Von Bargeld und Strafzinsen „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient" - Bargeld ist in zehn Jahren Geschichte!

22.01.2016, 17:38  |  12877   |   |   

Der Chef der Deutschen Bank, John Cryan, sagt das Ende vom Bargeld voraus. Bargeld unterstütze Geldfälscher, Geldwäscher und andere Kriminelle. Ein Schauermärchen, so die Kritiker: Mit der Abschaffung des Bargelds würden Negativzinsen für Sparer Realität.

Der Euro beschert Geldfälschern aktuell paradiesische Zustände. Noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung waren so viele Euro-Blüten im Verkehr. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 899.000 gefälschte Scheine aus dem Verkehr gezogen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) heute mit. "Der Anstieg der Falschgeldzahlen ist bedenklich", warnte Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele. Allein in Deutschland schnellte die Zahl der Blüten zum Vorjahr um 51 Prozent nach oben. Der Schaden kletterte von 3,3 Millionen auf 4,4 Millionen Euro. Weltweit summierte sich der Schaden mit Euro-Blüten im Jahr 2015 auf gut 39 Millionen Euro.

Was tun? Die Währungshüter können neue Euroscheine herausgeben, wie bereits beim Fünfer, dem Zehner und dem 20-Euro-Schein. Mit einem neuen 50-Euro-Schein wird nicht vor 2017 gerechnet. Das wäre eine Möglichkeit aber immer auch ein Rennen mit der Zeit. Die andere: Das Bargeld einfach abschaffen! Dieser Meinung ist zum Beispiel der Chef der Deutschen Bank, John Cryan. Mit einem Schlag wäre das Falschgeldproblem aus der Welt. Bargeld unterstütze nur Geldwäscher und andere Kriminelle bei der Verschleierung ihrer Machenschaften, so Cryan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Bargeld? Teuer und ineffizient, also weg damit!

Wenn es nach Cryan geht, müssen sich Geldfälscher eh’ beeilen. Denn: Bargeld werde in den nächsten zehn Jahren von der Bildfläche verschwinden. Der Grund: “Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient.“ Warum also nicht schon jetzt per Bankkarte oder per Smartphone-App bezahlen?

Das sind die Deutschen im Vergleich zum Beispiel zu den Schweden und Dänen, wo das bargeldlose Zahlen schon fas Routine ist, skeptisch. Sie hängen einfach an ihren Scheinen und an dem Klappern der Münzen im Geldbeutel. So werden aktuell immer noch 79 Prozent der Transaktionen in bar getätigt, wie die Bundesbank anhand von Daten aus dem Jahr 2014 errechnet hat. Und im Einzelhandel werden mit 53 Prozent gut die Hälfte der Umsätze mit Bargeld abgewickelt, weiß die "Nachrichtenagentur dpa-AFX" zu berichten. Da scheint es noch ein sehr langer Weg bis zur Abschaffung des Bargeldes. "Meines Erachtens wird der Anteil des unbaren Zahlungsverkehrs zunehmen und trotzdem wird Bargeld bleiben", bekräftigte Bundesbank-Vorstand Thiele angesichts des Cryan-Vorstoßes in der "Bild"-Zeitung.

Das Geschäft mit dem Gelddrucken

Die Bundesbank mag noch einen anderen Grund haben, der Abschaffung des Bargeldes argwöhnisch zu begegnen: Sie verdient mit der Herstellung von Banknoten und dem Prägen von Münzen Geld. So kostet ein Euroschein in der Herstellung nur ein paar Cent, wird aber zum aufgedruckten Nennwert an die Banken ausgegeben. Der erwirtschaftete Gewinn fließt zu Teilen wiederum in den Bundeshaushalt - wohl sehr zur Freude von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Würde dies Wegfallen zerplatzt nicht nur der Traum Schäubles von der schwarzen Null, sondern es wächst auch die Gefahr einer unkontrollierten Ausweitung der Geldmenge. Ein Problem, auf das bereits der Ökonom John Maynard Keynes in seinem Buch „Vom Gelde“ hinwies. Nach Abschaffung des Bargeldes könnten die Notenbanken der Euroländer Unmengen an (eigenes) Geld erschaffen - mit ungeahnten Auswirkungen auf die Eurozone. Sie meinen die Notenbanken pumpen bereits heimlich Geld in die Märkte? Dann lesen Sie mehr dazu hier und hier sowie hier.

Kleiner Exkurs: Es werde bereits Geld aus dem Nichts geschaffen, warnt der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer. Das Ergebnis: Papiergeld führt ins alle ins Verderben. Notenbanken und Banken würden immer mehr Geld aus dem Nichts erschaffen und so die eine Krise eindämmen, indem sie eine andere schaffen. Mayer plädiert dafür, das derzeitige Kreditgeld durch „Aktivgeld“ zu ersetzen. (Siehe: Papiergeld und Sozialismus führen ins Verderben – Droht nun die Knechtschaft?).

