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finanzmarktwelt.de Das Märchen von der Weltverschwörung – die Saudis haben andere Probleme

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Gastautor: Markus Fugmann
07.01.2015, 14:06  |  3114   |   

Von Claudio Kummerfeld, www.finanzmarktwelt.de

Immer wieder wird in einigen Medien die Vermutung geäußert (was auch durchaus nachvollziehbar ist), dass die USA die Saudis angestiftet haben den Ölpreis niedrig zu halten, um Russland kaputt zu machen. Bezeichnen wir dies mal als “Weltverschwörung”. Um eine solche Weltverschwörung zusammen mit den USA zu inszenieren, haben die Saudis gar keine Zeit – sie haben andere Probleme. In unserem Artikel vom 25.12. beschrieben wir bereits, dass es sich bei der aktuellen Saudi-Politik nicht um eine Weltverschwörung, sondern um “Kapitalismus pur” handelt – Ausschaltung der Konkurrenten durch massive Preissenkung !

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Es gibt die schon lange allgemein bekannte Faustformel (oder nennen wir es latent vorhandenes Gerücht), dass die Saudis mit ihren Ölverkäufen 1 Milliarde US-Dollar Umsatz pro Tag machen – das würde ganz grob geschätzt bedeuten, dass sie beim derzeitigen Ölpreis “nur noch” 500 Mio pro Tag umsetzen. Nehmen wir mal an das stimmt. Wo bleibt das Geld? Wenn ein Staat wie Deutschland pro Tag 500 Mio Dollar aus Erdölverkäufen erlösen würde, könnte man z.B. Sozialleistungen an Arbeitslose in einem Ausmaß erhöhen, so daß der soziale Frieden mehr als gesichert wäre.

Aber warum gibt es in diesem so unermesslich reichen Land wie Saudi-Arabien geschätzt 15-20 % Arbeitslose? Viel wird über den Staatsfonds von ca. 700 Mrd US-Dollar in Aktien von ausländischen, vor allem US-Konzernen gesteckt. Diese Pakete werden die Saudis langfristig auch dringend brauchen als Dividenden-Erzeuger, wenn die Ölquellen nach und nach versiegen. Denn nach übereinstimmenden Analysen von Fachleuten wie auch Aussagen des inzwischen staatlichen Ölkonzerns Aramco ist der Öl-Förderhöhepunkt schon lange überschritten. Bei der Abwägung, ob man z.B. 100 Mrd US-Dollar in die Hand nimmt und eine breit angelegte Berufsausbildung für Arbeitslose initiiert, kommt man wohl eher zu dem Schluss es sei langfristig besser das Geld im Eigenkapital westlicher Konzerne zu parken und von den Dividendeneinnahmen zu leben.

 

Maßlose Verschwendung der Herrscherfamilie

 

Die Vermutung liegt nahe, dass die Herrscherfamilie Summen, die jenseits der normalen Vorstellungskraft liegen, in Konsumgüter wie Ferraris, Häuser und Flugzeuge umsetzt. Zuerst kann man darüber lachen, aber wenn man genauer hinschaut : kann es sein, dass ein guter Teil der täglichen Öleinnahmen für den Luxus der Herrscher-Familie verprasst wird? Bei 500 Mio Einnahmen pro Tag sollte doch immer noch genug Geld fürs Volk übrig bleiben – sollte man meinen. Was viele aber nicht wissen: die saudische Herrscherfamilie besteht nicht aus König, zwei Prinzen und 2 Töchtern, Onkel und Opa. Man muss weiter in der Geschichte zurückgehen um zu verstehen bzw. schätzen zu können, wie groß sie wirklich ist. Ab 1902 eroberte der Staatsgründer Abd al-Aziz ibn Saud, der damals “nur” Oberhaupt einer der Stämme auf der arabischen Halbinsel war, nach und nach 45 Stammesgebiete und schuf sich so eine riesige Landmasse, die wir heute als Saudi-Arabien kennen und die den Großteil der arabischen Halbinsel ausmacht. Aber das war kein Staat – wie konnte er ohne bürokratischen Apparat oder demokratische Legitimation seine Herrschaft sicherstellen? Er heiratete von jedem der 45 unterworfenen Stammesoberhäupter jeweils eine Tochter und bekam mit jeder Kinder. So kam es, dass es 45 Prinzen gab und dass de facto 45 Stammesoberhäupter samt gesamtem Anhang Teil der Herrscherfamilie wurden. Das war vor 100 Jahren. Man muss bedenken, dass die Nachfahren natürlich auch Kinder bekamen usw. Die Anzahl der Mitglieder der Herrscherfamilie kann man als Außenstehender wohl nur schwer schätzen. Einen Anhaltspunkt findet man in US-Depeschen, die 2011 bei Wikileaks veröffentlicht wurden, die offenbarten, dass es um die Jahrtausendwende herum 7000 Prinzen gab. Dazu rechne man den gesamten Anhang, Bedienstete, Bodyguards, Frauen, Freunde und und und…. und jeder Prinz samt Anhang möchte natürlich gebührend leben. Die monatlichen Zuwendungen pro Prinz sollen laut dieser Quelle hochgehen bis zu 270.000 US-Dollar (Zahlen aus den 90er Jahren ). Wie die Zuwendungen heute aussehen, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Hinzu kommen noch Boni, wenn man heiratet, Häuser baut uvm. Eine Gesamtschätzung möchten wir lieber nicht anstellen. Ein weiteres Beispiel, wo in Saudi-Arabien Geld ohne Gegenleistung ausgezahlt wird: Jeder, der nachweisen kann, dass einer seiner Vorfahren einst mit dem Staatsgründer für die Erschaffung des Königreiches kämpfte, hat als Nachfahre für immer und ewig Anspruch auf staatliche Unterstützung.

