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3D Systems und Voxeljet – wie geht`s eigentlich?

Gastautor: Daniel Saurenz
06.01.2015, 07:00  |  7706   |   |   

Wir erinnern uns ein Jahr zurück! Die Analysten überschlugen sich mit Kurszielen für den 3D-Drucksektor, das Potenzial der Branche konnte gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und viele Medien zählten auf, wo überall 3D-Druck in Zukunft unser Leben verändern wird. Selbst die BILD-Zeitung thematisierte die Branche – ein sicheres Indiz, dass die Rally überhitzt war. So kam völlig zwangsläufig die Korrektur auch in den 3D-Druckzertifikaten, waren die Papiere doch zuvor brillant gelaufen, aber eben auch verdammt schnell nach oben geschossen. Gegenwärtig ist es ruhig geworden und dies ist die zweite Chance für Investoren, die in den Bereich hinein wollen. Denn jetzt gibt es die Zertifikate fast zur Hälfte des Höchstkurses – und kaum einer spricht drüber.

Kein Wunder – blickt man auf den Kurs von Voxeljet, die aber am 29.12 immerhin eine satte Gegenbewegung hinlegten. Doch auch 3D Systems musste heftig Federn lassen, fängt sich aber gerade. Was macht 3D-Druck eigentlich aus? Wir schauen uns die Branche an und möchten den Sektor all jenen vorstellen, die womöglich jetzt zur zweiten Chance aufmerksam werden.

IKEA-Schrauben und viel mehr…

Die fehlende Schraube des Ikea-Regals, der abgebrochene Kühlschrankgriff, die lockere Halterung des Duschkopfs – es sind kleine Dinge, die im Alltag am meisten nerven. Wie schön wäre es, wenn wir sie einfach selbst herstellen könnten. Mit einem 3D-Drucker etwa. Und das wird in einigen Jahren auch möglich sein, denn die 3D-Druck-Szene ist derzeit eine der lebendigsten überhaupt. US-Firmen wie Shapeways, 3D-Systems oder Stratasys arbeiten eifrig daran, Kunststoffdrucker für den privaten Gebrauch zu entwickeln – quasi eine kleine Fabrik fürs Wohnzimmer. Geräte, die so einfach zu bedienen sind, wie ein Tintenstrahldrucker. Die UBS hat nun ein Zertifikat emittiert, mit dem Anleger bei diesem Trend dabei sein können. Der Trend ist hoch spannend, die Perspektiven verlockend und vor allem langfristig vielversprechend.

3 D DruckEs ist ein weiter Weg, aber Phantasie ist an der Börse alles. Deshalb sind die Aktien von 3D-Druckern so gesucht wie vor Jahren Papiere aus den Sektoren Biotechnologie oder Social Media. Noch sind die 3D-Drucker aber nicht so weit, als dass sie uns eine Hilfe im Alltag sein könnten: Die Software ist kompliziert und die Maschinen, die man sich für rund 2000 Dollar betriebsfertig liefern lassen kann, sind sperrig, störanfällig und haben ein kleines Druckvolumen.

Wer aber im Internet auf Seiten wie Thingiverse.com stößt, bekommt einen Vorgeschmack auf die Zukunft: Hier bieten Designer und Tüftler bereits heute 3D-Dateien für Handyhalter, Espressotassen, Spielzeug und Kunst zum Download an. Manche der Dateien können individuell verändert werden, etwa per Mausklick vergrößert oder mit einem Schriftzug versehen werden.

Um zu sehen, wie diese Dinge ausgedruckt werden, muss man nur ins nächste Fablab gehen. Ein Fablab ist ein Copyshop, in dem dreidimensional ausgedruckt werden kann. Auf professionellen Geräten, die wesentlich größer und präziser sind, als die für den Hausgebrauch. In Deutschland gibt es bereits zehn Fablabs, eines davon ist an der Universität Aachen. Dort steht ein 3D-Drucker, schrankgroß ist er, mit einem Guckfenster vornedran. Statt mit Tinte wird dieser hier mit einer Kunststoffschnur gefüttert. Der Druckkopf schmilzt den Faden bei mehr als 200 Grad Celsius und trägt eine millimeterdicke Schicht des flüssigen Materials in einem Muster auf die Druckerplatte. Schicht für Schicht druckt er. Bis der Gegenstand fertig ist.

