Zinswende, ja oder nein? Chancen, Risiken, Verlierer - Das sagen die Experten zum US-Zinsentscheid

16.12.2015, 11:36  |  5566   |   |   

Ein kleiner Schritt für die Zinsen, ein großer Schritt für die Finanzwelt - Der Tag der Entscheidung ist gekommen. Jetzt oder nie, heißt es heute für die amerikanische Notenbank (Fed) und ihre Chefin Janet Yellen. Wird sie nach neun Jahren erstmals wieder die Zinsen anheben? Das sagen die Experten.

Eigentlich sollte es bereits im September so weit sein. Doch die mit Spannung erwartete Zinsentscheidung endete im wahrsten Sinne des Wortes mit einer Nullnummer (siehe: Angst vor der eigenen Courage – Reaktionen auf Yellens Nullnummer). Nun also der nächste Anlauf. Um 20.00 Uhr deutscher Zeit wird die Zinsentscheidung verkündet, eine halbe Stunde später dürfte die gesamte Finanzwelt an den Lippen von Janet Yellen hängen, wenn die Fed-Chefin das Podium der Pressekonferenz betritt.

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Dass die Fed die Zinsen anheben wird, gilt unter den Marktteilnehmern als sicher. So weit, wie sich die Notenbank im Vorfeld ihrer zweitägigen Sitzung aus dem Fenster gelehnt habe, wäre es eine „Zerstörung ihrer Glaubwürdigkeit“, die Zinswende nicht zu vollziehen, schreibt US-Ökonom Larry Summers in einem Gastbeitrag für die "Washington Post". Die Frage, ob Yellen an der Zinsschraube drehen wird, stellt sich für ihn deshalb gar nicht. Die Frage, ob sie an der Zinsschraube drehen sollte, stellt sich dagegen sehr wohl.

Zinswende, ja oder nein?

Gründe gibt es sowohl für eine Fortsetzung der Nullzinspolitik als auch für die erste Zinsanhebung seit Ausbruch der Finanzkrise. Bereits im September listete wallstreet:online sämtliche Pro- und Kontra-Argumente auf. An dieser Ausgangslage hat sich bis heute wenig geändert.

Lesen Sie:

Jetzt oder nie! Liebe Fed, darum brauchen wir die Zinserhöhung

sowie

Bloß nicht! Liebe Fed, darum dürft ihr die Zinsen auf keinen Fall anheben

Chance, Risiken, Verlierer – Das sagen die Experten

Für Larry Summers überwiegen am Ende ganz klar die Argumente gegen eine Zinswende. Es sei eine Zeit beträchtlicher finanzieller und geopolitischer Fragilität weltweit, mit realen Risiken einer Kapitalflucht aus den Emerging Markets, so der US-Ökonom. Er warnt: „Jede Veränderung der geldpolitischen Bedingungen birgt das Risiko, die Instabilität zu fördern und so einen Schneeball auszulösen, vor allem im Hinblick auf das hohe Maß an Illiquidität in vielen Märkten.“ Auch HSBC-Strategie Lawrence Dryer ist sich nicht ganz sicher, ob die US-Notenbank die Risiken richtig einschätzt. „Es gab vier Rezessionen seit den frühen 1980ern und keine Einzige davon wurde von der Fed vorhergesehen“, so Dryer gegenüber „Bloomberg“. Insofern sei es durchaus möglich, dass die Notenbank erneut von einem wirtschaftlichen Abschwung überrascht werde.

Das „Wall Street Journal“ geht indes einen Schritt zurück und beschäftigt sich mehr mit der Umsetzung der Zinswende als mit deren Auswirkungen. Das Magazin bezweifelt nämlich, dass die Notenbank so einfach imstande sein wird, die Zinsen anzuheben. Wie will die Fed die 2,5 Billionen US-Dollar, mit denen sie die Märkte in den vergangenen Jahren flutete, plötzlich wieder abpumpen? „Es könnte die Struktur des kurzfristigen Geldmarkts in einer Art und Weise verändern, die die meisten noch gar nicht erahnen können“, warnt der frühere Präsident der Federal Reserve Bank of Philadelphia, Charles Plosser. Es stehe eine Menge auf dem Spiel, konstatiert das „Wall Street Journal“. So viel, dass die Fed die Zinswende besser nicht vermasseln sollte.

„Gold wird das Opfer sein“

„Sollte die Zinswende gelingen, steht sie symbolisch dafür, dass die US-Wirtschaft die größte Finanzkrise seit 80 Jahren überwunden hat“, meint Ulrich Kater. Der Chefvolkswirt der Deka-Bank rechnet mit vier weiteren Leitzinsanhebungen durch die US-Notenbank im kommenden Jahr. Er erwarte, dass auf den ersten Zinsschritt der Fed einmal pro Quartal eine weitere Anhebung des Leitzinsbandes um 0,25 Prozentpunkte erfolge, so Kater (Mehr dazu hier).

Auch die Société Générale sieht in der heutigen Zinswende den Auftakt zu weiteren Anhebungen. Die französische Großbank erwartet laut „Bloomberg“ insgesamt drei weitere Zinsanhebungen in 2016. Darunter werde vor allem der Goldpreis zu leiden haben. Alain Bokobza, Chef der Abteilung Asset Allocation, hält das Edelmetall für den größten Verlierer der Zinswende: „Gold wird das Opfer sein.“ Der Goldpreis werde demnach im kommenden Jahr auf 955 US-Dollar abstürzen, glaubt der Experte (Lesen Sie hierzu auch: Gold-Crash oder goldener Rebound? Das sagt die w:o-Community zum Goldpreis).

Nach der Zinswende ist vor der Zinssenkung

Verlierer hin und her, die Fed wird die Zinsen heute anheben, da sind sich nahezu alle Experten einig. Doch nach der Zinswende ist vor der Zinssenkung. In einer Umfrage des „Wall Street Journals“ unter 65 Ökonomen rechnen 58 Prozent damit, dass die Notenbank die Zinsen bereits in den nächsten fünf Jahren wieder auf null senken wird. Die Idee: Mit der Zinswende wolle sich Yellen Spielraum verschaffen, um bei der nächsten wirtschaftlichen Krise gegensteuern zu können. So sei anzunehmen, dass die Fed die Zinsen wieder senken könnte, sobald die US-Wirtschaft schwächele, die Inflation niedrig bleibe, eine neue Finanzblase platze oder die Weltwirtschaft in die Rezession rutsche. Dass einer dieser Faktoren in naher Zukunft eintreffen wird, halten viele Experten für mehr als wahrscheinlich. Entsprechend rechnen 37 Prozent der befragten Ökonomen mit einem neuen Anleihekaufprogramm („Quantitative Easing“) der Fed. 16 Prozent gehen sogar davon aus, dass die US-Notenbank, ähnlich wie die Europäische Zentralbank (EZB), Negativzinsen einführen wird.


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