DAX+0,07 % EUR/USD+0,02 % Gold+0,06 % Öl (Brent)+0,33 %

Glaubenskrieg der Ökonomen "Arrogant, anmaßend und polemisch" - Straubhaar geht auf US-Ökonomen los

03.07.2015, 11:26  |  4224   |   |   

Gleich mehrere prominente US-Ökonomen haben in den vergangenen Tagen mit teils heftigen Worten die Haltung der Gläubiger kritisiert (siehe: Von „Inkompetenz“ bis monströse Torheit“ – US-Ökonomen attackieren Geldgeber). Dass dabei besonders die Bundesregierung ihr Fett wegbekam, macht Thomas Straubhaar stinksauer. Der Schweizer Ökonom geht hart mit seinen US-Kollegen ins Gericht. Ihre Belehrungen seien „arrogant, anmaßend und polemisch“.

Eigentlich sind die Schweizer ja für ihr ruhiges Gemüt bekannt. Doch die Meinungsäußerungen der US-Ökonomen haben Thomas Straubhaar so sehr auf die Palme gebracht, dass der Schweizer Ökonom jetzt zum großen Gegenschlag ausholt. Das „Deutschen-Bashing“ sei in Mode, so Straubhaar in seiner Kolumne für die „Welt“. Denn: „Es macht es andernorts so herrlich einfach, von selbst verursachten Fehlern, Versäumnissen und Unzulänglichkeiten abzulenken und für das eigene Versagen andere verantwortlich zu machen.“

Besonders echauffiert sich Straubhaar über die Äußerungen von Nobelpreisträgern wie Paul Krugman („Die Geldgeber haben eine monströse Torheit begangen“) oder Jospeh E. Stiglitz („Troika hat Griechenland-Krise absichtlich herbeigeführt“). „Nobelpreise sagen rein gar nichts darüber aus, ob eine Meinung (beziehungsweise deren Bewertung) ausgewogener oder gewichtiger als jene anderer Menschen ist“, poltert er. Um zu beurteilen, ob eine Politik „richtig“ oder „falsch“, „gut“ oder „schlecht“ sei, spielten weder Professorentitel noch Nobelpreisehrungen eine Rolle. Die US-Ökonomen würden wichtige Unterschiede zwischen Europa und den USA übersehen. Aus diesem Grund wirkten „die Belehrungen der amerikanischen Nobelpreisträger arrogant, anmaßend und polemisch.“

„Ökonomen sollen Meinung äußern, nicht Politik betreiben“

Zwar begrüßt es Straubhaar, wenn Ökonomen sich über die Medien in aktuelle Debatten einschalten: „Selbstverständlich, sollen und dürfen, ja müssen Wirtschaftswissenschaftler ihre Meinung öffentlich kundtun.“ Allerdings könnten „politische Aktionen von Wissenschaftlern“ auch problematisch werden. Nämlich dann, „wenn sie vorgaukeln, dass eine Ideologie wissenschaftlich belegt und alle anderen Erkenntnisse widerlegt seien.“

Damit hat er zwar im Prinzip Recht. Auch wenn er sagt, dass die Wirtschaftswissenschaft eine Geistes- und Sozialwissenschaft sei und ökonomische Analysen daher immer abhängig von der Perspektive des Betrachters. Allerdings macht Straubhaar dann genau das, was er seinen US-Kollegen vorwirft: Vorgaukeln, dass es etwas wissenschaftlich belegt sei und alle anderen Erkenntnisse widerlegt.

Eine Frage der ideologischen Perspektive

Für die keynesianisch geprägten US-Ökonomen ist eine Sparpolitik in Krisenzeiten kontraproduktiv. Ihr Argument: Es braucht Investitionsimpulse, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Aus diesem Grund fordern Eichengreen und Co. einen Schuldenerlass für Griechenland. So erinnert beispielsweise Jeffrey Sachs daran, dass eine Umschuldung im Nachkriegsdeutschland eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen Erholung und dem Aufbau demokratischer Strukturen gespielt habe. Er appelliert daher: „Lasst die Griechen von der deutschen Geschichte profitieren!“ Ein Schuldenerlass werde die wirtschaftlichen Probleme Griechenlands zwar nicht lösen können, aber er würde die Tür für eine Lösung öffnen.

Bei Straubhaar klingt die Argumentation der US-Ökonomen dagegen so: „Dass ein "Nein" zum Referendum die realen Probleme Griechenlands nachhaltig verringert oder gar löst, ist wissenschaftlich nicht untermauert. Im Gegenteil: Die Erwartung, dass Regellosigkeit und ein Staatsbankrott in einem Land ohne funktionierende Strukturen zu nachhaltigem wirtschaftlichem Erfolg führen, widerspricht allen momentan bekannten wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Damit verzerrt er ganz klar die Aussagen seiner US-Kollegen und spricht ihnen auf diese Weise jegliche Legitimation ab. Natürlich ist die von Straubhaar dargestellte Erwartung wissenschaftlich nicht belegt – es entspricht in dieser Überspitzung aber auch nicht der Argumentation der US-Ökonomen.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

natuerlich ist Deutschland wirtschaftlich durch stabile Gesetzeslage und im weltweiten Vergleich vernachlaessigensweise geringer Korruption des oeffentlichen Dienstes sehr weit gekommen

trotzdem finde ich es grenzt an Masochismus das wirtschaftliche Wohlergehen vor allgemeiner Lebensqualitaet zu stellen

sprich: es waere klueger keine weiteren Gelder mehr dem Moloch EU zur Verfuegung zu stellen

anstatt dessen sollte lieber in die deutsche Infrastruktur investiert werden

diese Zeilen schreibe ich gerade aus einem mit EU Geldern finanzierten Spassbad in der ungarischen Provinz das nicht einmal Eintritt kostet!

So geht Europapolitik zum Wohle der Buerger'

anstatt das Geld sinnlos verschwenden um Auslaendern nicht nur im Ausland beim Faulenzen zu helfen

Stattdessen wuerde ich mir auch kostenfreie Spassbaeder in Deutschland wuenschen!


ich wuerde
Sehr richtig, was wir von theoretischen Betrachtungsweisen insgesamt zu halten haben, wird derzeit mehr als deutlich; sämtliche "Wirtschaftsweisen" könnten, wenn man sie in einen Sack packte, mit dem Knüppel behandelt werden; man träfe immer den richtigen.
„Nobelpreise sagen rein gar nichts darüber aus, ob eine Meinung (beziehungsweise deren Bewertung) ausgewogener oder gewichtiger als jene anderer Menschen ist“, poltert er.<

Genaus diese Idee kam mir immer wieder, wenn ich die Meinungen der US-Ökonomen zur Kenntnis nahm.
Da fragt man sich, wie man mit solcher geistiger Ausstattung zu einem Nobelpreis kommt.
Nun gut, nun sind Wirtschaftswissenschaften keine exakten Wissenschaften.
In der Chemie, Physik und Medizin verhält es sich da anders.

Wer sich da nicht an beweisbare Realitäten hält, kommt zu nichts.

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel