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    Stelters Sicht  9380  6 Kommentare Migration - eine rein ökonomische Betrachtung - Seite 2

    Richtig ist auch, dass ohne nennenswerte Nettozuwanderung die Zahl der Erwerbstätigen über die nächsten zehn Jahre um rund 4,5 Millionen schrumpfen würde. Das Wirtschaftswachstum würde von derzeit im Schnitt 1,5 auf rund 0,5 Prozent sinken. 2030 wäre voraussichtlich ein Zustand der Stagnation erreicht. Unser heutiges Wohlfahrtssystem kann jedoch bei einer alternden Bevölkerung nur aufrechterhalten werden, wenn die Wirtschaft längerfristig um mehr als zwei Prozent im Jahr wächst. Sonst sind in den sozialen Sicherungssystemen, insbesondere im umlagefinanzierten Rentensystem, Leistungskürzungen unvermeidlich.

    Nur: welche Leistungskürzungen werden erst erforderlich sein, wenn wir uns Kosten von mehr als einer Billion Euro aufbürden für Migranten, die keinen Beitrag dazu leisten. Was noch viel schlimmer wirkt: Weil wir jetzt ungestört aufnehmen, werden wir nicht die Kapazität und die Bereitschaft haben, qualifizierte Migranten aufzunehmen. Für diese werden wir im globalen Wettbewerb um Talente immer unattraktiver. Nimmt die Ausländerfeindlichkeit zu – was unvermeidlich passieren wird – schrecken wir genau die ab, die wir eigentlich bräuchten. Die gehen dann noch lieber in die Länder, wo sie wirklich willkommen sind und nicht für eine überalterte Gesellschaft, die sich zudem ein dauerhaftes finanzielles und soziales Problem ins Land geholt hat, zahlen müssen. Die derzeitige Politik wird das Problem verschärfen, nicht lösen.

    Hier ein Modell, unter welchen Annahmen sich Zuwanderung rein wirtschaftlich betrachtet, „lohnt“. Wie man sieht, müssten 60 Prozent der Flüchtlinge produktiv sein und dabei 40.000 Euro pro Kopf verdienen, damit die Zuwanderung für uns finanziell neutral ist.

    Nun kann man gegen diese Rechnung einwenden, dass die Zahlen immer noch so gering sind, dass sie in einem reichen Land wie Deutschland keine Rolle spielen. Das stimmt. Setzt sich die Migration jedoch in derzeitigem Tempo fort, werden die Dimensionen deutlich größer. Bei angenommenen 5 Millionen Migranten und einem Verhältnis von 30 zu 70 beliefen sich die jährlichen Nettokosten für unsere Volkswirtschaft auf 38 Milliarden Euro pro Jahr. Auf einen Zeithorizont von dreißig Jahren gerechnet, liegen wir bei über einer Billion Euro. Also fast dem Betrag, den uns die Wiedervereinigung zwischen 1990 und 2010 gekostet hat.


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    Daniel Stelter
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    Dr. Daniel Stelter ist Makroökonom und Gründer des Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Von 1990 bis 2013 war Stelter Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), wo er von 2003 bis 2011 weltweit das Geschäft der BCG Praxisgruppe Corporate Development (Strategie und Corporate Finance) verantwortete.

    Er ist Autor mehrerer Bücher. Sein aktuelles Buch „Das Märchen vom reichen Land - Wie die Politik uns ruiniert“ war auf der SPIEGEL Bestsellerliste. Twitter: @thinkBTO
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    Verfasst von Daniel Stelter
    Stelters Sicht Migration - eine rein ökonomische Betrachtung - Seite 2 In der Flüchtlingsdebatte werden -neben der Gesellschaft und Kultur - auch ökonomische Vorteile der Zuwanderung ins Feld geführt. Eine Unterscheidung zwischen Flüchtlingen und Migranten sollte am Anfang jeder ökonomischen Folgenbetrachtung stehen.

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