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Drohender Kollaps Wird der Ölpreis zum Sargnagel für Russland?

15.10.2014, 10:28  |  19467   |  12   |   

Der Ölpreis sinkt, die OPEC sagt Nein und der größte Ölproduzent steht am Rande des Abgrunds – Es herrschen turbulente Zeiten auf dem Ölmarkt. Und die könnten für Russland sogar im Ruin enden.

Seit Monaten reiben sich die Ölhändler verwundert die Augen: Russland, größter Ölproduzent der Welt, steckt mittendrin im Ukraine-Konflikt. Der Irak, immerhin sechstgrößter Ölförderer, wird von Islamisten terrorisiert. In Nigeria, dem größten Ölproduzent Afrikas, grassiert die Ebola-Epidemie. Dazu drücken Kriege in Gaza und Syrien zusätzlich auf die Stimmung. Und dennoch: Der Ölpreis sinkt! Das schwarze Gold, einst äußerst sensibel gegenüber Krisen, zeigt sich unbeeindruckt von den diversen Krisen und erreicht stattdessen immer neue Tiefstände. (Lesen Sie hierzu: Krisen und Kriege fast überall – Aber der Ölpreis sinkt! Warum eigentlich?)

Was tut ein Produzent, wenn der Preis für sein Produkt immer weiter fällt? Richtig, gemäß den Gesetzen von Angebot und Nachfrage würde er weniger produzieren in der Hoffnung, dass die Preise daraufhin wieder steigen. Weil nun also der Ölpreis seit Monaten auf Talfahrt ist, wird die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) demzufolge früher oder später die Ölproduktion zurückfahren – logisch.

Nein der OPEC sorgt für Paukenschlag

Aber leider falsch gedacht! Zu Beginn der Woche sorgte die OPEC für einen Paukenschlag. Entgegen aller Erwartungen scheint die OPEC die Produktion zur Stabilisierung der Preise nicht senken zu wollen. Nachdem dies bereits der größte OPEC-Produzent Saudi-Arabien ausgeschlossen hatte, äußerte sich am Montag das ebenfalls große Förderland Kuwait ähnlich. Es gebe derzeit „keinen Raum“ dafür, zitiert dpa-AFX Kuwaits Ölminister. Demnach haben mehrere Opec-Länder stattdessen ihre Verkaufspreise gesenkt.

Die Reaktion auf dem Ölmarkt ließ nicht lange auf sich warten: Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im November kostete am Dienstag im Mittagshandel 87,86 US-Dollar – 1,03 US-Dollar weniger als am Montag. Insgesamt sind die Notierungen damit innerhalb von nur vier Monaten um rund 25 Prozent eingebrochen, konstatiert die „Welt“. Öl befinde sich daher in einem Bärenmarkt.

Aber warum interveniert die OPEC nicht? Sie würden eher die Verteidigung von Marktanteilen als eine Stabilisierung der Preise anstreben, kommentiert Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch in der „Welt“ den für viele überraschenden Sinneswandel. Dabei könnte dieser Sinneswandel ausgerechnet dem größten Ölproduzenten der Welt gefährlich werden.

Russland droht der Ruin

Dem Bericht zufolge würde ein immer weiter sinkender Ölpreis Russland in den Ruin treiben. Berechnungen des russischen Finanzhauses Renaissance hätten demnach ergeben, dass Russland in eine Rezession rutschen würde, sollten die Preise für Öl dauerhaft unter 90 US-Dollar bleiben. Fällt der Preis sogar auf 70 US-Dollar, so drohe die russische Wirtschaft gar um mehr als drei Prozent zu schrumpfen. Darüber hinaus könnte der Preisverfall auch die Talfahrt des Rubels weiter befeuern.

Bereits jetzt steht Russland am Rand einer schweren Finanzkrise. Schon vor einigen Wochen hatte „wallstreet:online“ über einen drohenden Kollaps Russlands bzw. ein eigenes „Lehman-Desaster“ berichtet und dabei auf die lange Liste von Problemen verwiesen: westliche Sanktionen, Inflationsanstieg,Ölpreis, drohende Rezession, drohende Schuldenblase, vor allem aber ein massiver Vertrauensverlust der Märkte.

