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Marktkommentar Die Porsche Aktie, eine Alternative? Genaue Kenntnisse sind nötig.

Gastautor: Markus Elsässer
30.09.2015, 17:42  |  38612   |   |   

Mit der VW Turbulenz rücken bei vielen Investoren nun auch die anderen Autoaktien ins Blickfeld. Nach dem Kurssturz der VW Aktie werde ich  dieser Tage oft gefragt, ob man nicht die Porsche Aktie kaufen sollte. In der Tat ist Porsche an der Börse notiert und auch im Kurs stark gefallen. Doch aufgepasst! Hier muss man sich genau auskennen. An der Börse gilt: Porsche ist nicht gleich Porsche. 

Was heißt das? Es ist ganz einfach. An dem Sportwagenhersteller Porsche kann man sich als Aktionär direkt gar nicht mehr beteiligen. Porsche ist voll und ganz in dem Volkswagenkonzern aufgegangen und gehört zu 100% den Wolfsburgern. Porsche ist eine Konzerntochter so wie Skoda und Seat. Anders verhält es sich bei der Audi AG. Dort gibt es noch freie Aktionäre, die direkte Miteigentümer an Audi sind und die Audi Aktie wird an der Börse auch gehandelt. Was aber  ist dann  die an der Börse gehandelte Porsche Aktie? Es handelt  sich um die Porsche Automobil Holding SE. Sie ist eine reine Holding, der 50,73 % der Stammaktien des Volkswagenkonzerns gehören. Daneben plant die Holding Beteiligungen im Technologiesektor, mit einem Schwerpunkt bei fahrzeugbezogenen Anwendung. Bislang gibt es eine 10% -ige Beteiligung an einer US-Firma. Die Porsche Automobil Holding lebt eigentlich von einem Ereignis pro Jahr: Der Ausschüttung der Volkswagen Dividende. Denn der Porsche Holding fliesst mehr als die Hälfte der gesamten Dividende aus den VW Stammaktien zu. Wenn die Dividende künftig bei VW aufgrund des aktuellen Debakels für längere Zeit ausfallen sollte, ist das für die Porsche Automobil Holding Aktie keine gute Nachricht. 

Noch einmal zur Porsche Holding: Es gibt Stammaktien und stimmrechtslose Vorzugsaktien von der Porsche Automobil Holding. Seit 2011 werden 100% der Stammaktien von den Familien Piech und Porsche gehalten. Zuvor war Qatar noch mit 10% beteiligt. Diese Aktien wurden dann aber von der Familie übernommen. An der Börse werden die stimmrechtslosen Porsche Holding Vorzugsaktien gehandelt. Sie notieren derzeit bei etwa Euro 41,- pro Aktie. Im Mai 2015 standen sie bei über Euro 90,-. Sie sind also - nicht verwunderlich - in einen ähnlichen Strudel wie die Volkswagen Aktie geraten. Die Familien Piech und Porsche kontrollieren also über die Stammaktien der Porsche Automobil Holding SE die Beteiligung am VW Konzern. Wer sich für Vorzugsaktien der börsennotierten Porsche Automobil Holding  interessiert, beteiligt sich also genau an drei Dingen:
1. Der Stimmenmehrheit beim VW Konzern, mit den Piechs-Porsches sozusagen als „Delegierte“ oder „Bevollmächtigte“.
2. Der VW Dividendenausschüttung in Höhe der Hälfte der VW Stammaktien.
3. Dem unternehmerischen Talent der Piech-Porsche Familie, bei der Wiederanlage der vereinnahmten VW Dividende.

Es bleibt jedem Investor überlassen, von welcher Seite er sich dem Thema VW nähern will. VW Stammaktien, VW Vorzugsaktien oder Porsche Automobil Holding SE. Entscheidend jedoch ist für alle drei Varianten gleichermaßen, wie es mit dem Volkswagen Konzern nun weitergeht. In jedem Fall ist der Weg zum eigentlichen Automobilhersteller Porsche für den Investor an der Börse „versperrt“. Die Sportwagenmarke Porsche ist im VW Gewirr gefangen. Gerade in der jetzigen Baisse-Phase für den Investor ein Jammer. Die ganze VW Situation ist einmal mehr ein Beweis dafür, dass extreme Konzernanhäufungen und byzantinische Strukturen, zumal noch mit Stamm- und Vorzugsaktien, dem Aktionär in der Krise nichts nützen. Das Zusammenpacken von vielen Automobilmarken unter einem Dach bringt dem Aktionär keinen Risikoausgleich. Im Gegenteil, unter Beschuss wird alles in den Strudel mit gerissen. Deshalb plädiere ich seit Auflage unseres Value Fonds „ME Fonds - Special Values“ vor 13 Jahren für fokussierte, schlanke und einfach strukturierte Aktiengesellschaften.  Ich bin gespannt. Schauen wir mal, ob im Zuge der Volkswagen Krise die Marken  „Porsche“ und „Audi“ am Ende nicht als „Befreiungsschlag“ in die Selbständigkeit geführt werden?  Aus Sicht eines Value Investoren ein interessanter Gedanke. Was spräche dagegen?

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