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Feindliche Übernahme Raubtierkapitalismus - Wenn der Jäger plötzlich zur Beute wird

08.10.2014, 16:27  |  1732   |   |   

Fressen und Gefressen werden – Das gilt im Tierreich ebenso wie in der Finanzwelt. Einziger Unterschied: die Geschwindigkeit. Lesen Sie hier, wieso das „große Fressen“ zunimmt und jeden treffen kann.

Maus frisst Grashüpfer, Schlange frisst Maus und Greifvogel frisst Schlange – Täglich lernen zig Schulkinder im Biologieunterricht diese und weitere Nahrungsketten. Die Message: Nichts ist unmöglich, die Tier-und Pflanzenwelt ist ein einziges Fressen und Gefressen werden.

Vielleicht sollten sich Wirtschaftslehrer ein Beispiel an ihren Biologiekollegen nehmen. Denn auch hier herrscht immer mehr das Prinzip vom Jäger, der zum Gejagten wird. „Das große Fressen“ nennt dies das „Wall Street Journal Deutschland“ und berichtet von einem Boom auf dem Markt für Fusionen und Übernahmen. Dieser sei so stark ausgeprägt wie seit dem Jahr 2007 nicht mehr.

Feindliche Übernahmen haben Hochkonjunktur

Dem Bericht zufolge stieg das Volumen von Fusionen und Übernahmen um fast 40 Prozent auf 2,7 Billionen US-Dollar. Insbesondere so genannte feindliche Übernahmen, bei denen das Management eines Unternehmens gegen seinen Willen faktisch entmachtet wird, haben derzeit Hochkonjunktur. Ihr Volumen steigerte sich um sagenhafte 340 Prozent auf fast 560 Milliarden US-Dollar. Besonders beliebt: die Variante „Bieten für den Bieter“.

Bieten für den Bieter

Dabei geht es darum, dass ein Unternehmen, das gerade dabei ist ein anderes Unternehmen zu übernehmen, währenddessen selbst von einem noch größeren Unternehmen geschluckt wird. Laut „Wall Street Journal Deutschland“ ist diese Strategie vor allem für Großkonzerne interessant, die zuschlagen wollen, bevor der kleinere Wettbewerber durch seine Übernahme zu groß zum Aufkaufen wird. Dabei spielt jene Komponente eine Rolle, die bei Managern ohnehin oft Mangelware ist: Zeit. So steht die Führungsriege oftmals unter Zeitdruck, weil sie das andere Unternehmen schnell genug schlucken muss, noch bevor dessen eigener Deal über der Bühne ist.

Nun ist diese Form der feindlichen Übernahme nicht neu. Neu scheint jedoch die Geschwindigkeit, mit der die Fusionen vonstattengehen. Laut „Wall Street Journal Deutschland“ unterscheidet sich der aktuelle Trend insofern von den früheren Übernahmezyklen, als der Jäger heute viel schneller zum Gejagten wird als früher. Demnach gab es in diesem Jahr bereits vier solcher Versuche, zuletzt die Übernahmeschlacht um den Pharmahersteller Salix. Dieser wollte eigentlich den Konkurrenten Cosmo übernehmen, allerdings platze der Deal in letzter Sekunde – offenbar weil andere Bieter ihrerseits Interesse an Salix bekundet hatten.

Willkommen im Raubtierkapitalismus

Fassen wir also zusammen: Im Tierreich frisst die Maus den Grashüpfer und wird danach irgendwann von der Schlange gefressen. In der Finanzwelt läuft es ähnlich. Auch hier wird die Maus vom Jäger zur Beute - allerdings wird sie von der Schlange verspeist noch während sie selbst den Grashüpfer im Mund hat. Willkommen im Raubtierkapitalismus. 



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