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EZB - Anleihekäufe Hans-Werner Sinn: QE führt zu Boom bei Aktien und Immobilien und neuer Staatsverschuldung

02.02.2015, 16:19  |  12897   |   |   

Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Europäische Zentralbank das Betreten neuer Ufer angekündigt hat: Ab März pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte. Insbesondere in Deutschland stößt das nicht nur auf Gegenliebe. In der „Wirtschaftswoche“ kritisiert der Top-Ökonom Hans-Werner Sinn vor allem einen Punkt: Die Gemeinschaftshaftung.

Vorneweg: Mit den Anleihekäufen (im Fachjargon Quantitative Easing, QE) zielt die EZB auf die siechende Inflationsrate ab. Sie soll angehoben werden. Dafür kauft die Zentralbank ab März Vermögenswerte mit Investmentgrade (hier geht’s zum Faktencheck). Doch Kritiker bemängeln schon seit Langem, die EZB und ihr Chef Mario Draghi hätten vor allem das Wohl der Banken im Sinn (siehe: EZB kauft Staatsanleihen – Lachen am Ende nur die Banken?). Auch Sinn stellt zunächst einmal klar: Quantitative Easing „rettet die Banken, und es rettet die Pleitestaaten“.  

Doch langsam. Wieso hilft QE Banken und „Pleitestaaten“? Zunächst zu den Banken: Diese können dank der massenhaften Anleihekäufe der EZB die „als toxisch empfundenen Papiere“ loswerden, schreibt Sinn. Staaten helfen die Anleihekäufe auf anderem Wege. Die durch die Anleihekäufe drastisch steigende Nachfrage nach Staatsanleihen führt zu steigenden Kursen. Gleichzeitig fallen die Renditen, ergo die Zinsen die Staaten ihren Gläubigern zahlen müssen. Das jedoch sei nichts anderes  als „die vom deutschen Verfassungsgericht infrage gestellte, doch vom Generalanwalt des EuGH sanktionierte Staatsfinanzierung mit der Druckerpresse, die dazu dient, die Finanzierung von Staaten vom Kapitalmarkt unabhängig zu machen“, so Sinn.

Wozu beides führt, prognostiziert Sinn ebenfalls: „Das Resultat wird ein Aktienboom, ein Immobilienboom, eine Abwertung des Euro und eine neue Staatsverschuldung sein.“

Immerhin: Vielleicht könnte die deutsche Wirtschaft noch mit einem blauen Auge davonkommen. Glück im Unglück sozusagen. Sinn lobt, dass es „deutschen Widerständlern“ gelungen sei, „die Gemeinschaftshaftung und damit die implizite Schaffung von Euro-Bonds auf 20 Prozent der Käufe von staatlichen Instanzen zu begrenzen“. Denn die EZB-Zentrale selbst kaufe nur acht Prozent der Papiere. Zwölf Prozent der Papiere würden „Notenbanken auf dem Umweg über Banken von europäischen Institutionen kaufen“. Die restlichen 80 Prozent der Anleihekäufe tätigen die Notenbanken der Staaten.

"Die italienische Interpretation der Notenbankpolitik hat über die deutsche gesiegt."

Doch reichten diese zwanzig Prozent an Gemeinschaftshaftung bereits aus, um Unheil anrichten zu können, erklärt Sinn: „Geht ein Staat, dessen Papiere die EZB-Zentrale kauft, pleite, zahlt er zwar keine Zinsen mehr, doch teilen sich alle nationalen Notenbanken und damit alle anderen Staaten die Verluste.“  Ohnehin sieht der Top-Ökonom in den Anleihekäufen keinen ökonomischen „Unterschied zu einer direkten Finanzierung der Staaten durch die EZB.“ Sein Fazit: „Die italienische Interpretation der Notenbankpolitik hat über die deutsche gesiegt.“  

Nur vereinzelt erfährt die EZB Zustimmung von deutschen Ökonomen

Ist die EZB mit ihrem Anleihekaufprogramm also komplett auf dem Holzweg? Nicht alle Ökonomen sehen das so. In der vergangenen Woche berichtete wallstreet:online von Thomas Straubhaar, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Er will die Kritik an der EZB nicht stehen lassen und kontert: „Wenn Kollegen mit Professorentitel behaupten, dass mit einem QE die Preisentwicklung außer Rand und Band gerate, bewegen sie sich auf wissenschaftlich mehr als dünnem Eis.“



Disclaimer

EZB - Anleihekäufe Hans-Werner Sinn: QE führt zu Boom bei Aktien und Immobilien und neuer Staatsverschuldung Knapp zwei Wochen ist es her, dass die Europäische Zentralbank das Betreten neuer Ufer angekündigt hat: Ab März pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte. Insbesondere in Deutschland stößt das nicht nur auf Gegenliebe. Der Top-Ökonom Hans-Werner Sinn kritisiert vor allem einen Punkt: Die Gemeinschaftshaftung.

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