Terror und Unzufriedenheit

Was nur ab und zu in westlichen Medien als News erscheint, ist der zunehmende Terror, der innerhalb des Landes existiert. Gründe sind Religion und Armut. Diese Mischung ist gerade in Saudi-Arabien extrem, da hier ein Islam in der konservativsten Form gelebt wird. Viele Terroristen (wie einst Osama bin Laden ) verweisen immer wieder auf nicht gehaltene Versprechen der USA bzgl. der Palästinenser-Frage und auf die Tatsache, dass die USA ihre Truppen nach dem ersten Golfkrieg nicht wieder aus Saudi-Arabien abgezogen haben, obwohl dies versprochen wurde. Dies ist das innenpolitische Hauptproblem der Herrscherfamilie.

 

Der Verdrängungswettbewerb

Was nützt aller Ölreichtum der Welt, wenn große Verbraucher wie die USA sich komplett selbst mit Öl versorgen und somit als Kunden wegfallen? In unserem Artikel vom 06.01.2015 ging es um den aktuellen Kampf der Saudis gegen die Kanadier um den Ölabsatz in Nordamerika. Russland hat gerade einen gigantischen Rahmenvertrag mit China geschlossen über Öl- und Gaslieferungen. Was macht man, wenn man seine Vormachstellung behaupten will? Den Preis kaputt machen und die Konkurrenten aus dem Markt drängen. Russland als Produzenten macht man so schnell nicht kaputt – aber mit einem Preis von z.B. 40 Dollar kann man die Fracking-Industrie sowie Staaten wie Venezuela, Norwegen, England und Nigeria aus dem Markt drängen. Diese müssen dann zwangsläufig die Produktion einstellen, wenn Sie Produktionskosten von 60, 70 oder 80 Dollar haben. Viele Presseorgane zerbrechen sich den Kopf, ob die Saudis Russland für die USA fertig machen wollen, oder ob es gegen den Iran geht, oder gegen Libyen. Es geht gegen alle. Man denkt an sich selbst; es geht darum den Platz an der Sonne als Nummer 1 zu behalten. Schwache Konkurrenten mit hohen Förderkosten sollen zum Ausscheiden aus dem Markt gedrängt werden.

Auf Saudi-Arabien rollt eine Welle zu. Diese Welle hat das Emirat Dubai längst überrollt. Ein Staat, der ohne Weitsicht Gelder verteilt, ohne Gegenleistung, ohne jeglichen Bezug zur Realität, ohne Rücksicht auf die Zukunft, der keine Industrie aufbaut, kann nicht überlegen – er ist zur bittersten Armut verdammt. Dubai hängt (noch) am Tropf des VAE-Bruders Abu Dhabi. Die Saudis haben noch einen bequemen Ölvorrat, aber gleichzeitig einen immensen Kostenapparat, und keine industrielle Wertschöpfung, um 30 Mio Einwohnern Arbeitsplätze zu bieten. Viele westliche Nationen haben ähnliche Probleme, aber dort wird offen über diese Probleme diskutiert, reale Lösungsansätze gesucht und die Staatsausgaben werden durch eine freie Presse kontrolliert, so dass Exzesse in Relation zu den Saudis nicht vorkommen.

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