EZB & Aktienmärkte Mario, was sollte das denn?

Gastautor: Frank Fischer
08.09.2014, 09:48  |  9682   |   |   

Die EZB hat den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt und ein Kaufprogramm für Kreditverbriefungen - sogenannte ABS-Papiere - angekündigt, um der lahmenden Wirtschaft auf die Sprünge zu helfen. So weit, so gut. Doch: Wird die EZB damit die Wirtschaft in Europa wirklich ankurbeln können? Zweifel sind angebracht, denn mit Geld allein kommt Europas Konjunktur auch nicht wieder auf die Beine. So darf die Frage erlaubt sein: „Mario, was sollte das denn?“

Denn die Wirtschaft in der Euro-Zone kommt einfach nicht in die Gänge. Sie stagnierte in den Monaten April bis Juni zum Vorquartal, wie das Europäische Statistikamt Eurostat jetzt erneut bestätigte. In Deutschland und Italien schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent. Da fällt der Zuwachs in Portugal und Spanien kaum ins Gewicht.

Vor allem die Politik hält ihre Versprechen nicht. In Griechenland, Italien und Frankreich herrscht weiterhin ein Reformstau, der seinesgleichen sucht. Nehmen wir Frankreich: Die Arbeitslosigkeit bewegt sich seit Monaten auf Rekordniveau. Zuletzt waren fast 3,4 Millionen Menschen ohne Job. Damit liegt die Arbeitslosenquote fast doppelt so hoch wie in Deutschland. Gleichzeitig kommt das Wachstum nicht in Gang. Hinzu kommt ein enorm hohes Außenhandelsdefizit. Und Besserung ist kaum in Sicht. Nach langem Zaudern hat Präsident Hollande zwar mit Reformen begonnen – er will die Ausgaben bremsen und die Unternehmen entlasten – doch das sind eher „Reförmchen“, als dass sich grundsätzlich etwas ändern wird. Frankreich ist und bleibt – wie Italien – ein Sorgenkind der Eurozone.

Mario Draghi’s Politik des billigen Geldes verringert auf der anderen Seite auch noch alle Reformanreize. Künstlich tiefe Zinsen mindern den Druck auf die Regierungen – nicht nur in Paris - Strukturveränderungen und eine strikte Haushaltskonsolidierung voranzutreiben. Schlecht wirtschaftende Banken müssen so nicht vom Markt verschwinden. Auch das schadet dem künftigen Wachstum.

Auswirkungen auf die Aktienmärkte

Was bedeutet die lockere Geldpolitik auf der anderen Seite für die Aktienmärkte? Diese sind ganz klar die Gewinner! Ob DAX, MDAX oder Eurostoxx – die Märkte reagierten mit Freudensprüngen auf die Leitzinssenkung. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, denn Aktien werden gegenüber Anleihen und Geldmarktfonds immer attraktiver. Angeführt wird der Kursaufschwung von Bankaktien, die direkt von der Zinssenkung und dem Kaufprogramm für Anleihen profitieren. Und das hat – wen wundert‘s: siehe oben  – vor allem die Kurse der französischen, italienischen und spanischen Institute beflügelt.

Auf der anderen Seit hat „Super Mario“ mit seinen jüngsten Maßnahmen den Euro weiter geschwächt, was vor allem exportorientierte Unternehmen begünstigt. So sehen die Aussichten vor allem für Autowerte wie Daimler, BMW und VW, aber auch für Werte wie BASF oder Bayer weiterhin gut aus. Gleiches gilt auch für Aktien aus der zweiten Reihe, denen wir uns in erster Linie widmen. Hier sehen wir etwa für Aktien wie die von FLSmidth gute Perspektiven. Das dänische Unternehmen ist einer der führenden Lieferanten für die Mineral- und Zementindustrie mit Niederlassungen in weltweit mehr als 50 Ländern. Da dürfte sich der schwächelnde Euro positiv bemerkbar machen und zu Ergebnisverbesserungen führen.    

Doch: Märkte und Analysten eskomptieren Erwartungen. Nur mit den Schätzungen inline zu sein reicht auf den derzeitigen Kursniveaus nicht mehr. Die Erwartungen müssen übertroffen werden, um das aktuelle Bewertungsniveau zu rechtfertigen. Die starken Reaktionen des Marktes auf die zuletzt schlechten Nachrichten einzelner Aktien wie Bilfinger, Adidas, Drägerwerk, Lufthansa, Wincor, Vossloh oder der Software AG zeigen, wie viel heißes Geld im Markt ist und wie nervös die Anleger reagieren.

Fazit: Aktien werden von der lockeren Geldpolitik weiterhin profitieren – das wird auch unserem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen und dem PRIMA – Globale Werte zu gute kommen - aber die Gefahr für größere Rücksetzer und Enttäuschungen wird auf dem jetzigen Niveau immer größer.

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