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Nachhaltige Fonds – Schwindel oder saubere Geldanlage?

Nachrichtenquelle: Benjamin Feingold
13.01.2016, 15:30  |  1490   |   |   

Börse_DAX_Nov_1Etwa vier Wochen ist es her, da hat es auf der Weltklimakonferenz einen historischen Kompromiss gegeben. Alle Länder der Erde haben dem Klimavertrag zugestimmt, der eine Eindämmung der Erdwerwärmung vorsieht. Auch die Geldanlage (lesen Sie auch einen Beitrag zu Mischfonds) hat das Thema schon seit geraumer Zeit für sich entdeckt. Profi-Anleger etwa ziehen Vermögen aus energieintensiven Industrien ab und investieren es umweltfreundlich. Divestment heißt diese Form der Geldanlage. Wie können nun Privatanleger umweltfreundlich investieren?

Welche Folgen hat der Klimawandel auf die Finanzmärkte? Dieser Frage hat sich der Vermögensverwalter Blackrock gewidmet, nachdem der amerikanische Präsident Barack Obama angekündigt hat, die Co2-Emmissionen in den kommenden 25 Jahren um ein Drittel reduzieren zu wollen. Langfristige Anleger, so schreiben die Autoren der Analyse „Der Preis des Klimawandels“, würden bereits darauf achten,  welche Industrien und Unternehmen der Abbau energieintensiver (hier der aktuelle Ölpreischart) Produktionen teuer zu stehen kommen wird. Zu Kursabschlägen dieser Werte an der Börse habe das zwar noch nicht geführt – allerdings sei es zu erwarten.

Sommer_Nordex_LandwirtschaftNämlich dann, wenn die großen institutionellen Vermögensverwalter ihre Investments aus emissionsreichen Branchen abziehen. Dieses Divestment ist durchaus begrüßenswert. Werden Unternehmen durch ihre Kapitalgeber dazu gezwungen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen zu verringern, kann das die Energiewende beschleunigen. Ein politischer Beschluss, wie Obama ihn jüngst getroffen hat,  kann also auch an Finanzmärkten ein Bewusstsein für die Auswirkungen von Geldanlage aufs Klima haben.

Kann der Privatanleger sein Geld ebenfalls umweltbewusst anlegen? Ja, der Möglichkeiten gibt es viele: Die Zahl nachhaltiger Fonds ist in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Während zur Jahrtausendwende nur ein Prozent der Milliarden in Publikumsfonds in grünen Fonds investiert war, sind mittlerweile 5,2 Prozent des Fondsvermögen deutscher Anleger in den alternativen Produkten. Insgesamt beläuft sich das Volumen in nachhaltigen Fonds derzeit nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) auf 45,5 Milliarden Euro.

Dreckschleudern in grünen Fonds

Doch es gibt zwei Probleme: Die Finanzwirtschaft dehnt den Begriff Nachhaltigkeit oft so weit aus, dass es selbst die großen Werte der Autohersteller in ihre Fondsmischung spült. Sie orientieren sich dabei an den laxen ESG-Kriterien. ESG steht kurz für Enviroment (Umwelt), Social (Sozialengagement) und Governance (Führung). Und damit schaffen es auch Umweltsünder, die täglich mit ihren Produktionen kilotonnenweise Kohlenstoffdioxid in die Luft blasen, in nachhaltige Fondsportfolios.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat vor wenigen Monaten den ökologischen Fußabdruck von herkömmlichen und grünen Fonds miteinander verglichen und kam zu dem Ergebnis: „Vier ethisch-ökologisch orientierte Fonds weisen eine schlechtere Klimabilanz auf als manch gängiger konventioneller Fonds“, so die Verbraucherschützer. Nun hat nicht jeder Privatanleger die Marktexpertise, um die Portfolios attraktiver Fonds auf ihre Umweltbilanz zu überprüfen.

Börse_WindradDas Magazin Ökotest hat vor kurzem 71 nachhaltige Fonds verglichen und stellt fest: Besonders die Zahl der Mischfonds, die in unterschiedliche Anlageklassen wie Aktien und Anleihen investiert sind, und die der kostengünstigen passiven Indexfonds ist gestiegen. Nur elf Fonds schaffen es aber, die strengen Kriterien des Tests zu erfüllen. Zudem beschweren sich die Autoren darüber, dass viele Portfolios nicht auf dem neuesten Stand seien, zum Teil würden sich auf den Seiten der Anbieter die Werte von 2012 befinden. Darüber hinaus befänden sich in den Depots von mehr als der Hälfte der Anbieter fragwürdige Titel: „Wir fanden Aktien von Unternehmen, die zu den 100 größten Luft- und Wasserverschmutzern der Welt zählen oder auf der Liste der 100 größten Verursacher des Treibhausgaseffekten zu finden sind.“

Kaum Renditeunterschiede

Das Forum Nachhaltige Geldanlage hat in den vergangenen drei Jahren ein Label entwickelt, mit dem künftig besonders nachhaltige Fonds ausgezeichnet werden sollen. Ähnlich wie im Lebensmittelbereich soll es den Konsumenten, bewusst machen,  dass Geldanlage auch Treibhausgase verursachen kann. Durch die Auszeichnung mit dem „Qualitätssiegel für nachhaltige Publikumsfonds“ können Privatanleger sicher gehen, dass das Portfolio nur Titel enthält, die den strengen Kriterien entsprechen. Umweltschädliches Verhalten, Kernenergie und Rüstung werden so ausgeschlossen und die Wahrung von Menschen- und Arbeitsrechten gewährleistet. Am 8. Dezember 2015 wurden 34 Publikumsfonds mit dem neuen Gütesiegel ausgezeichnet, lesen Sie hier den Beitrag dazu.

Wer Sorgen hat, dass er für das ethisch-ökologisch Investment auf Ertrag verzichten muss, kann beruhigt sein: Eine Studie der Universität Kassel hat Fonds verglichen und herausgefunden, dass es bei der Performance keine Unterschiede gibt.  Die Studie hat darüber hinaus belegt, dass nachhaltige Fonds ein etwas geringeres Risiko für den Anleger bedeuten.




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