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Übernahmepoker Wo sind die „Weissen Ritter“?

Gastautor: Markus Elsässer
24.08.2015, 17:45  |  2037   |   |   

Seit einigen Monaten läuft im Ausland eine grosse Fusions-Übernahmewelle an den Börsen. Das Ganze erreicht mittlerweile neue Dimensionen.

Hier einige jüngste Beispiele: Die private deutsche Firma DORMA fusioniert mit dem Schweizer Börsenunternehmen KABA in der Tür- und Zugangsbranche. Die amerikanische Holding Danaher schluckt den US-Filterspezialisten PALL Corp für USD 13 Mrd. In der Saatzucht-Pflanzenschutzbranche bietet der Gigant Monsanto CHF 49 Mrd. für den Konkurrenten Syngenta in Basel. In der Tabakbranche betreibt Reynolds den Zusammenschluss mit dem US-Konkurrenten Lorillard. Das Fusionsvolumen beträgt USD 27 Mrd. Im IT-Sektor in den USA übernimmt der Halbleiterhersteller Avago Technologies den Konkurrenten Broadcom für USD 37 Mrd. Broadcom gehört zu den Senioren in der Branche und ist auf Chips in Smartphones und Tablets spezialisiert. Und bei den Kabelnetzbetreibern bietet Charter Communications gleich für zwei Unternehmen: Time Warner Cable soll für USD 79 Mrd. und Bright House Networks für USD 10 Mrd. aufgekauft werden. Nach langen Verhandlungen steht in den USA im Gesundheitssektor eine Großakquisition ins Haus. Der Krankenversicherer AETNA will den Konkurrenten HUMANA für USD 37 Mrd. übernehmen. Selbst im angeschlagenen Ölsektor macht MARATHON Petroleum eine Offerte für MarkWest Energy Partners im Wert von USD 15.8 Mrd. Im Biotech-Pharmasektor bietet SHIRE aus Großbritannien USD 30 Mrd. für BAXALTA (eine ehemalige Abspaltung aus dem Pharmariesen BAXTER). Der jüngste Deal kommt nun von Value Investor Nr. 1, Warren Buffett aus Omaha. Seine Investmentfirma möchte den Flugzeugzulieferer Precison Castparts PCC kaufen für USD 37.2 Mrd. Damit ist er bereit den 3,7 fachen Jahresumsatz zu zahlen. So viel zum Thema Value Investing.

Die Finanzmärkte sind voller liquider Mittel. Die Zinsen sind fast auf null. Während die Consumer-Inflation sich dank Produktivitätsfortschritten teils moderat entwickelt, ist eine ungeheure Asset-Inflation weltweit in Gang. Vor diesem Hintergrund ist es auffällig, dass die „Weissen Ritter“ (sogenannt nach den „White Knights“, dem lachenden Dritten der im Übernahmekampf mit einem höheren Angebot schliesslich den Zuschlag erhält) bislang ausbleiben. Dies ist vor allem bei Syngenta und K+S AG bemerkenswert. Denn beide Übernahmeversuche sind ins Stocken geraten. K+S will selbstständig bleiben, Potash beharrt aber auf den nachweislichen Synergieeffekten einer Fusion. Syngenta ist beleidigt und spricht nicht mit Potash. Der kanadische Weltmarkführer Potash hingegen bemüht sich unermüdlich um Grossinvestoren von Syngenta. Es scheint, als wenn man sich in den Schützengräben festgefahren hat.
Im Vergleich zu früheren Zeiten ist diese Ruhe an der Front irritierend. Als vor Jahren die Merck KGaA aus Darmstadt ungebeten die Schering AG in Berlin schlucken wollte, war nach kurzer Zeit die Bayer AG aus Leverkusen auf dem Plan und kam als „Weisser Ritter“ mit höherem Angebot zur Hilfe. Bietergefechte im Kampf um erstklassische Firmen waren auch in den USA an der Tagesordnung. Im Falle K+S sowie Syngenta gibt es ja genügend strategische Interessenten, wie zum Beispiel im Düngemittel-sektor BHP, die ja schon einmal vor Jahren versucht hatten Potash zu übernehmen. Und selbst die BASF, einst an K+S beteiligt, hat ja starke Interessen im Agrarsektor. Warum nicht den europäischen Marktführer im Dünger nun komplett zurückkaufen?
Noch auffälliger ist das Ausbleiben der BASF im Kampf um Syngenta. Schliesslich werden hier die Karten im Pflanzenschutz- und Saatzuchtgeschäft auf Jahrzehnte neu verteilt. Gleiches gilt übrigens auch für Dow Chemical, deren Markanteile – ähnlich wie bei BASF – auf Dauer zu gering sind. Ganz gleich wie die Übernahmekämpfe ausgehen, eines steht fest: Wie seit 13 Jahren im ME Fonds - Special Values manifestiert, wird es zu einer Verknappung erstklassiger Unternehmen an der Börse kommen. Börsenkurse, welche vielleicht heute historisch betrachtet teuer aussehen, sind oftmals keineswegs überbewertet. Wir leben in einem neuen Zeitalter der überschwappenden Finanzmittel. Im Vergleich dazu ist die Zahl der aussichtsreichen und soliden Unternehmen im globalen Geschehen klein. Gute Aussichten für den angstfreien und geduldigen Aktionär.

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