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USD/JPY Der Geist ist aus der Flasche – Japan mit geldpolitischem Paukenschlag

Gastautor: Torsten Gellert
04.04.2013, 14:35  |  1501   |   |   

Es war ein Paukenschlag, der da heute aus Tokio zu vernehmen war und ein kleines Erdbeben an den Finanzmärkten auslöste. Der Yen verlor kurz nach der Verkündigung der Maßnahmen zur zukünftigen japanischen Geldpolitik ganze 250 Pips, nun müssen für einen Dollar wieder mehr als 95 Yen gezahlt werden. Im Gegenzug beendete der Nikkei die heutige Handelssitzung mit einem Plus von fast 300 Punkten oder 2,2 Prozent. „Neue Besen kehren gut!“ Im Falle des neuen Mannes an der Spitze der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda kann man festhalten, dass er zumindest den festen Willen hat, besser als alle seine Vorgänger „zu kehren“ und diesen Willen heute nicht nur bekräftigt sondern auch in die Tat umgesetzt hat.

 

Ich ging zwar in meinem Kommentar am Dienstag davon aus, dass Kuroda die Märkte nicht enttäuschen und gleich bei seiner ersten Sitzung eine Duftmarke setzen würde. Aber die Entschlossenheit und damit auch Aggressivität, mit der die japanische Notenbank nun in den Kampf gegen die jahrelange Deflation zieht, stellt alles bisher Gesehene in den Schatten und wird damit zum größten geldpolitischen Experiment aller Zeiten. Jährlich will die Bank of Japan ab sofort Staatsanleihen im Wert von 50 Billionen Yen (rund 410 Milliarden Euro) kaufen, die Geldmenge an umlaufenden Yen soll damit jährlich um 60 bis 70 Billionen Yen (rund 580 Milliarden Euro) ausgeweitet werden. Damit verdoppelt sich die Geldbasis von aktuell 138 Billionen Yen bis zum Ende 2014 auf dann 270 Billionen Yen. Zwar hat die Notenbank auch schon in den vergangenen Jahren eine expansive Geldpolitik betrieben. Sie hatte sich dabei unter Kurodas Vorgänger allerdings selber zahlreiche Beschränkungen, wie das Maximum der Operationen in Höhe der bereits im Umlauf befindlichen Banknoten und Münzen und die Laufzeitbegrenzung der zu kaufenden Anleihen, auferlegt, die nun komplett über den Haufen geworfen wurden. Ein Experiment stellt dieser Schritt deshalb dar, weil man die Folgen dieser Politik zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht abschätzen kann. Vom langfristigen Erfolg und einer Rückkehr Japans zu alter Stärke bis hin zum Bankrott der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt ist alles möglich.

Geht alles gut und gelingt es dem japanischen Hoffnungsduo aus Ministerpräsident Abe und eben jenem Kuroda, der jetzt geldpolitisch alles richten soll, den seit fast zwei Jahrzehnten anhaltenden Verfall der Preise umzukehren und dafür zu sorgen, dass neben den Preisen auch die Unternehmensgewinne und damit die Löhne steigen, könnten sie in ein paar Jahren als Helden gefeiert werden, die endlich das geschafft haben, woran alle ihre Vorgänger gescheitert waren. In diesem Szenario würde das Programm aus Steuersenkungen, staatlich finanzierten Konjunkturprogrammen und vielleicht sogar zaghaft angepackten Strukturreformen mit einer durch den schwächeren Yen anspringenden Exportindustrie zu wieder steigenden Wachstumsraten führen. Dann würde selbst der Schuldenberg, der inzwischen auf fast 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angewachsen ist, langfristig durch die Kombination aus steigendem Wirtschaftswachstum und anziehender Inflation abgebaut werden. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario liegt in meinen Augen allerdings bei weniger als 20 Prozent.

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