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Geldanlage Bargeld als sicherster Weg zum Vermögensverlust

13.03.2014, 13:19  |  1624   |   |   

Viele Anleger machen um riskante Anlagen wie Aktien, Unternehmensanleihen und Edelmetalle einen großen Bogen. Aber auch das Vertrauen in Staatsanleihen und Bankeinlagen hat spätestens seit der letzten Finanzkrise gelitten.

Gibt es überhaupt eine sichere Anlage für unser Vermögen? Besonders verunsicherte Sparer bevorzugen als letzte Zuflucht, ihr Vermögen ganz oder teilweise in Form von Bargeld zu Hause oder in einem Bankschließfach zu verwahren.

 

Leider genügt ein Blick in die Finanzgeschichte, um festzustellen, dass die Vorstellung der Vermögenssicherung mit Bargeld schon seit mindestens einem Jahrhundert eine Illusion ist. Als Geld noch Gold war, mag die Verwahrung im Safe ein möglicher Weg gewesen sein, sein Vermögen zumindest zu erhalten; in der heutigen Periode des inflationären Papiergeldes ist dies aber der sicherste Weg zur Vermögensvernichtung. In der von Reinhart und Rogoff (2009) vor der letzten Krise zusammengetragenen umfassenden Datensammlung über historische Finanzkrisen findet sich nicht ein einziger Staat, dessen Papiergeld seinen Wert langfristig auch nur annähernd erhalten hat.

 

Aus den Daten von Reinhart und Rogoff geht hervor, dass alle Staaten bis auf Panama und Neuseeland im Laufe ihrer Geschichte jährliche Inflationsraten von mindestens 20% erlebt haben, darunter stabile Länder wie Großbritannien, Kanada, die Niederlande, Schweden, die Schweiz und die USA. Für die anderen europäischen Staaten lag die höchste gemessene jährliche Inflationsrate zwischen 50% (Belgien) und über 500% (Hyperinflation in Deutschland, Griechenland, Österreich, Polen, Ungarn). Zwar wurden viele dieser besonders hohen Inflationsraten durch Kriege verursacht und liegen deshalb schon weit in der Vergangenheit. Doch selbst in der friedlichen Nachkriegsperiode von 1951 bis 2010 lag die durchschnittliche Inflationsrate über 2% in allen Staaten, und in den meisten noch deutlich höher. Selbst in der stabilen Schweiz (durchschnittliche Inflationsrate knapp über 2%) sank in dieser Periode die Kaufkraft um über 70%. In Deutschland betrug die durchschnittliche Inflationsrate in diesem Zeitraum ungefähr 4%, was über 60 Jahre einen Kaufkraftverlust von 90% bedeutete. In anderen Ländern mit noch höheren durchschnittlichen Inflationsraten von bis zu 8%, wie z.B. in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland, kam es in der gleichen Periode zu einem Kaufkraftverlust zwischen 97 und 99%.

 

Die in den letzten Jahrzehnten erfolgte starke Ausweitung der Geldmengen durch Zentral- und Geschäftsbanken lässt erwarten, dass sich die historische Erfahrung anhaltender Inflation auch in Zukunft fortsetzen wird. Nach offiziellen Statistiken der EZB stieg die Geldmenge M1, die sich aus Bargeld und täglich fälligen Einlagen zusammensetzt, von 20% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Eurozone im Jahr 1995 auf 55% im Jahr 2012. Die breitere Geldmenge M3, die zusätzlich auch Termineinlagen, Geldmarktfonds und kurzfristige Schuldtitel umfasst, stieg im gleichen Zeitraum von 71% auf 103% des BIP. Bisher hat diese dramatische Ausweitung der Geldmengen hauptsächlich zu einem starken Anstieg der Vermögenspreise geführt, wie z.B. bei Aktien, Immobilien, Gold oder Kunst, nicht aber zu einem starken Anstieg der Konsumgüterpreise. Es gibt aber erstens keine Gewähr dafür, dass dies so bleiben wird, und zweitens sind auch Vermögenspreisblasen extrem schädlich. So stand die durch die Geldmengenausweitung der FED ermöglichte Immobilienblase in den USA am Anfang der Finanzkrise, deren Folgen uns bis heute beschäftigen. Solange wir an dem von den Regierungen durch schrittweise Lösung vom Goldstandard eingeführten Papiergeldmonopol festhalten, wird sich auch die Vorstellung von Bargeld als sicherer Vermögensanlage als Illusion erweisen.

 

Anleger müssen einfach akzeptieren, dass es keine sicheren Geldanlagen gibt. Bargeld, Bankeinlagen, Staatsanleihen und Immobilien mögen unter normalen Umständen in ihrem Wert weniger stark schwanken als Aktien, Gold oder Rohstoffe, aber ihre zukünftige Entwicklung ist ebenso unsicher, und Verluste sind keineswegs ausgeschlossen. Der einzige halbwegs funktionierende Schutz des eigenen Vermögens besteht nicht im Vertrauen auf eine oder wenige „sichere“ Anlagen, sondern in einer möglichst breiten Streuung zwischen möglichst vielen Anlageformen.

 

Ein wesentlicher Aspekt der Unsicherheit aller Geldanlagen ist die Unmöglichkeit, die zukünftige Entwicklung ihres Wertes vorherzusagen. Die von fast allen Finanzberatern behauptete Fähigkeit, zukünftige Marktentwicklungen voraussehen zu können, ist genauso illusionär wie der Glaube an sichere Geldanlagen und stabiles Papiergeld, und deshalb schaffen es die meisten aktiv spekulierenden Vermögensverwalter nicht, den vergleichbaren Marktindex zu schlagen. Realistische Geldanlage ohne Illusionen bedeutet Festlegung einer starren Allokation zwischen möglichst vielen Anlageklassen, darunter Aktien, Anleihen und Sachwerten wie Immobilien, Rohstoffen und Edelmetallen, dann Auswahl geeigneter Indexfonds für jede Anlageklasse, und schließlich Verwaltung des Portfolios durch Aufrechterhaltung der starren Allokation. Für eine individuelle Verwaltung ist ein Mindestanlagevolumen von mehreren Millionen Euro erforderlich, damit die zur Aufrechterhaltung der festen Allokation gelegentlich erforderlichen Umschichtungen („Rebalancierung“) durchgeführt werden können, ohne die Erträge durch hohe Transaktionskosten spürbar zu beeinträchtigen. Für kleinere Anlagebeträge gibt es inzwischen Investmentfonds, deren Manager den hier erläuterten Ansatz diszipliniert umsetzen: konsequente Diversifikation, niedrige Kosten, keine Spekulation auf Basis von Prognosen. Mit einem solchen Ansatz lässt sich das Risiko zwar nicht eliminieren, aber zumindest spürbar reduzieren. Dagegen wird das Vertrauen auf angeblich risikolose Anlageformen wie Bargeld wieder zu bitteren Enttäuschungen führen. 

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