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Der Geist von 1929? Gefährliche Parallelen in China: Wirtschaftsboom - Verschuldung - Crash

Gastautor: Daniel Stelter
30.07.2015, 13:06  |  6118   |   |   

Chinas Börsen spielen verrückt. Einem einzigartigen Boom folgte ein dramatischer Absturz, gefolgt von immer panischer wirkenden Eingriffen der Regierung. Droht damit ein weiteres Narrativ der Ökonomen und Finanzmärkte zu platzen? Es scheint so. Mit erheblichen Konsequenzen für Weltwirtschaft und Eurozone.

Bis vor kurzem galten zwei Dinge als sicher: die Notenbanken haben alles unter Kontrolle und die chinesische Regierung hat ihre Wirtschaft im Griff. Weil dies so ist, kann eigentlich nichts schiefgehen, so der weit verbreitete Glaube. 

Spätestens seit den jüngsten Turbulenzen im Markt für Staatsanleihen in Europa dürfte klar sein, dass die Notenbanken nicht so allmächtig sind, wie die Finanzmärkte denken. Zuvor haben schon die mäßigen Ergebnisse der geldpolitischen Aktivitäten der Fed Anlass gegeben, an der Wirksamkeit der Geldpolitik zu zweifeln. Zu schwach ist die Erholung der US-Wirtschaft seit 2009 ausgefallen.

Nun wackelt die andere Gewissheit. Die chinesische Regierung mag zwar mehr Einfluss auf die Wirtschaft haben, über mehr Munition in Form von Währungsreserven verfügen und dank Politmonopol schneller handeln können, doch die Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft gelten auch hier. China und damit die Weltwirtschaft stehen vor erheblichen Herausforderungen.

Verschuldungsboom nach westlichem Vorbild

Bekanntlich hat China in den letzten sieben Jahren so viele Schulden gemacht wie kein anderes Land. Von 2000 bis 2007 verdreifachten sich die Schulden, von 2007 bis 2017 haben sie sich fast vervierfacht. Alleine in diesem Zeitraum haben private und staatliche Schuldner 26 Billionen US-Dollar neue Schulden angehäuft.

Die Kehrseite ist das Wachstum des chinesischen Finanzsystems. Insgesamt stehen 27 Billionen US-Dollar aus, was ungefähr einem Drittel des Welt-BIP entspricht. Alleine im Zeitraum seit 2007 ist es um 20 Prozent des Welt-BIP gewachsen. So ein Boom ist nicht nur nicht nachhaltig, sondern inhärent destabilisierend. Eine erhebliche Fehlallokation von Kapital ist die zwangsläufige Folge.

Derart starkes Wachstum der Ausleihungen hat bisher noch immer zu einer Krise geführt. So wuchs das Kreditvolumen in Japan in den fünf Jahren vor dem Platzen der Blase 1989 um 30 Prozent, in Südkorea bis zur Asienkrise um 22 Prozent und in den USA bis 2007 um 39 Prozent.

Die wachstumsstärkende Wirkung von neuen Schulden nimmt jedoch immer mehr ab. Jeder neue Dollar an Kredit erbringt nur noch rund 30 Cent Wachstum. Damit liegt China zwar noch deutlich über den Werten bei uns, wo die Wirkung fast bei Null angekommen ist. Aber es gibt kaum Hoffnung, aus den Schulden herauszuwachsen.

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2 Kommentare

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Kommentare

china china china... immer ablenken von eigenen problemen. usa und europas maerkte doch auch bloss aufgeblasen vom billigem geld aus den druckmaschinen.

2007 gings doch genauso zu wie jetzt in china, was ist den da so neu?

die naechste blase ist schon in der endphase...leider will der poepel nicht rein in aktien.. deswegen geht das spiel noch ne weile weiter.

erst wenn die banken alles an den poepel abstossen dann kracht es wieder.

zeit waere reif jetzt.

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