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Anlagestrategie Die vermeintliche Sicherheit von Bankeinlagen

07.03.2014, 14:27  |  2012   |   |   

Viele Anleger flüchten vor der Unsicherheit der Kapitalmärkte in die vermeintliche Sicherheit von Bankeinlagen und nehmen dafür so niedrige Zinsen in Kauf, dass sie nicht einmal ihr reales Vermögen erhalten. Ob Bankeinlagen wirklich so sicher sind, wie diese Anleger glauben, kann man allerdings bezweifeln.

Nach Berechnungen der DZ-Bank betrug das gesamte private Geldvermögen der Deutschen Ende 2013 5,2 Billionen Euro. Davon bestanden 2,1 Billionen (40%) aus Bankeinlagen, 1,5 Billionen (30%) aus Lebensversicherungen und nur 1 Billion (20%) aus Wertpapieren, also Aktien, Renten, Zertifikaten und Investmentfonds. Bankeinlagen sind mit Abstand die beliebteste Anlage der Deutschen, worin ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis zum Ausdruck kommt.

Die berühmte Garantieerklärung der Bundeskanzlerin Merkel am 5.10.2008 bestärkte die deutschen Sparer in dem Glauben, ihre Einlagen seien sicher. Eine ähnliche Versicherung erhielten allerdings auch die zypriotischen Sparer von ihrer eigenen Zentralbank, die am 11.2.2013 in einem Brief an den Vorstandvorsitzenden der Laiki Bank betonte, dass „jede Beschränkung der Eigentumsrechte von Einlegern der Verfassung der Republik Zypern und der ... Europäischen Menschenrechtskonvention widerspricht. Jeder entgegengesetzte Vorschlag ist nicht nur juristisch unhaltbar, sondern kann gar nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden.“  Sechs Wochen später wurde die Laiki Bank geschlossen, und ihre Einleger wurden, wie auch die Einleger der anderen großen zypriotischen Bank, weitgehend enteignet.

Leider genügt ein Blick in die Finanzgeschichte, um festzustellen, dass die Vorstellung riskikoloser Bankeinlagen schon immer eine Illusion war. Bankenkrisen waren bisher nicht die Ausnahme, sondern die Regel. In der von Reinhart und Rogoff (2009) vor der letzten Krise zusammengetragenen umfassenden Datensammlung über historische Finanzkrisen findet sich nicht ein einziger Staat, der überhaupt keine Bankenkrise erlebt hat. Dabei wird eine Bankenkrise charakterisiert durch panikartige Massenabhebungen (bank runs) sowie Schließung, Fusion, Akquisition oder staatliche Rettung mehrerer bedeutender Banken. Die häufigsten Bankenkrisen traten nicht etwa in Entwicklungsländern auf, sondern in Staaten mit hochentwickeltem Finanzsektor wie den USA, Italien, Großbritannien und Frankreich.

Dies wird sich auch nicht ändern, solange Banken das äußerst lukrative, aber auch riskante Teilreservesystem betreiben. Aus den ihnen anvertrauten Einlagen, die kurzfristig von den Einlegern zurückverlangt werden können, finanzieren sie langfristige Kredite und Kapitalanlagen, und behalten nur einen Bruchteil als Barreserve für die Auszahlung von Einlagen zurück. Im Jahr 2008 standen den Einlagen aller EU-Banken nur 4% an Barreserven, also Bargeld und Zentralbankguthaben, entgegen. Bis 2012 stieg dieser Anteil durch milliardenschwere Rettungspakete und zögerliche Kreditvergabe auf 8%. Solange aber Bankeinlagen nicht zu 100% durch Barreserven gedeckt und damit von risikobehafteten Verbindlichkeiten der Banken transparent und ehrlich unterschieden werden, wird sich auch die Sicherheit von Bankeinlagen früher oder später als Illusion erweisen. Durch staatliche Einlagensicherung, staatliches Gelddruckmonopol und staatliche Bankenrettung wird die Illusion so lange wie möglich aufrechterhalten, doch auf Dauer ist die ökonomische Realität stärker als jeder Staat, der sich letztlich nur über Zwangsabgaben und Inflation finanzieren kann.

Anleger müssen einfach akzeptieren, dass es keine sicheren Geldanlagen gibt. Der heutige Wert jeder Anlage beruht auf den erwarteten Erträgen, die notwendigerweise in der Zukunft liegen und unsicher sind, weil sie durch menschliches Handeln und unvorhersehbare Umweltentwicklungen beeinflusst werden. Bankeinlagen, Staatsanleihen, Bargeld und Immobilien mögen unter normalen Umständen in ihrem Wert weniger stark schwanken als Aktien, Edelmetalle oder Rohstoffe, aber ihre zukünftige Entwicklung ist ebenfalls unsicher, und Verluste sind keineswegs ausgeschlossen. Der einzige halbwegs funktionierende Schutz des eigenen Vermögens besteht nicht im Vertrauen auf eine oder wenige „sichere“ Anlagen, sondern nur in einer möglichst breiten Streuung zwischen möglichst vielen Anlageformen.

Ein wesentlicher Aspekt der Unsicherheit aller Geldanlagen ist also die Unmöglichkeit, die zukünftige Entwicklung ihres Wertes vorherzusagen. Die von fast allen Finanzberatern behauptete Fähigkeit, zukünftige Marktentwicklungen voraussehen zu können, ist genauso illusionär wie der Glaube an sichere Geldanlagen, und deshalb schaffen es die meisten aktiv spekulierenden Vermögensverwalter nicht, den vergleichbaren Marktindex zu schlagen. Realistische Geldanlage ohne Illusionen bedeutet Festlegung einer starren Allokation zwischen möglichst vielen Anlageklassen, darunter Aktien, Anleihen und Sachwerten wie Immobilien, Rohstoffen und Edelmetallen, dann Auswahl geeigneter Indexfonds für jede Anlageklasse, und schließlich Verwaltung des Portfolios durch Aufrechterhaltung der starren Allokation. Für eine individuelle Verwaltung ist ein Mindestanlagevolumen von mehreren Millionen Euro erforderlich, damit die zur Aufrechterhaltung der festen Allokation gelegentlich erforderlichen Umschichtungen („Rebalancierung“) durchgeführt werden können, ohne die Erträge durch hohe Transaktionskosten spürbar zu beeinträchtigen. Für kleinere Anlagebeträge gibt es inzwischen Investmentfonds, deren Manager den hier erläuterten Ansatz konsequent umsetzen: konsequente Diversifikation, niedrige Kosten, keine Spekulation auf Basis von Prognosen. Mit einem solchen Ansatz lässt sich das Risiko zwar nicht eliminieren, aber zumindest spürbar reduzieren. Dagegen wird das Vertrauen auf angeblich risikolose Anlagen wie Bankeinlagen früher oder später wieder zu bitteren Enttäuschungen führen.

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