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Mox Telecom & Mox Deals Retten Sie, was noch übrig ist!

Gastautor: Armin Brack M.A.
22.06.2014, 13:42  |  16331   |  14   |   

Lieber Geldanleger,

diesen Dienstag meldete Mox Telecom, nach eigenen Angaben Global Player und Technologieführer für Calling Cards, Money Share und Deal Business (sic!), die drohende Zahlungsunfähigkeit.

Nur wenige Wochen zuvor, am 9. Mai, hatte man noch vorläufige Zahlen für 2013 veröffentlicht, die prozentual zweistellige Umsätze und Gewinnzuwächse auswiesen und damit den Eindruck eines kerngesunden Unternehmens erweckten.

Die Finanzpresse schreibt von einer Insolvenz aus heiterem Himmel. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, denn die Warnsignale leuchten bereits seit Jahren grell am Börsenhimmel. Es hat nur – wie so oft in solchen Fällen - kaum jemanden interessiert.

 

Bereits am 18. Januar hatte ich zu Mox Telecom an dieser Stelle geschrieben:

Mox Telecom dagegen lässt bei mir etwas ungute Erinnerungen an die inzwischen insolvente GetGoods.de aufkommen. Ähnlich wie das in Frankfurt/Oder ansässige E-Commerce-Unternehmen weist auch Mox in den Zwischen- und Geschäftsberichten hohe Gewinne aus, ohne dass sich selbige aber in den Cash-Flows widerspiegeln würden.

Auch im ersten Halbjahr 2013 war der Cash-Flow aus der operativen Tätigkeit mit 482.000 Euro negativ. Zudem gab es exorbitant hohe Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 32,8 Millionen Euro (ein Zuwachs von knapp 600.000 Euro gegenüber dem Vorjahr).

2012 wurden beispielsweise im Wege einer Sachkapitalerhöhung angebliche stille Reserven aufgedeckt, die zu einem Einmalertrag von rund 6,7 Millionen Euro geführt hätten. Dabei handelte es sich aber nur um einen buchhalterischen Gewinnausweis, es floss kein zusätzliches Cash in die Kassen von Mox. Und weiter:

Fakt ist: Um den im letzten Jahr bedrohlich geschrumpften Cashbestand wieder auffüllen zu können, begab Mox eine Anleihe, die inzwischen im Umfang von rund 30 Millionen Euro gezeichnet worden ist.

Die Tatsache, dass laut einem Interview (das der Vorstand und Gründer von Mox Telekom, Dr. Günter Schamel, dem Finanzportal kapitalerhöhungen.de gegeben hat), 80 Prozent der Schuldverschreibung von Retail-Investoren (sprich: Privatanlegern) gezeichnet worden sind, trägt nicht dazu bei, das Vertrauen ins Unternehmen zu erhöhen.

Das heißt nämlich umgekehrt, dass das Interesse der institutionellen (und meist besser informierten) Anleger an dem Papier eher gering war. Auch die GetGoods-Anleihe, die inzwischen bei nur noch 6 Prozent notiert (d.h. der Markt geht davon aus, dass Anleihezeichner nur noch sechs Prozent ihres Investments zurückbekommen), wurde ganz überwiegend von Privatanlegern gezeichnet.

Sogar operativ gibt es Parallelen. Denn die Mox-Tochter Mox Deals versucht - ähnlich wie GetGoods – im hart umkämpften E-Commerce-Sektor Fuß zu fassen. Der Fokus liegt dabei auf dem Couponing, also der Vermarktung von Sonderangeboten via Coupons.

Die avisierten Märkte sind die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und Singapur. Das Problem dabei: Zumindest in den USA ist Mox Deals ein so genanntes „Me too“-Unternehmen, das gegen Marktführer Groupon absolut chancenlos sein dürfte.

Trotzdem wurde die Anleihe von der Rating-Agentur Creditreform am 25. September 2013 mit BBB, was so viel wie „sehr befriedigend“ bedeutet, eingestuft. Mein Kollege Jörg Lang vom Finanzen Verlag fand nur einen Tag später hierzu bereits deutliche Worte:

Die Ratings von Mittelstandsanleihen sind nicht sehr transparent und auch nicht nachvollziehbar… Wer nun in den Jahresabschluss für 2012 blickt, wird sich fragen: Wie soll Mox die Gelder jemals zurückzahlen? In der Kasse lagen 294 141 Euro. Größte Vermögensposition sind Forderungen gegen verbundene Unternehmen. Sie betragen 74 Millionen Euro.