Anleger zeigen sich zunehmend verunsichert, investieren lieber nicht in Russland und auch diejenigen, die bereits im russischen Markt aktiv sind, ziehen ihr Kapital vorsichtshalber ab. Das gilt insbesondere für die Russen selbst. Laut „Welt“ bringe eine beträchtliche Zahl von Inländern ihr Vermögen außer Landes, im ersten Halbjahr sollen insgesamt 75 Milliarden US-Dollar aus Russland abgeflossen sein, weitere 30 Milliarden dürften im dritten Quartal dazugekommen sein.

Damit steht Russland, dessen Exporte zu rund drei Vierteln direkt oder indirekt vom Ölpreis abhängen, mit dem Rücken zur Wand – und das könnte den OPEC-Ländern in die Karten spielen.

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Kommentare

Der Begriff Peak-Oil ist zusammen mit dem Begriff Zins abgeschafft!Was sollen wir daraus lernen?Lebt nach dem Prinzip des american way of life,wonach Öl immer da ist&Geld keine Rolle spielt.Ich kann also unendlich weiter Schulden machen&mir dadurch mindestens einen Monstertruck leisten.Die kleinliche EU lässt das leider nicht zu.Für mich bedeutet das ,obwohl finanziell äusserst potent,dass ich keinen Toyota Tundra Truck zulassen kann.Für mein,abartiges Ego,wär's schon faszinierend,mit einem Leo2 ähnlichem Fahrzeug meine Omnipotenz den Lutschern um mich rum zu präsentieren.
Preiskampf innerhalb der OPEC
13.10.2014 | 11:13 Uhr | Weinberg, Eugen, Commerzbank AG
Energie

Die Ölpreise bleiben auch zu Beginn der neuen Handelswoche in der Defensive. Brentöl fällt um knapp 2% auf 88,5 USD je Barrel und nähert sich damit wieder dem am Freitagmorgen verzeichneten 4-Jahrestief. Aus der OPEC gibt es weiterhin keine Signale für preisunterstützende Maßnahmen. Im Gegenteil, als drittes wichtiges OPEC-Land hat nun auch der Irak seine Verkaufspreise gegenüber den internationalen Benchmarks deutlich gesenkt.

Die OPEC-Länder scheinen somit derzeit eher die Verteidigung von Marktanteilen als eine Stabilisierung der Preise anzustreben. Kuwait sieht keine Notwendigkeit für eine Kürzung der OPEC-Produktion, da diese laut dem kuwaitischen Ölminister nicht notwendigerweise zu höheren Preisen führen würde. Die Ölpreise könnten seiner Ansicht nach auf 76-77 USD je Barrel fallen, weil dort die Produktionskosten in den USA und in Russland liegen würden. Ähnliche Äußerungen sind auch aus Saudi-Arabien zu vernehmen.

Der größte OPEC-Produzent soll den Marktteilnehmern insgeheim zu verstehen geben, dass man einen Ölpreis von weniger als 90 USD und vielleicht sogar bis 80 USD für ein bis zwei Jahre akzeptieren werde. Eine Produktionskürzung Saudi-Arabiens scheint somit wenig wahrscheinlich. Angesichts dieser Nachrichtenlage überrascht es nicht, dass selbst unerwartet robuste chinesische Rohölimporte dem Ölpreis keine Unterstützung geben können.

China führte im September laut Zollbehörde 27,58 Mio. Tonnen Rohöl ein und damit 9,5% mehr als im August. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte dagegen einen Rückgang in dieser Größenordnung angekündigt. China allein wird das Überangebot kaum absorbieren können, welches bei Nichthandeln der OPEC entsteht. So beziffert die OPEC den täglichen Bedarf an OPEC-Öl im nächsten Jahr auf 29,2 Mio. Barrel. Laut OPEC-Monatsbericht lag die OPEC-Ölproduktion im September bei 30,5 Mio. Barrel pro Tag.
Zitat von hermanvonsalzaAber Russland aus dem Dreck gezogen, dass haben die Donufresser schon mal.:keks:



Ja klar haben donutsfresser die rausgezogen-wo der Krieg fast vorbei war :laugh::laugh: um schnell an die Elbe zu kommen:laugh:

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