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Computer-Fonds Buffett, Soros und Co. gegen Computer - Wer ist der bessere Investor?

19.12.2014, 11:11  |  4328   |   |   

Mensch gegen Maschine – Ist der Kampf überhaupt zu gewinnen“, titelte wallstreet:online in einem Artikel über die zunehmende Dominanz von Hochfrequenzmaschinen an den Börsen. Der Kampf Mensch gegen Maschine ist seit jeher Zündstoff für Hollywood-Blockbuster. Aber die Frage, wer wen besiegt, stellt sich nicht nur in Filmen wie Terminator, Matrix oder I, Robot. Auch die Finanzwelt rätselt: Wer sind die besseren Händler – emotionslose Computer oder doch Menschen mit Herz?

Investoren wie Warren Buffett, Bill Gross oder George Soros gehören ohne Zweifel zu den Stars der Finanzbranche. Ihre Tipps und Tricks haben fast schon Kultstatus. Kein Wunder, ist es doch vor allem das Vertrauen in ihren richtigen Riecher, den viele Anleger so an ihnen bewundern. Buffett, Soros – sie alle hätten eben ein Gespür für rentable Investitionen. Es ist also der so menschliche sechste Sinn, der diese Investoren wie Götter erscheinen lässt (Lesen Sie hierzu: George Soros und Co. - Das Geheimnis ihres Erfolgs)

Doch an den Börsen wimmelt es noch von ganz anderen, maschinellen, Göttern: Computern. Von sechstem Sinn fehlt hier jede Spur, stattdessen stützen sich Computer allein auf Daten und Fakten. Für Emotionen ist hier kein Platz. Und gerade deshalb sind Maschinen auch die besseren Händler, sagen Befürworter so genannter „Quants“ - computergesteuerter systemischer Fonds. Aber stimmt das wirklich?

Computer-Fonds performen besser als Menschen - oder?

Einem Bericht der „Welt“ zufolge sind Computer in der Tat die besseren Händler. Zumindest in diesem Jahr. Demnach hätten Computer-basierte Hedgefonds 2014 höhere Erträge erzielt als die Branchenkollegen, die nach gutem alten Menschenverstand handeln. Während letztere in diesem Jahr lediglich mit einem Plus von 3,7 Prozent aufwarten können, legte der Newedge Trend Index, welcher die Performance von Computer-Fonds abbildet, im Jahresverlauf bis November um 17 Prozent zu. Als Gründe für die Differenz werden in dem Bericht Investitionen in Staatsanleihen und in den sinkenden Ölpreis genannt. In beiden Fällen hätten die Quants zugeschlagen, die normalen Hedgefonds ließen lieber die Finger davon.

Das wird die Fans dieser Computer-Fonds freuen. Sie sind überzeugt: Wissenschaftler, Mathematiker und Ingenieure, die mithilfe von computergestützten Modellen nach Zusammenhängen auf den Märkten suchen, treffen die besseren Entscheidungen. Gerne verweisen sie in diesem Zusammenhang auf das Jahr 2008, als die Quants laut „Welt“ ein Plus von 21 Prozent erzielten. Ganz im Gegensatz zu den anderen Hedgefonds, bei denen am Ende ein Minus von 19 Prozent zu Buche stand. Auch der S&P 500 verlor in dem Jahr ganze 38 Prozent.

Für die Befürworter der menschlichen Händlermethode ist das jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn Fakt ist auch: Mindestens zwei der letzten fünf Jahre schlossen die Computer-Fonds im Minus ab. Das belegen Daten von „Bloomberg“ und „Newedge“. Hedgefonds mussten dagegen nur ein einziges Mal, nämlich im Jahr 2011, Verluste hinnehmen.

Mensch oder Maschine ist eine Glaubensfrage

Und so bleibt die Frage nach dem besseren Händler am Ende wohl eine Glaubensfrage - je nachdem, ob man sich allein von Logik und Rationalität leiten lässt oder doch lieber dem vermeintlich sechsten Sinn vertraut. Die „WirtschaftsWoche“ kam übrigens im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass Computer die schlechteren Anleger seien. Diese könnten nämlich nicht zwischen den Zeilen lesen. Menschen würden dagegen die unterschiedlichen Botschaften von Politikern und Notenbanken verstehen und könnten entsprechend darauf reagieren.

Nun könnte man entgegnen, dass Computer in diesem Jahr vermutlich genau deshalb besser waren als die Menschen, weil sie sich eben nicht von Politiker- und Expertenaussagen haben beirren lassen, sondern strikt der Marktlogik gefolgt sind. Aber ja, da wären wir wieder bei der Glaubensfrage. Ob Mensch oder Computer, am Ende sollte jeder Anleger selbst entscheiden, wem von beiden er sein Geld anvertraut – entweder mit Herz und/oder Verstand.

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