Neues vom Rohstoffexperten 2012 das Jahr der Kritische Metalle ?

28.01.2012, 19:14  |  8194   |   

2012 das Jahr der Kritische Metalle ? Was sind diese kritischen Metalle? Warum heißen sie so?

2012 das Jahr der Kritische Metalle

Als die chinesische Regierung im Jahr 2010 das erste Mal eine drastische Kürzung der Exportquoten für eines ihrer begehrtesten Exportgüter - die Seltenen Erden - ankündigte, dauerte es nicht lange, bis dieses Thema auf den Titelseiten aller wichtigen und weniger wichtigen Medien in Deutschland auftauchte. Selbst Dokumentationen über diese wichtigen Rohstoffe, von denen vorher kaum jemand etwas gehört hatte, sowie zahlreiche Debatten über die derzeitige und künftige Versorgungssituation waren im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen zu sehen. Exotische Elemente wie Neodym und Dysprosium waren auf einmal in aller Munde. Was jedoch immer noch weitgehend unbekannt ist, ist die Tatsache, dass es neben den Seltenen Erden noch weitere Rohstoffe, insbesondere Metalle gibt, bei denen eine ebenso kritische Versorgungssituation vorherrscht oder die genauso wichtig für die Wirtschaft und das tägliche Leben sind wie die Seltenen Erden. Zusammengefasst werden diese unter dem Begriff seltene oder kritische Metalle.

Abgrenzung nicht eindeutig

Im Gegensatz zu den genau festgelegten 17 Elementen der Seltenen Erden gibt es für die kritischen Metalle keine klare Abgrenzung. Die Definition, welches Metall als kritisch oder teilweise auch als strategisch eingestuft wird, kann von Studie zu Studie variieren und ist auch eine Frage der Parameter, die für die Beurteilung angelegt werden. So kann ein Metall zum Beispiel als kritisch eingestuft sein, weil die Versorgung nur durch wenige Produzenten gewährleistet wird oder weil das Metall in wichtigen Anwendungen nicht durch andere Materialien ersetzt (substituiert) werden kann und somit ein Lieferausfall oder -engpass negative Folgen für die Wirtschaft oder den technologischen Fortschritt haben könnte.

Zahlreiche Studien warnen vor Versorgungsengpässen

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat im April 2010 eine aktualisierte Übersicht von 19 Metallen veröffentlicht, die erstmals im Frühjahr 2009 in der Studie "Rohstoffbedarf für Zukunftstechnologien" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erschien und die den "Einfluss des branchenspezifischen Rohstoffverbrauchs in rohstoffintensiven Zukunftstechnologien auf die zukünftige Rohstoffnachfrage" untersuchte. Dabei wurde ein Indikator entwickelt, der angibt, "welcher Anteil, in mehreren Fällen auch das Wievielfache der heutigen Weltproduktion des jeweiligen Rohstoffs für diese Technologien 2030 benötigt wird. Er ist ein Maß für den Ausbaubedarf der Minenproduktion" (ANGERER et al. 2009)

Ein Indikator von > 1,0 für das Jahr 2030 gibt in diesem Fall an, dass alleine die näher betrachteten Zukunftstechnologien eine größere Menge dieser Rohstoffe verbrauchen würden, als derzeit weltweit produziert werden. (BGR, Commodity Top News Nr. 33, S. 2)

Tabelle 1: Produktion 2006, Bedarfssumme 2006, erwartete Bedarfssumme 2030 sowie Indikator des Rohstoffbedarfs (Bedarfssumme/Rohstoffproduktion 2006) für ausgewählte Zukunftstechnologien, nach ANGERER et al. (2009). Aufgrund aktuellerer Produktionsdaten konnten zahlreiche Indikatoren neu berechnet werden.

Rohstoff

Produktion

2006 1) (t)

Bedarfssumme

2006 (t)

Bedarfssumme 2030 (t )

Indikator

2006

Indikator

2030

Gallium  

152 6)

28

603

0,18 1)

3,97 1)

Indium

581

234

1.911

0,40 1)

3,29 1)

Scandium   

1,3-2 5)

0

3

0

2,31 1)

Germanium  

100

28

220

0,28 1)

2,20 1)

Neodym

16.800 6)

4.000

27.900

0,23 1)

1,66 1)

Platin   

255

sehr klein

345

0

1,35 1)

Tantal 

1.384

551

1.410

0,40 1)

1,02 1)

Silber

19.051

5.342

15.823

0,28 1)

0,83 1)

Zinn

327.676

188.405

233.344

0,57 1)

0,71 1)

Kobalt

62.279

12.820

26.860

0,21 1)

0,43 1)

Palladium  

267

23

77

0,09 1)

0,29 1)

Titan

7.211.000 3)

15.397

58.148

0,08

0,29

Kupfer

15.093.000

1.410.000

3.696.070

0,09

0,24

Selen   

2.080

1

165

0

0,08 1)

Ruthenium  

29 4)

0

1

0

0,03

Niob 

44.531

288

1.410

0,01

0,03

Yttrium   

7.000

1

85

0

0,01

Antimon  

172.223

28

71

<0,01

<0,01

Chrom

19.825.713 2)

11.250

41.900

<0,01

<0,01

1) von BGR aufgrund neuerer Daten korrigierter Wert, 2) Chromit, 3) Erzkonzentrat, 4) Verbrauch, 5) nach Schätzungen zwischen

1,3 und 2 t Scandium aus Bergbauproduktion, 6) Annahme voller Produktion in China und Russland

(Quelle: BGR, Commodity Top News Nr. 33 vom 22.04.2010)

In der im Juli 2010 veröffentlichten Studie der Europäischen Kommission "Critical raw materials for the EU" wurde eine Gruppe von 41 Mineralien und Metallen analysiert, von denen letztendlich 14 als kritisch eingestuft, da sie das Potential hätten, bei Versorgungsengpässen den technologischen Fortschritt und damit das Wirtschaftswachstum der Europäischen Union zu hemmen.

