben. Während also der Anstieg im Vorfeld etwas geringer als 1998 ausfiel, fiel auch der bisherige Verlust in der scharfen Korrektur 2011 etwas geringer aus. Ähnlich!



Dow Jones seit 1987

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf den "Medienindex" Dow Jones. Auch hier fällt auf den ersten Blick die Ähnlichkeit zum Verlauf in 1998 auf. Eine scharfe Korrektur! Wie auch beim S&P 500 hat der Dow Jones eine Aufwärtstrendlinie bisher nur temporär verletzt. Die Korrektur kann durchaus noch zu einer veritablen Bärenfalle mutieren. Nicht zu pessimistisch sein!



Zinsstrukturkurven geben Entwarnung

Wirft man den Blick auf einen wichtigen Indikator für einen drohenden Bärenmarkt - die Zinsstrukturkurven - kann auch hier eine Parallele zu 2008 verneint werden. Während im Vorfeld des Bärenmarktes 2008 die Zinsstrukturkurven im Jahr 2007 für viele Monate invers waren, ist dies in 2011 ganz anders!

Die Notenbanken halten die Zinssätze am kurzen Ende noch immer recht tief. Banken können sich daher kurzfristig extrem günstig refinanzieren und dieses Geld längerfristig und zu höheren Zinssätzen ausleihen. Das klassische Kreditgeschäft - als eine der Haupteinnahmequellen der Banken - ist positiv. 2007 war dies ganz anders und "zwang" die Banken in die berühmten Schrottpapiere, um laufende Erträge zu erzielen. In 2011 ist dies nicht notwendig. Die Zinsstrukturkurve ist zwar flacher geworden, da die Renditen der Langläufer seit Jahresanfang deutlich gefallen sind. Die Kurve ist jedoch immer noch steil genug, um den Banken durch diese so genannte Fristentransformation recht ordentliche Erträge einzubringen.

Für einen globalen Bärenmarkt brauchen wir eine globale Rezession. In einem Umfeld steiler Zinsstrukturkurven in Europa und den USA - auch fast überall in der Welt - ist eine globale Rezession ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Auch die aktuellen Wirtschaftsdaten sind weltweit - auch in den USA - viel zu robust, um eine Rezession zu erwarten.



Fazit

Die befürchtete und angeblich drohende Parallele zu 2008 ist mehr der Angst unter den Investoren geschuldet, als der tatsächlichen Fakten- und Datenlage. In einem Umfeld steiler Zinsstrukturkurven und robuster Wirtschaftsdaten ist ein Rückfall in eine erneute Rezession extrem unwahrscheinlich. Ohne eine globale Rezession wird ein neuer und globaler Bärenmarkt ebenfalls unwahrscheinlich. Es sprechen aus unserer Sicht viele Faktoren dafür, dass der jüngste Kursrutsch viel mehr eine heftige, typische Korrektur in einem Bullenmarkt darstellt. Der Vergleich mit 1998 erscheint uns wesentlich plausibler als die vermeintliche - und unwahrscheinliche - Parallele zu 2008.
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Thomas Grüner ist Gründer und Vice Chairman der Vermögensverwaltung „Grüner Fisher Investments“ mit Sitz in Rodenbach bei Kaiserslautern. Grüner Fisher Investments arbeitet eng mit „Fisher Investments“, einem der größten amerikanischen Vermögensverwalter zusammen. Weitere Informationen unter: www.gruener-fisher.de. Bitte beachten Sie den dort hinterlegten Disclaimer sowie die Nutzungsbedingungen.

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