Auch industrielle 3D-Drucker arbeiten schichtweise. Doch ihre Technik unterscheidet sich: Die Geräte, mit denen auch Gegenstände aus Metall, Keramik oder Glas gedruckt werden können, tragen eine dünne Schicht Pulver auf. Ein Laserstrahl schmilzt das Pulver dort, wo der Gegenstand entstehen soll. Deshalb nennt man diesen Druck auch Laserschmelzen, als eine weiterentwickelte Form des Lasersinterns. Ganz Mutige prophezeien hier die nächste industrielle Revolution. „Mit den industriellen 3D-Druckern könnten Fabriken geschlossen werden“, meint etwa Robert Gaßner vom Berliner Institut für Zukunftsforschung IZT. Produktionen könnten nach Deutschland zurückgeholt werden.

Voxeljet auf ein Jahr...

Voxeljet auf ein Jahr…

Die herkömmliche Konstruktion von Autos, Flugzeugen und Raketen müsse überdacht werden – denn mit 3D-Druckern könnten sie leichter, umweltfreundlicher und ressourcenschonender gebaut werden. Laserschmelzen beschäftigt momentan eigentlich nur die Entwicklungs- und Forschungsabteilungen: Die von EADS, Boeing, XSpace, Siemens und die der Autobauer. Der Chef des Mischkonzerns General Electrics, Jeff Immelt, ist aber davon überzeugt, dass 3D-Drucken bald Teil standardisierter Fertigungsverfahren wird. Die größten Vorteile seien die Zeit- und die Materialersparnisse. ”3D-Printing is worth my time, attention, money, and effortIf all I thought 3-D printing could do was shoes, I wouldn’t be talking about it.” sagte Immelt dem Economist.

„Marktrelevant wird die Technik zuerst über die Medizintechnik“, sagt der Wirtschaftsanalyst Terry Wohlers, der die Entwicklung seit 1988 beobachtet. Unternehmen, wie etwa Arcam AB (im Index) aus den Niederlanden, stellen im 3D-Druckverfahren Hüftprothesen her, die exakt an den Körper des Empfängers angepasst sind und mehr als zwei Kilogramm leichter sind als herkömmliche Prothesen. Die Prothese ist wie ein Knochen aufgebaut, mit entsprechenden Hohlräumen im Inneren. Das macht sie so leicht – bei gleicher Belastbarkeit. Terry Wohlers schätzt, dass der Markt für 3D-Drucker 2011 um knapp 30 Prozent gewachsen ist und erwartet in den nächsten Jahren ein zweistelliges Wachstum. In seinem Marktreport 2012 prognostiziert Terry Wohlers, das der Markt für 3D-Drucker auf bis 2015 auf 3,7 Mrd. Dollar und bis 2019 auf über 6,5 Mrd. Dollar gewachsen sein wird. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass wir dann nicht mehr den nervenaufreibenden Gang zu Ikea antreten müssen, nur weil die letzte Schraube am neuen Regal fehlt.

3D Systems nach dem Blutbad

3D Systems nach dem Blutbad

Soviel also zum Umfeld und zum Hintergrund des 3D-Druckens. Wer von der Technologie überzeugt ist, kann dies über das neue Papier der UBS umsetzen. Die Schweizer begeben ein Open End Index-Zertifikat (WKN UBS13D) auf den Solactive 3D Printing TR Index (EUR). Das Produkt investiert eben in die börsennotierten Pioniere der 3D-Drucktechnologie. Das Index-Zertifikat bildet die Wertentwicklung des zugrunde liegenden Index, der eventuelle Netto-Dividenden der Indexmitglieder reinvestiert, nach Abzug der Managementgebühr von 0,75 Prozent p.a. ohne Laufzeitbegrenzung eins zu eins ab. Das Barometer zielt nach Angaben des Indexanbieters Structured Solutions AG auf die börsennotierten Vorreiter der 3D-Druckbewegung ab. Bei Indexstart am 19. März 2013 flossen folgende sieben Aktien gleichgewichtet in den Index ein: Autodesk, 3D Systems, Stratasys, Proto Labs, ExOne, Arcam und Cimatron.

Dank einer „Fast Entry“-Regel können jederzeit, beispielsweise direkt nach einem Börsengang, Aktiengesellschaften in den Index aufgenommen werden, wenn diese die Qualitätskriterien erfüllen. Investoren sollten ihren Einstieg aber mit Bedacht auswählen. Bei Trends kann es nicht schaden, mit einer kleinen Position zu beginnen und im Falle von Gewinnmitnahmen den zweiten Teil zu investieren. Denn wenn der Trend wirklich aufgeht, dürfte es sich um ein Investment mit langer Halbwertszeit handeln.

Dieser Beitrag wurde erstellt von unserer Redakteurin Birgit Haas.

Bildquelle: EOS Manufacturing

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