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Geldpolitik der EZB Der Kampf der EZB gegen Deflation wird noch Monate anhalten

Gastautor: Sven Weisenhaus
03.07.2014, 14:59  |  2468   |   |   

Zinssenkung auf ein neues Rekordtief, erstmals Strafzinsen für Banken und milliardenschwere Geldspritzen, um die Kreditvergabe in den Krisenländern anzukurbeln. Aus diesen Komponenten bestand das Feuerwerk der Geldpolitik, welches die Europäische Zentralbank (EZB) auf der letzten Notenbanksitzung Anfang Juni zündete. Knapp vier Wochen später entscheidet am morgigen Donnerstag der EZB-Rat abermals über den geldpolitischen Kurs.

Wirkung der EZB-Maßnahmen wird abgewartet

Derart spektakuläre Beschlüsse wie beim letzten Mal sind nun nicht zu erwarten. Zumal wichtige Teile des Pakets wie die beiden insgesamt 400 Milliarden Euro schweren Geldspritzen gegen die Kreditklemme in Südeuropa zwar bereits beschlossen sind, aber erst in den nächsten Monaten in die Märkte injiziert werden.
 
Daher wird die EZB erst einmal abwarten und die Daten der kommenden Wochen beobachten, um die tatsächliche Wirkung der bisherigen Maßnahmen genau einschätzen zu können. Denn über Erfahrungswerte aus der Vergangenheit verfügt die Notenbank aufgrund der Einmaligkeit einzelner Beschlüsse (negativer Einlagezins) nicht.

Inflation bleibt in Mai und Juni auf sehr niedrigem Niveau

Auf die Inflation, das eigentliche Ziel der EZB, haben die Aktionen bislang zumindest noch nicht durchgegriffen. In der Eurozone lag die Jahresrate der Konsumentenpreise im Mai nur bei 0,5 Prozent (April: 0,7 Prozent). Das ist neben dem März-Wert der niedrigste Stand seit Herbst 2009. Die monatliche Inflationsrate betrug sogar nur -0,1 Prozent.


(Quelle: Eurostat)

Die Daten der Statistikbehörde Eurostat zeigen zudem, dass die Kernrate (ohne Energie und unverarbeitete Lebensmittel) mit 0,8 Prozent zwar den zweitniedrigsten Wert seit dem Bestehen der EZB im Jahr 1999 aufweist (nach Februar 2010: 0,7 Prozent), die Kernrate damit aber oberhalb der Gesamt-Inflation liegt. Dies war im Oktober 2013 das erste Mal seit dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise wieder der Fall und hat sich zuletzt verstärkt.


(Quelle: Statista)

Die erste Schnellschätzung von Eurostat für die Inflation im Juni geht von einem unveränderten Wert aus. Auch hier soll die jährliche Preisrate im Euroraum also bei nur 0,5 Prozent liegen.

Rückgang der Erzeugerpreise der Industrie

Hinzu kommt, dass auch die Erzeugerpreise der Industrie im Mai sowohl im Euroraum als auch in der EU28 im Vergleich zum Vormonat April um 0,1 Prozent gefallen sind. Bereits im April waren die Preise in beiden Gebieten um 0,1 Prozent zum Vormonat gesunken.

Verheerender ist aber sogar noch der Blick auf die Jahresrate. Hier gingen die Erzeugerpreise der Industrie im Mai 2014 gegenüber Mai 2013 im Euroraum um ganze 1,0 Prozent und in der EU um 0,9 Prozent zurück.



Das Problem dabei ist, dass sich die Preisentwicklung auf Ebene der Erzeuger meist zeitversetzt auf die Verbraucherpreise auswirken. Entsprechend muss man mit einem anhaltenden Druck auf die Inflation rechnen, was der EZB gar nicht gefallen dürfte.

Vor diesem Hintergrund sollte jedem klar sein, warum es die EZB nicht bei einer einfachen Zinssenkung belassen hat, sondern weitere Maßnahmen beschloss, die erst in den kommenden Monaten ihre Wirkung entfalten. – Der Kampf gegen die Deflation wird sich noch über Monate hinziehen.

Das Problem der Inflation wird durch den Geld- und Kreditmarkt verschärft

Und das Problem der Inflation wird durch die mangelnde Kreditvergabe sowie das geringe Wachstum der Geldmenge noch verschärft. Denn wenn die Banken keine Kredite vergeben und das Geld der EZB damit nicht im Wirtschaftskreislauf ankommt, kann keine Inflation entstehen. Dass dies derzeit so ist, belegen folgende Zahlen:

Das Wachstum der Buchkredite an den privaten Sektor in der Eurozone enttäuschte im Mai erneut mit einer Schrumpfung um 2,0 Prozent (April: -1,8 Prozent). Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt März bis Mai 2014 lag der Rückgang der Buchkredite ebenfalls bei 2,0 Prozent. Immerhin ist hier eine minimale Verbesserung zu sehen, denn im Zeitraum Januar bis März 2014 bzw. November 2013 bis Januar 2014 lagen die entsprechenden Dreimonatsdurchschnitte bei der Kreditvergabe an den privaten Sektor noch bei -2,2 bzw. -2,3 Prozent.

Die Jahreswachstumsrate der weit gefassten Geldmenge M3 konnte im Mai nur leicht auf 1,0 Prozent zulegen, nach 0,7 Prozent im April. Der Dreimonatsdurchschnitt der Jahresänderungsraten von M3 im Zeitraum von März bis Mai 2014 lag bei 0,9 Prozent, verglichen mit 1,0 Prozent in der Zeit von Februar bis April 2014.

In dem Juni-Monatsbericht der EZB hieß es folgerichtig: „In den letzten Monaten war zwar eine Stabilisierung des Kontraktionstempos zu verzeichnen, bislang gibt es aber noch keine eindeutigen Anzeichen einer Trendwende.“.

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Kommentare

Der Zusammenbruch einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) erfolgt nach dem Schema: Liquiditätsfalle > Deflation > Hyperinflation. Weil die Zentralbank keinen Einfluss auf die Umlaufgeschwindigkeit (effektive Umlauffrequenz) des Zentralbankgeldes hat, kann sie immer nur Währungspfusch betreiben und durch Geldmengenausweitung die Liquiditätsfalle (kollektiver Rückzug der Ersparnisse aus der langfristigen Anlage) hinauszögern, auf Kosten einer Verkürzung der Zeitspanne von der einsetzenden Deflation bis zur anschließenden Hyperinflation, bei der alle auf Geld lautenden Forderungen vernichtet werden.

Damit das Geld unter allen Umständen sicher umläuft und die Zentralbank überhaupt die Möglichkeit hat, den Geldwert anhand eines repräsentativen Konsumgüter-Preisindex auf unbegrenzte Zeit absolut stabil zu halten, müssen die destruktiven Umlauf"sicherungen" Urzins und schleichende Inflation durch eine konstruktive Geldumlaufsicherung ersetzt werden. Dazu wird eine staatliche Liquiditätsgebühr von 8% pro Jahr (2% pro Quartal) auf alles Zentralbankgeld (Bargeld plus Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken) erhoben, damit der Warenaustausch nicht mehr blockiert werden kann, die Spekulation uninteressant wird, und die Investition (langfristige Geldanlage) für den Sparer auch dann noch interessant bleibt, wenn bei Sachkapitalsättigung der Kapitalzins um Null pendelt:

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/10/geld.html

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