checkAd

Steuerhinterziehung Geldwäscherichtlinie soll Steuerflucht Riegel vorschieben - Experten skeptisch

06.09.2014, 10:00  |  3353   |   |   

Es geht mal wieder um Steuerhinterziehung. Bekannte Fälle wie der des ehemaligen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß oder der Feministin Alice Schwarzer haben das Thema in die Öffentlichkeit gebracht. Doch Steuerflucht ist für die Ermittler noch immer eine heikle Kiste.

Problematisch sind vor allem Briefkastenfirmen. Denn selbst, wenn die Ermittler nach mühsamer Arbeit die Verbindung zwischen Konto und Firma herstellen können, können sie noch nicht sagen, wem die Firma gehört. Durch von den Finanzbehörden gekaufte CDs wurden zwar Steuerhinterzieher vielerorts in Panik versetzt, doch auf lange Sicht soll die Steuerfahndung weniger auf Kriminelle angewiesen sein, schreibt die "Wirtschaftswoche".

Helfen soll daher eine Initiative des EU-Parlaments, aufgrund der ein neues Firmenregister eingeführt werden soll. Mit Hilfe der 4. EU-Geldwäscherichtlinie soll sichergestellt werden, dass die „wirtschaftlich Berechtigten“ jedes Unternehmens in einem Register festgehalten werden, heißt es in dem Bericht. So soll die Praxis von Strohmännern oder Briefkastenfirmen, erschwert werden.

Denn bisher sieht auch das deutsche Handelsregister die Möglichkeit vor, ein anderes Unternehmen als Inhaber einzutragen, schreibt die „Wirtschaftswoche“. Das führt zu Problemen bei den Steuerfahndern: „Wenn diese Firma ihren Sitz in einer Steueroase hat, ist es oft unmöglich, Informationen über den wahren Eigentümer zu bekommen“, zitiert die Zeitung einen Fahnder. Im September sollen die Verhandlungen um das geplante Firmenregister beginnen. Ein Streitpunkt ist die Frage, wer Einblick in das Register haben sollte. Nur staatliche Stellen oder alle Bürger? „Es ist wichtig, dass alle Bürger übers Netz auf die Daten zugreifen können“, sagte Andreas Hübers von der Non-Profit Organisation ONE dem Bericht zufolge.

„Wenn laut Gesetz der echte wirtschaftlich Berechtigte im Register stehen muss, machen sich Treuhänder, die sich wahrheitswidrig als Eigentümer registrieren lassen, strafbar“, sagt Hübers. Reicht das? Welche Strafen wären abschreckend genug?

Andere sind da weniger zuversichtlich: „Viele besonders aktive Treuhänder operieren in Steueroasen wie der Schweiz oder Singapur“, zitiert die Zeitung Michael Weber-Blank, Steuerstrafrechtler und Partner bei Brandi Rechtsanwälte in Hannover. Für die gilt das geplante EU-Register nicht. Der Experte ist deswegen skeptisch: „Ich vermute, dass viele weitermachen wie bisher.“

Besonders abstrus ist der Fall eines Architekten aus Aachen, von dem die Zeitung berichtet. Bei einer zufälligen Stichprobe am Düsseldorfer Flughafen entdeckten die Zollbeamten zu ihrer eigenen Verwunderung zwei Reisepässe auf denen dieselbe Person zu sehen war, jedoch mit unterschiedlichen Namen. Ein deutscher Pass und einer ausgestellt in Panama. Ein zufälliger Fund. Und so deckte der Zufall auf, was sonst wohl für immer verborgen gewesen wäre: Der Aachener hatte sein geerbtes Vermögen besonders gut vor Fahndern schützen wollen und eigens einen Trust in Panama gegründet – unter dem falschen Namen des gefälschten Ausweises. 





0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Steuerhinterziehung Geldwäscherichtlinie soll Steuerflucht Riegel vorschieben - Experten skeptisch Es geht mal wieder um Steuerhinterziehung. Bekannte Fälle wie der von Uli Hoeneß oder Alice Schwarzer haben das Thema in die Öffentlichkeit gebracht. Doch Steuerflucht ist für die Ermittler noch immer eine heikle Kiste.

Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel

Nachrichten zu den Werten

DatumTitel
02:42 UhrDurchsuchungen in Hamburg – TE Wecker am 29. September 2021
Tichys Einblick | Kommentare
02:00 UhrPolitik: Walter-Borjans hält sich erneute Kandidatur für SPD-Vorsitz offen
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
01:00 UhrWirtschaft: Handelsverband fordert digitale Ertüchtigung des Zolls
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
01:00 UhrPolitik: EU-Parlament alarmiert über Spannungen zwischen Serbien und Kosovo
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
00:01 UhrPolitik: Roth fordert Paritätsgesetz für Bundestag
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
28.09.21Brinkhaus: Laschet wird auch in der Opposition nicht Fraktionschef
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
28.09.21Wirtschaft: US-Börsen lassen nach - Streit um Schuldengrenze bereitet Sorgen
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
28.09.21Politik: Kuhle schließt Steuererhöhungen bei FDP-Regierungsbeteiligung aus
Redaktion dts | Weitere Nachrichten
28.09.21Laschet: In nächsten Tagen Gespräche mit Grünen und FDP
dpa-AFX | Weitere Nachrichten
28.09.21GESAMT-ROUNDUP 3: Machtkampf in der Union - SPD macht Tempo
dpa-AFX | Weitere Nachrichten