China – glaub keiner Statistik….

Gastautor: Daniel Saurenz
18.08.2014, 11:00  |  1933   |   |   

…die Du nicht selbst gefälscht hast, so lautet das Sprichwort. Bei Wirtschaftsdaten ist höchste Vorsicht geboten, besonders dann, wenn sie auf, sagen wir mal vorsichtig, kreative Weise erhoben werden. Mit diesem Trick kämpfen sich die USA schon seit Jahren durch ihre Arbeitsmarkt- und BIP-Daten, die erst positiv ausfallen und dann extrem häufig in der zweiten und dritten Vorlage nach unten korrigiert werden. Frei nach dem Motto, dass dann ohnehin keiner mehr hinsieht. Verlässliche Daten für China zu bekommen, ist jedoch weitaus schwieriger. Das chinesische Statistikamt National Bureau of Statistics of China (NBS) sieht für das erste Halbjahr offiziell ein Wachstum von 7,5 Prozent. Sofern die Daten valide sind, weisen sie darauf hin, dass sich die Wirtschaftsentwicklung in China stabilisiert hat. Nachdem sich das chinesische Wachstum über drei Quartale immer weiter abgekühlt hatte, nahm es nun erstmals wieder Fahrt auf. Sollte es allerdings in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das niedrigste Wachstum seit 24 Jahren. 2012 und 2013 war Chinas Wirtschaft mit 7,7 Prozent jeweils im Vergleich zum Vorjahr so langsam wie zuletzt Ende der 90er Jahre gewachsen. Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen, wofür sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen will. China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und seit vergangenem Jahr die größte Handelsnation. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt mit rund 5000 Euro im weltweiten Mittelfeld. Der Export ist eine treibende Kraft für Chinas Wirtschaft, der chinesische Außenhandel hat sich in den vergangenen zwölf Jahren mehr als verzehnfacht. China ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Wirtschaftspartner in Europa.

Wandel zur modernen Dienstleistungsgesellschaft

Erste Erfolge der eingeleiteten Umstrukturierung sind jetzt sichtbar: Für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung spielen etwa das Wachstum des Dienstleistungssektors und der Binnennachfrage eine immer gewichtigere Rolle. Im ersten Halbjahr 2014 trugen Dienstleistungen mit 46,6 Prozent Anteil mehr zum gesamten BIP bei als die Industrie. In der Wirtschaft fassten moderne Hightech-Industrien Fuß, die bislang um 12,4 Prozent zulegten – deutlich schneller als die um 8,8 Prozent wachsende sonstige Industrieproduktion. Ebenso wie die Ausbreitung von Online-Business- und Online-Konsum-Geschäftsmodellen, die im ersten Halbjahr um 48,3 Prozent zulegten, sind sie neue Motoren für nachhaltiges Wachstum. NBS-Chef Sheng Laiyun verwies in den aktuellen Veröffentlichungen auch auf eine gute Beschäftigungslage. Im ersten Halbjahr konnten fast 7,4 Millionen reguläre Arbeitsplätze neu geschaffen werden. Für Stabilität sorgten auch eine gute Sommerernte, gestiegene städtische und bäuerliche Einkommen und eine Teuerungsrate, die mit 2,3 Prozent im gewünschten Rahmen blieb.

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