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    Kosten der Geldanlage  3866  1 Kommentar Keine Angst vor der Finanztransaktionssteuer!

    Eine große Koalition würde eine Finanztransaktionssteuer wohl einführen. Die Auswirkungen könnten durchaus heilsam sein, würde sie doch die Kosten des häufigen Umschichtens verteuern. Auf ein langfristig angelegtes Depot hätte sie dagegen so gut wie keinen Einfluss.

     

     

    Im Gegensatz zu vielen Streitthemen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD konnten sich beide Parteien bei diesem Thema schnell einigen: Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist offenbar beschlossene Sache. Wirklich überraschend kommt diese Einigung indes nicht. Die Zustimmung ist in der Öffentlichkeit groß, und auch der amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie die Sozialdemokraten sind für eine Einführung der Steuer. Bei Lichte betrachtet wird es im neuen Bundestag keine Partei geben, die sich ausdrücklich gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ausspricht.

    Auch in Europa ist Deutschland damit alles andere als allein: Mit Frankreich und Italien haben bereits zwei Mitglieder der Europäischen Währungsunion inzwischen nationale Finanztransaktionssteuern eingeführt. Elf weitere EU-Staaten haben darüber hinaus signalisiert, dass sie eine solche Steuer bei einer europaweiten Einführung ebenfalls umsetzen würden. Hier wäre vorgesehen, dass der Steuersatz 0,1 Prozent auf den Handel von Aktien und Anleihen sowie lediglich 0,01 Prozent auf den Handel von Derivaten betragen soll.

    Bislang sind diese europaweiten Bemühungen allerdings gescheitert, unter anderem am Widerstand Großbritanniens und Luxemburgs. Zumindest in Deutschland soll sie nun doch kommen, hört man aus den Koalitionsverhandlungen. Wie inzwischen bei derartigen Vorhaben fast schon üblich, warnt nun ein breiter Chor von Lobbyisten vor den Kosten und Gefahren einer solchen Abgabe. Am Ende werde es die Sparer treffen, heißt es, nicht zuletzt auch die Riester-Rentner könnten betroffen sein.

    Panikmache oder berechtigte Kritik?

    Für die konventionelle Finanzindustrie ist die dargestellte Angst dabei vollkommen berechtigt: Für sie ist das Unterfangen gefährlich, sehr gefährlich sogar, aber vor allem für die Industrie selbst, weniger für die Sparer. Eher ließe sich mit Blick auf den Sparer der Spieß gewissermaßen umdrehen: Die Steuer kann dem Sparer helfen, sich vor den Tricks der traditionellen Finanzinstitute in Sicherheit zu bringen, weil sie ihm die Problematik klassischen Provisionsbankings vor Augen führt. Denn der Sparer wird durch diese Steuer auf ein Thema gestoßen, das schmerzhaft und peinlich für jeden Berater ist, der von Provisionen lebt: der hohe, in weiten Teilen kaum sinnvolle Umschlag von Vermögen - sei es innerhalb eines Finanzproduktes oder zwischen unterschiedlichen Produkten.

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    Philipp Dobbert
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    Philipp Dobbert ist Chefvolkswirt der quirin bank AG. Bei der auf Honorarberatung spezialisierten Bank liefert er mit seinen Kapitalmarktanalysen die Grundlagen für die Arbeit der Honorarberater. Gleichzeitig zeichnet er verantwortlich für die Szenarioanalyse bei quirion, der ersten Online-Honorarberatungsplattform.
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    Verfasst von 2Philipp Dobbert
    Kosten der Geldanlage Keine Angst vor der Finanztransaktionssteuer! Im Gegensatz zu vielen Streitthemen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD konnten sich beide Parteien bei diesem Thema schnell einigen: Die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist offenbar beschlossene Sache. Wirklich überraschend kommt diese Einigung indes nicht. Die Zustimmung ist in der Öffentlichkeit groß, und auch der amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble sowie die Sozialdemokraten sind für eine Einführung der Steuer. Bei Lichte betrachtet wird es im neuen Bundestag keine Partei geben, die sich ausdrücklich gegen die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ausspricht.

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