finanzmarktwelt.de Die EZB gibt ein verheerendes Signal

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Gastautor: Markus Fugmann
04.06.2015, 12:53  |  1638   |   

Von Markus Fugmann

In den Medien ist es weitgehend verpufft – aber die Langzeitwirkung dessen, was Mario Draghi auf seiner Pressekonferenz gestern zum Markt für Staatsanleihen gesagt hat, könnte schwere Konsequenzen haben. Der Maestro meinte nonchalant, dass man sich an höhere Volatilitäten eben gewöhnen müsse bei Staatsanleihen, aber darüber werde man “hinwegsehen”. Das bedeutet im Klartext: wenn die Märkte weiter crashen, ist das euer Problem, wir als EZB werden nichts dagegen tun.

Das verfolgt natürlich auch ein Eigeninteresse der europäischen Notenbank: steigen die Renditen für Staatsanleihen (und fallen damit die Kurse), tut sich die EZB deutlich leichter mit ihrem QE. Sie kann aufgrund selbst auferlegter Bestimmungen nur Anleihen kaufen, die nicht unter dem Einlagezins rentieren, der derzeit bei -0,2% liegt. Der Crash am Anleihemarkt sorgt dafür, dass immer mehr Laufzeiten von Staatsanleihen nun wieder positive Renditen haben -so gestern bei der Emission einer deutschen Anleihe mit 5-jähriger Laufzeit, die nun wieder über der 0er-Marke liegt. Hinzu kommt, dass die Halter der Staatsanleihen durch den Crash kalte Füsse bekommen, und umso bereiter sein dürften, ihre Bestände an die EZB zu verkaufen. Und darauf ist die EZB angewiesen, wenn sie ihre selbst gesetzte Quote von monatlichen Staatsanleihekäufen erreichen will. Es ist im Übrigen auch kein Zufall, dass gerade jetzt Stimmen von Notenbankern immer lauter werden, die fordern, Banken müssten – anders als bisher – doch bitte schön Eigenkapital hinerlegen müssen für den Kauf von Staatsanleihen. Das würde den Appetit der Banken auf diese Papiere deutlich senken – und der EZB ihr Geschäft erleichtern.

Es ist schon paradox: als die Gerüchte waberten, die EZB könnte QE betreiben, fielen die Renditen in den Keller. Als sie dann im Januar beschloss, dies auch wirklich zu tun, erreichten die Renditen ihren Tiefpunkt. Aber als sie dann mit den Käufen im März begann, ging es auf einmal mit den Renditen nach oben. Das ist insofern überraschend, als mit der EZB ja ein gigantisch großer Käufer eigentlich für Nachfrage sorgt – und die Renditen aufgrund dieser Nachfrage eigentlich fallen müssten.

Sehen wir uns einmal die Entwicklung deutscher Staatsanleihen in den letzten Tagen an. Zunächst der Future auf die 30-jährige Anleihe, die als BUXL-Future gehandelt wird:

BUXL

Hier hat sich der Abverkauf heute dramatisch beschleunigt – der Future verlor 3%, das ist eine Weltreise am Markt für Staatsanleihen. Schwer getroffen auch die Benchmark-Anleihe für Europ, die 10-jährige Bundesanleihe, die inzwischen als Taktgeber auch für amerikanische Staatsanleihen fungiert:

Bund040615

Mario Draghi hat gestern gesagt, dass die Inflation über den Erwartungen der Märkte liege, aber nicht über den Erwartungen der EZB. Das bedeutet: erstens sind wir bei der EZB schlauer als der Markt, und zweitens sind wir schlauer, weil wir wussten, dass unser QE funktioniert, weil es die Inflation in Gang bringt. Das ist durchaus selbstherrlich. Die EZB und ihr Maestro Draghi aber unterschätzen, was die derzeitge Bewegung am Markt für Staatsanleihen bedeuten kann: dass eine Lawine ins Rollen kommt, die auch von einem großen Player wie der EZB nicht mehr aufgehalten werden kann. Der Markt ist so gigantisch groß und schwergwichtig, dass ein Crash am Anleihemarkt auch andere Märkte wie die Aktienmärkte erfassen wird. Es ist aber sehr schwer, eine beretis eingesetzte Panik wieder zu beruhigen – schlauer ist es, im Vorfeld dafür zu sorgen, dass das nicht passiert.

Die EZB hat gestern jedoch genau das Gegenteil gemacht: euer Crash ist nicht unser Problem, so ihr Motto. Aber wenn das so weitergeht, wird es auch das Problem der EZB: sie wird dann gar nicht mehr wissen, wo sie anfangen soll mit dem Retten. Gut möglich, dass die EZB die Geister, die sie in Gestalt von Mario Draghi gestern gerufen hat, nicht mehr loswerden wird!

 

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