Ob die wirklich werthaltig sind? Die Zahlungsströme der Gesellschaft sind jedenfalls nicht sehr transparent. Klar ist zudem, dass einige Töchter dicke Verluste schreiben. Auch die Organisationsstruktur bietet wenig Sicherheit für die Anleihe-Eigner. Die börsennotierte Tochter Mox Deals beispielsweise ist an einer Tochter in Dubai aufgehängt. Von dort fließen auch hohe Barmittel an die Mutter.

Ob es in einem Insolvenzfall einen Gläubigerdurchgriff nach Dubai geben kann? Zumindest die Ratingfirmen sollten das hinterfragen. Offensichtlich ist die Anleihe ein hochriskantes Investment, bei dem das Rating zu hoch und der Kupon zu niedrig ist.

Auch die MIFA-Anleihe hatte seinerzeit von der Agentur FERI mit BBB- übrigens ein ähnlich gutes Rating bekommen. Gleiches gilt für den Suppen- und Brühwürfel-Hersteller Zamek, inzwischen ebenfalls insolvent, der von Creditreform mit BB geratet worden war. Spötter fragen bereits, ob „Rating“ eigentlich vom Verb „raten“ komme?

Jedenfalls scheint Creditreform die Aufforderung von Lang ignoriert zu haben. Stattdessen wurde der Artikel im Wallstreet:online-Anleger-Forum von einem User namens „kblackrider“ in schlechtem Deutsch als „Witz“ diskreditiert.

Das ist insofern interessant als auch der Finanzchef von Mox Telecom, Christoph Zwingmann, mehrmals im gleichen Diskussions-Thread unter dem Pseudonym „zwingi“ gepostet hat. Seriöse Investor Relations-Politik sieht meiner Meinung nach anders aus.

Analysten auf dem Holzweg
und mit Maulkorb versehen

 

Besagter „zwingi“ postete dort am 25.02.2013 u.a. auch den Hinweis auf eine Kaufempfehlung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für Mox Telecom mit einem Kursziel von 8,50 Euro.

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14 Kommentare

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Kommentare

Die 20 Mio für die Software dürfte eine mehr oder weniger interne Buchung gewesen sein vermute ich - in der Ankündigung (ich glaub im 11er GB) steht nämlich, dass der Auftrag an die Kang JSC vergeben wird - die man sich kurz darauf einverleibt hat. Insofern wäre das ein Mittel gewesen, um Eigenleistungen zu aktivieren ohne dass es jemandem direkt auffällt. Und bei der Übernahme stille Reserven zu finden...
Ob das der Fall war kann ich natürlich schlecht sagen, aber es ist eine naheliegende Vermutung. Bin leider auf die Mox-Zahlen reingefallen :/
im prinzip ist schon die pleite vorzeigt eingepriesen...das grosse problem. sie verbrennen nur cash und niemand weiss, wann der ofen aus ist. ich denke das ziel von mox deals war, sie an den amerikanischen konkurrenten zeitnah zu verkaufen und nun laeuft ihnen die zeit davon
Wenn sich das bestätigt wäre der Abverkauf (wir sind nahe am Allzeittief)von 1,60 auf jetzt rund 0,45 völlig unberechtigt.

Für mich ist es ein Zock.Über 0,60 stocke ich weiter auf.
Schönes Bid jetzt bei MOX Deals
Da liegt unter 0,70 nicht so viel meiner Meinung nach
http://www.boerse-frankfurt.de/de/aktien/mox+deals+ag+DE0005391908

Kleine Käufe brachten shcon größere Bewegungen
Da hier u.a. die Herren Scheunert und Schulz Ihre Finger drin hatten, ist die Aktie für mich ein No-GO!

Meine Mox-Telecom Aktien habe ich verkauft, nachdem ich auf Facebook gesehen habe das Herr Schamel das "Kaffeeprojekt" von Herrn Scheunert "geliked" hat.
(ist inzwischen nicht mehr sichtbar..)

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