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Von wegen Cum-Ex-Geschäfte: So ertricksen sich Banken und Hedgefonds heute Milliarden
Foto: N-Media-Images - Dividende

Von wegen Cum-Ex-Geschäfte So ertricksen sich Banken und Hedgefonds heute Milliarden

07.10.2014, 11:05  |  11490   |   |   

Traurige Nachrichten für all diejenigen, die weniger Steuern bei mehr Gewinn zahlen wollen: Die Ära der sagenumworbenen Cum-Ex-Geschäfte ist vorbei. Aber keine Sorge, Kundenservice steht bei den Banken bekanntlich an erster Stelle. Und so haben sich Deutsche Bank und Co. längst was Neues einfallen lassen, wie sie ihren Kunden bei der Steuertrickserei behilflich sein können. Dividenstripping war gestern, Dividendenarbitrage ist heute.

Cum-Ex-Geschäfte, auch „Dividendenstripping“ genannt, sind spätestens seit dem Streit zwischen AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und der Schweizer Sarasin-Bank wieder in aller Munde (wallstreet:online berichtete). Dabei werden Aktien kurz vor Dividendenstichtag mehrmals zwischen mehreren Händlern weiterverkauft. Der Fiskus kann mit der Geschwindigkeit und Fülle an Transaktionen nicht Schritt halten, sodass am Ende zwei Steuergutschriften ausgestellt werden, obwohl de facto nur ein Mal Steuern gezahlt wurden. Die Politik reagierte spät, erst 2012 gebot sie diesen Geschäften Einhalt. Doch der bis dahin angerichtete Schaden war verheerend: Ein Betrag in zweistelliger Milliardenhöhe soll dem deutschen Fiskus auf diese Weise durch die Lappen gegangen sein, wie wallstreet:online berichtete. Inzwischen aber ist die entsprechende Gesetzeslücke geschlossen. Also Ende gut, alles gut? Von wegen. Die Banken haben sich längst einen neuen Service ausgedacht, mit dem sie ihren Kunden bei der Steuertrickserei helfen können. Frei nach dem Motto: Dividendenstripping war gestern, Dividendenarbitrage ist heute.

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"Eine wunderbare Strategie"

Einem Bericht des „Wall Street Journal Deutschland“ zufolge erzielen Großbanken im Jahr Einnahmen von mehr als einer Milliarde US-Dollar, indem sie Hedgefonds und anderen Kunden dabei helfen, ihre Steuern zu mindern. Und das geht so: Ein Kunde erwartet eine Dividendenausschüttung auf seine Aktien. Also verkauft er diese Aktien kurz vorher an die Bank. Diese wiederum gibt die Wertpapiere an eine Tochter oder eine dritte Partei weiter, die in einem Land mit niedrigeren (bzw. gar keinen) Steuersätzen ansässig sind. Nachdem die Dividende ausgezahlt wurde und sich die Besitzer über einen wesentlich höheren Gewinn freuen durften, wird die Steuerersparnis zwischen dem Kunden - und ursprünglichen Aktienbesitzer-, der Bank und dem jetzigen Halter der Wertpapiere aufgeteilt, sozusagen eine win-win-win-Situation für alle Beteiligten.

Kein Wunder, dass Finanzdienstleister wie Stephen Diggle, Leiter von Vulpes Investment Management in Singapur, diese Methode gegenüber dem „Wall Street Journal Deutschland“ als eine „wunderbare Strategie“ lobpreist, wohlgemerkt „aus finanzieller Sicht“. Aus politischer oder gar moralischer Sicht sieht die Sache aber womöglich ganz anders aus. Denn so sehr Hedgefonds und Banken die Dividendenarbitrage auch als einen „attraktiven, rechtmäßigen Weg, um Steuerbescheide zu reduzieren“ verteidigen, am Ende bleibt ein fader Beigeschmack.

Nicht umsonst scheinen US-Aufsichtsbehörden jetzt diese Geschäftspraktiken ins Visier zu nehmen. Zumal es sich die US-Regierung schon seit längerem zum Ziel gemacht hab, Steuertrickserei, beispielsweise durch die Verlagerung des Firmensitzes in ein steuerfreundlicheres Land, entschiedener zu bekämpfen.

Zu lukrativ dank Steuerungleichheit 

Die Banken jedenfalls scheinen sich davon genauso wenig beeindrucken zu lassen wie von einem drohenden Imageverlust in der Bevölkerung. Zu verlockend sind die Gewinne, die sich mit Dividendenarbitrage einfahren lassen. Laut „Wall Street Journal Deutschland“ verdiente beispielsweise die Bank of America zwischen 2006 und 2012 auf diese Weise mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar. Andere Großbanken, darunter die Deutsche Bank, die Citigroup, Goldman Sachs und Morgan Stanley, sollen ihren Kunden ähnliche Geschäftsmodelle anbieten. Und die Politik? Die scheint erst einmal machtlos, zumindest so lange die Unterschiede bei den Steuersätzen rund um die Welt bestehen bleiben. Denn so lange das der Fall ist, wird es für die Banken und ihre Kunden auch weiterhin zu attraktiv und zu verlockend bleiben, die Aktien hin und her zu tauschen und in jene Länder zu transferieren, die es mit den Steuerrichtlinien nicht ganz so streng nehmen.  


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