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DayTrader Uli Hoeneß: Sein Handel, seine Fehler und was Anfänger daraus lernen können

Gastautor: Sebastian Hell
13.03.2014, 10:51  |  8573   |   |   

Liebe Leserinnen, Liebe Leser,

am heutigen Donnerstag könnte das Urteil gegen Uli Hoeneß verkündet werden. Für Trader dürfte aber viel interessanter sein, dass Uli Hoeneß offenbar die gleichen Fehler gemacht hat wie jeder Trading-Einsteiger. Laut den aktuellen Gerichtsunterlagen hat er zwischen 2001 und 2009 über 50.000 Transaktionen getätigt. Auf den ersten Blick mag dies viel erscheinen, doch zeigt eine Umrechnung der Transaktionen auf neun Jahre, dass es sich um etwa 5.555 Transaktionen pro Jahr gehandelt haben muss.

Legt man nun 250 Börsentage zugrunde, hat Herr Hoeneß pro Tag durchschnittlich 22 Transaktionen getätigt. Ich kenne eine Reihe von professionellen Daytradern und Scalpern, die pro Tag weit über 100 Transaktionen durführen. Ganz abgesehen von Händlern die mit automatischen Systemen auf multiplen Märkten handeln. Hier sind 1.000 und mehr Transaktionen pro Tag nicht unüblich.

Wo lagen die Fehler von Uli Hoeneß?

Ich kenne seine Handelsstrategie nicht, doch wahrscheinlich hat er sich aufgrund der Transaktionszahl auf Daytrading (Tageshandel) beschränkt. Dies ist die klassische Erkennung von Mustern im Chart oder auch die Reaktion auf Nachrichten oder andere Ereignisse. Dies würde die Aussage von Uli Hoeneß erklären, dass er über einen Pager gehandelt hat.

Wahrscheinlich hat er also spontan auf wichtige Ereignisse reagiert. Laut der Medienberichterstattung, lief es bei Uli Hoeneß bis zum Jahr 2006 ganz gut. Laut offiziellen Verlautbarungen sollen zuvor Gewinne in Höhe von rund 130 Millionen Euro erzielt worden sein. Danach ging es mit Beginn der Finanzkrise nach unten. Letztlich hat Uli Hoeneß laut eigener Aussage deutlich mehr verloren als überhaupt gewonnen. Es bleibt ein Verlust. Der Fehler lag sicherlich im fehlenden Risikomanagement. Angetrieben durch die Gewinne der Vorjahre, wurden womöglich immer größere Summen und Positionen eingesetzt. Dies führte letztlich unterm Strich zu einem Verlust. Außerdem soll Hoeneß laut eigener Aussage gar nicht genau gewusst und verstanden haben was er da handelt.

Was wurde gehandelt?

Hierüber erfährt man relativ wenig aus der Medienberichterstattung. Es ist immer wieder die Rede von Devisentransaktionen. Laut Aussage des Richters Rupert Heindl hat es sich um Terminkontrakte gehandelt. Ob jedoch alle Transaktionen wirklich nur über den Devisenmarkt stattfanden oder nicht auch andere Werte gehandelt wurden, ist unklar. Meiner Einschätzung nach, ist die Vontobel Bank, über welche die Transaktionen für Uli Hoeneß durchgeführt wurden, nicht die erste Wahl bei Devisentradern. Es gibt und gab damals auch in der Schweiz Spezialbanken für Großkunden die primär auf den Devisenhandel spezialisiert waren. Die Vontobel Bank gilt eher als klassische Schweizer Bank die gut geeignet für Aktientransaktionen ist.

Was können Einsteiger hieraus lernen?

Wer Trading beginnt, muss eine eiserne Disziplin haben. Wie das Beispiel von Uli Hoeneß zeigt, kann man anfangs sehr gute Gewinne erzielen. Doch dann gilt es die Strategie weiterhin zu verfolgen und nicht übermütig zu werden. Zudem muss man seine Strategien regelmäßig überprüfen, ob diese noch zur Marktlage passen. Im Fall von Uli Hoeneß war wahrscheinlich die Finanzkrise für die Verluste verantwortlich. Hier hätte man aufgrund der enormen Schwankungen das Risiko deutlich reduzieren müssen!

 

Ihr Sebastian Hell

Die obenstehende Kolumne wird Ihnen präsentiert von QTrade (www.qtrade.de)



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