Tabelle 2: 14 kritische Metalle nach Definition der EU (Quelle: European Commission, "Critical raw materials for the EU", 30. Juli 2010)

Wie man sehen kann, unterscheiden sich die Metalle auf der Liste der Europäischen Union teilweise von denen, die in der Studie des BMWi aufgeführt werden. Dies liegt, wie bereits angemerkt, an der unterschiedlichen Betrachtungsweise und der Definition des Begriffs "kritisch". Eine weitere Einschätzung zur Versorgungssicherheit von Metallen erstellt der British Geological Survey mit seiner jährlich veröffentlichten Risk List. Die Einordnung auf der Liste richtet sich in diesem Fall vor allem nach der Häufigkeit des Elements in der Erdkruste in Verbindung mit den Orten der derzeitigen Produktion und den Lagerstätten der Reserven sowie der dort vorherrschenden politischen Stabilität. Der BGS identifizierte dabei alleine 28 Elemente oder Elementgruppen, bei denen China der dominierende Produzent ist. Die ausführliche Liste ist zu finden unter www.mineralsuk.com

Zukunftstechnologien - Hauptanwendungsbereiche der kritischen Metalle

Wie in den unterschiedlichen Studien deutlich wird, sind es vor allem die Zukunftstechnologien, bei denen in Zukunft ein stark steigender Bedarf erwartet wird. Dabei stellen die sogenannten Grünen Technologien sowie Anwendungen in der Elektronik und Elektrotechnik den größten Posten dar.

 

Im Falle von Gallium z.B. wird eine Verdoppelung des Verbrauchs bis zum Jahr 2015 auf 270 Tonnen und ein weiterer Anstieg auf nahezu 400 Tonnen bis zum Jahr 2020 erwartet, wovon etwa 45% auf den Photovoltaik-Sektor entfallen. Für den Fall dass sich der PV-Sektor noch stärker entwickelt, könnte der Gesamtverbrauch von Gallium auf etwa 480 Tonnen und einem Anteil des PV-Sektors von 60% ansteigen. (Quelle: European Commission, Annex V to the Report of the Ad-hoc Working Group on defining critical raw materials, 30.07.10)

 

Die Hauptanwendung für Indium, einem weiteren Metall auf den o.a. Listen, ist die Verwendung in Flachbildschirmen (74% des Gesamtverbrauchs). Hier wird der größte zusätzliche Bedarf bis zum Jahr 2020 allerdings ebenfalls im Bereich der Photovoltaik gesehen, da Indium einer der Hauptbestandteile von sogenannten CIS-Dünnschicht-Solarzellen ist. Dieser Technologie wird ein starkes Wachstum in den nächsten Jahren vorhergesagt. Derzeit bezieht die EU mehr als 80% ihres Bedarfs an Indium aus China.

(Quelle: European Commission, Annex V to the Report of the Ad-hoc Working Group on defining critical raw materials, 30.07.10)

Als letztes Beispiel soll hier Platin genannt werden, welches der Allgemeinheit hauptsächlich als Edelmetall für die Schmuckherstellung bekannt sein sollte. Platin gehört zur sogenannten Platinmetallgruppe, zu der Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Osmium und Iridium zählen. Die weltweite Produktion von Platin belief sich im Jahr 2009 auf gerade mal 178 Tonnen. Die Hauptquellen der EU für Platingruppenmetalle sind Südafrika (etwa 60%) und die Russische Föderation (mehr als 30%). In diesen Ländern liegen auch die weltweit größten Reserven. Obwohl die Verwendung von Platin als Schmuck die bekannteste sein dürfte, liegt die Hauptanwendung in der Herstellung von Katalysatoren für Fahrzeuge.

(Quelle: European Commission, Annex V to the Report of the Ad-hoc Working Group on defining critical raw materials, 30.07.10)       

Die EU geht davon aus, dass Platingruppenmetalle eine wichtige Rolle in zukünftigen Technologien spielen werden. Es wird erwartet, dass vor allem für den Bereich von Fahrzeugen mit Brennstoffzellenantrieb der Bedarf an Platin die weltweite Produktion des Jahres 2006 deutlich übersteigen wird.

Investmentchancen

Bei vielen kritischen Metallen wird die Angebotsseite von wenigen oder sogar nur einem Anbieter dominiert. Kommt dann noch dazu, dass für das entsprechende Metall in der Zukunft ein stark ansteigender Bedarf prognostiziert wird und es zeichnet sich ab, dass das Angebot nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann, profitieren die Unternehmen, die dann in der Lage sein werden, neue Ressourcen zu erschließen oder sogar mit einer eigenen Produktion den Markt zu bedienen. Das Feld der kritischen Metalle ist sehr weit gefasst (alleine schon aufgrund der unterschiedlichen Definitionen) und man muss sich intensiv damit befassen, um die Metalle und Werte herauszufiltern, die das größte Wachstumspotential für die Zukunft bieten. Dann jedoch hat man beste Chancen, am Rohstofftrend kritische Metalle zu profitieren. Einige potentielle Kandidaten für Investments finden Sie in der jetzt veröffentlichten Studie SDR SPEZIAL Kritische Metalle 2012 /Download Link: http://netzagentur.de/sdr/sdr-km-2012.pdf

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