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Uber, Airbnb und Co. Share Economy - Wirtschaftsmodell der Zukunft oder Weg in die (Selbst-)Ausbeutung?

09.05.2015, 09:06  |  7984   |   |   

Teilen statt konsumieren, vorhandene Ressourcen nutzen statt neue zu erschließen. Hach, diese Share Economy klingt einfach zu schön um wahr zu sein. Stimmt, den in Wahrheit regiert auch hier vor allem eins: der Profit.

Dabei ist die Idee an für sich nicht schlecht - Mal eben einen Fahrgast mitnehmen, wenn man ohnehin zum Alexanderplatz fährt oder mal eben die eigene Wohnung vermieten, während man selbst in Mallorca am Strand liegt. Doch das Problem mit Portalen wie Uber und Airbnb ist, so die „Süddeutsche Zeitung“, dass von der ursprünglichen Idee nicht mehr viel übrig geblieben ist. Aus der Idee des Teilens wurde ein neuer Wirtschaftszweig, bei dem es nicht mehr nur ums Teilen geht, sondern vor allem ums Geld machen. Zimmer oder Häuser werden eben nicht nur vermietet, weil man gerade nicht da ist, sondern weil man damit – gerade in begehrten Stadtteilen – richtig abkassieren kann. Und wer braucht schon eine Taxilizenz, wenn man sein Auto einfach in ein profitables Uber-Mobil umfunktionieren kann?

Es klingt paradox: Eigentlich will sich die Share Economy dadurch abgrenzen, dass nicht der Profit, sondern das Teilen im Vordergrund steht. Aber in der Realität wird die Aussicht auf Profit zum entscheidenden Kriterium über Erfolg und Misserfolg. „Wer nur aus hehren Zielen teilt, verliert. Portale, die keinen klaren finanziellen Vorteil bringen, halten sich nicht“, schreibt die „SZ“.

Alle profitieren vom „Plattform-Kapitalismus“, oder?

SPON-Kolumnist Sascha Lobo hält Share Economy deshalb für einen „cleveren PR-Begriff“, der die Ausrichtung auf Profit verschleiert. Er plädiert für einen anderen Namen: Plattform-Kapitalismus. Dieser löse per Definition die Grenze zwischen professionellem Angebot und amateurhaftem Gelegenheitsangebot auf. Uber und Co. sind Plattformen, die „nicht die Besten im Spiel sein (möchten), sondern die Regeln des Spiels bestimmen. Sie sind ökonomische Ökosysteme, die Geld verdienen, indem sie Dritten ermöglichen, Geld zu verdienen“, so Lobo.

Befürworter der Share Economy argumentieren gerne, dass solche Geschäftsmodelle nur Gewinner kennen. Jeder profitiert, jeder ist glücklich – der Fahrer, der sich etwas dazuverdienen kann, der Fahrgast, der sich nicht mit nervigen Bahnstreiks rumplagen muss, und Uber, das per App beide zusammenbringt und dafür eine Provision kassiert. Ist doch alles super. Was also spricht dagegen?

Es lebe die „concierge economy“

Auch Geoffrey Fowler outet sich im „Wall Street Journal“ als Fan einer neuen Gattung der Share Economy, der „concierge economy“. Fowler lebt in San Francisco und kommt aufgrund der Nähe zum Silicon Valley in den Genuss vieler neuen Start-Ups, die sich um den kompletten Haushalt kümmern. Egal ob Wäsche waschen, Essen kochen, Pakte zur Post bringen, Auto parken – das alles erledigt sich quasi per Smartphone-Klick. „Das Leben ist wesentlich einfacher, wenn du das Hin- und Herrennen den Apps überlässt, aber ich habe gelernt, dass sie nicht nur etwas für Faule sind. Viele bieten einen tollen Service und (…) haben geniale neue Geschäftsmodelle, die mich tatsächlich Geld sparen lassen“, schwärmt Fowler und freut sich über Luxe, eine Parkdienst-App, bei der ein Mitarbeiter das Auto entgegennimmt, parkt und später wieder vorbeibringt – egal wohin. Das alles kostet gerade mal 15 US-Dollar plus 3 US-Dollar Trinkgeld. Hätte er sein Auto in dem Parkhaus neben seiner Arbeit abgestellt, hätte Fowler 35 US-Dollar zahlen müssen. Also, alles super.

Zumindest so lange bis man sich fragt, wie die 15 US-Dollar zustande kommen. Immerhin sollen daran sowohl Luxe selbst verdienen als auch das Parkhaus und die beiden Mitarbeiter, die das Auto abgeholt bzw. zurückgebracht haben. Es sei an dieser Stelle dahingestellt, welche Partei wohl das größte und welche das kleinste Stück vom Kuchen abbekommt.

Dienstleistung oder Ausbeutung – alles eine Frage der Perspektive

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