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Lebensversicherungen - Reform: Bewertungsreserven, Garantiezins - was sich für Versicherungsnehmer ändert
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Lebensversicherungen - Reform Bewertungsreserven, Garantiezins - was sich für Versicherungsnehmer ändert

03.07.2014, 12:20  |  14478   |   |   

Noch an diesem Freitag könnte der Gesetzesentwurf zur Reform der Lebensversicherungen einen ersten wichtigen Schritt nehmen. Während sich der überwiegende Rest des Landes auf das Spiel der Deutschen gegen Frankreich freut, könnte der Gesetzesantrag durch den Bundestag gehen. Die Opposition kritisiert deswegen auch die Geschwindigkeit, mit der die Reform durchgeboxt wird.

Was aber ändert sich für Versicherungsnehmer? Und warum könnten diese Änderungen durchaus von Nöten sein?

Das Bundesfinanzministerium, aus dem die Gesetzesinitiative kommt, hat selbst ein FAQ zur Reform der Lebensversicherungen ins Netz gestellt. Die Frage, warum Änderungen bei den Lebensversicherungen gerade jetzt notwendig seien, wird mit Verweis auf das niedrige Zinsniveau beantwortet. Dort heißt es: „Im Durchschnitt aller laufenden Versicherungsverträge beträgt der den Versicherungsnehmern zugesagte Garantiezins derzeit 3,2 %. Diese langfristige Verzinsung ist mit sicheren Anlageformen kaum noch zu erzielen.“

Was ändert sich für Versicherungsnehmer?

Für Versicherungsnehmer haben die geplanten Änderungen insbesondere in einer Hinsicht Auswirkungen: bei den Bewertungsreserven, also die Differenz aus Marktwert und Kaufpreis eines Wertpapieres. Durch das niedrige Zinsniveau sind die Bewertungsreserven in der Vergangenheit extrem angestiegen. Bislang gilt: Wer aus der Versicherung austritt, bekommt die Hälfte der Bewertungsreserven ausgeschüttet.

1.    Geringere Ausschüttung der Bewertungsreserven

Durch die Reform wird dieses Stück vom Kuchen verkleinert – wenn nicht gar ganz weggenommen. Vom Ministerium heißt es dazu: „Die Beteiligung an den Bewertungsreserven festverzinslicher Wertpapiere wird auf den Teil der Bewertungsreserven begrenzt, der diesen Sicherungsbedarf übersteigt.“ Ziel dieser Änderung sei es, ein zukünftiges Ungleichgewicht in der Verteilung von Überschüssen und Bewertungsreserven zu vermeiden, heißt es. Denn die Bewertungsreserven stehen den Versicherungsunternehmen nicht als Gewinne zur Verfügung, sondern sind lediglich später erwartete Zinserträge. Werden diese derzeit hohen Bewertungsreserven heute ausgezahlt, könnte es um Ausschüttung der später garantierten Auszahlungen kritisch werden, befürchten Experten.

Doch die Sache könnte in der Praxis dazu führen, dass Unternehmen bei der Ausschüttung von Reserven tricksen, berichtet das „Wall Street Journal Deutschland“. „Die Kürzung der Bewertungsreserven basiert auf komplizierten Modellrechnungen. In der Realität wird viel früher gekürzt als zu dem Zeitpunkt, an dem die garantierte Ausschüttung gefährdet ist", zitiert das Journal Axel Kleinlein, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten.

2.    Geringerer Garantiezins für Neuverträge

Die Änderung bei der Beteiligung an Bewertungsreserven ist derweil nicht die einzige geplante Maßnahme. Auch der Garantiezins soll, wenn auch nicht für laufende Lebensversicherungen so zumindest für Neuverträge, gesenkt werden: Von derzeit 1,75% auf 1,25%. Auch diese geplante Änderung erfolgt mit Verweis auf die niedrigen Zinsen.

 

Sieg der Versicherungslobby?

Ist die geplante Reform also ein Sieg der Versicherungs-Lobby? Zumindest die Opposition im Bundestag sieht das so. Und kritisiert auch den Zeitpunkt sowie die Geschwindigkeit der Reform. „Die Versicherungslobby hat's geschafft", sagte die Linken-Abgeordnete Susanna Karawanskij laut WSJ. „Mit Druck auf die Bundesregierung schafft sie es, ihre Interessen durchzustechen – und das Ganze im Schatten der Weltmeisterschaft, während die Bürgerinnen und Bürger an den Fernsehapparaten sitzen."

Die Bundesbank jedenfalls heißt die geplante Reform willkommen, da sie die Versicherungsbranche deutlich entlaste, berichtet die „Wirtschaftswoche“. Dem Bericht zufolge hatte die Bundesbank vergangenes Jahr mit einem Stresstest für Aufsehen gesorgt. Das Ergebnis war alarmierend: Wegen der niedrigen Zinsen könnten bis 2023 32 der 85 deutschen Lebensversicherer die gesetzlichen Eigenkapital-Vorschriften nicht mehr erfüllen.




Disclaimer

Lebensversicherungen - Reform Bewertungsreserven, Garantiezins - was sich für Versicherungsnehmer ändert Noch an diesem Freitag soll der Gesetzesentwurf zur Reform der Lebensversicherungen durch den Bundestag gehen. Ein Sieg der Versicherungslobby oder aufgrund von niedrigen Zinsen unausweichlich? Die Geschwindigkeit der Reform jedenfalls ist beachtbar.

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