Bankraub, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit adé?

Einer, der schon lange für die Abschaffung des Bargelds die Trommel rührt, ist der Harvard-Professor Kenneth Rogoff (siehe hier). Er argumentiert ähnlich Deutsche-Bank-Chef Cryan: In einer Welt ohne Bargeld wären viele Probleme mit einem Schlag gelöst: Schwarzgeld, Geldwäsche, Steuerhinterziehung. „Ein sehr hoher Anteil der negativen Begleiterscheinungen der Bargeldnutzung hängt mit den großen Scheinen zusammen. Wenn man aufhört, diese auszugeben, dann hat man schon sehr viel erreicht,“ betonte Rogoff fast fast genau einem Jahr im „Handelsblatt“.

Auch hierzulande mehren sich die Stimmen, die eine Abschaffung des Bargelds fordern. Die prominenteste unter ihnen gehört dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger. Gegner des Bargeldes führen meist zwei Argumente ins Feld. Zum Einen verweisen sie gerne auf die Rolle des Bargelds bei illegalen Transaktionen, so Cryan, Rogoff und auch Bofinger. Daneben gibt es noch das Fortschrittsargument, wonach Münzen in Zeiten des digitalen Zahlungsverkehrs schlichtweg unpraktisch seien. Bargeld erschwere den Zahlungsverkehr „ungemein“. Aus diesem Grund prophezeite James Gorman, Chef von Morgan Stanley, bereits im Jahr 2014: Bargeld werde als physische Bezahlform nahezu von der Bildfläche verschwinden (wallstreet:online berichtete).

"Abschaffung des Bargeldes ist Entmündigung der Bürger!“

Finanzexperte Max Otte warnt, der Illusion einer schönen neuen bargeldlosen Welt zu erliegen. Denn hinter der glänzenden Fassade lauere ein „absolutes Schauermärchen“. Zwar sei unbestreitbar, dass das bargeldlose Bezahlen viel praktischer scheine, so Otte. Doch sollten wir uns von dieser Bequemlichkeit nicht die Sinne vernebeln lassen. Die politischen Konsequenzen einer Welt ohne Bargeld seien alles andere als harmlos. Abschaffung des Bargeldes sie die schleichende Enteignung der Bürger. Mit der Abschaffung des Bargelds wären zum Beispiel auch Negativzinsen „für jedermann unausweichlich“, so Otte. Lesen Sie mehr dazu hier.

Negativzinsen? Da läuft es dem fleißigen deutschen Sparer eiskalt den Rücken runter. Bereits jetzt müssen Banken, die bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld parken, einen sogenanntenn Strafzins zahlen. Müssen nach den Banken nun auch Privatkunden bald mit Strafzinsen rechnen? Der Präsident des ifo-Institut beruhigt in einem Interview mit dem "Tagesspiegel" erstmal: „Das hätten einige Zentralbanker wohl gern. Sie wollen das Bargeld abschaffen, damit die Banken negative Zinsen einführen können und die Schuldenstaaten Europas für ihre Schulden keine Zinsen mehr zahlen müssen, sondern ganz im Gegenteil bezahlt werden. Aber so lange es Bargeld gibt, kann man sich vor einer solchen Ausbeutung schützen.“ 

90 Prozent der wallstreet:online Community gegen Bargeld-Abschaffung

Im Mai vergangenen Jahres fragten wir die Mitglieder der Finanz-Community von wallstreet:online gefragt: „Der Bargeld-Krieg hat begonnen: Soll das Bargeld abgeschafft werden?“

Knapp 90 Prozent sprachen sich gegen eine Abschaffung von Bargeld aus (88,65 Prozent bei 2.856 abgegebenen Stimmen). Dabei betonten 61,41 Prozent, Bargeld sei geprägte Freiheit, keine digitalen Spuren für den Staat und dessen Kontrolle zu hinterlassen. 27,24 Prozent der Befragten gaben an, grundsätzlich mit Bargeld zu zahlen und sich diese Option weiterhin offen halten zu wollen. Nur 11,34 Prozent votierten auf wallstreet-online.de für eine Abschaffung des Bargelds. Dabei hielten sich zwei Argumente im Wesentlichen die Waage: Zum einen sei Bargeld ein Relikt alter Zeiten (6,09 Prozent), zum anderen könnten nur so Schwarzgeld, Steuerhinterziehung und Geldwäsche bekämpft werden (5,25 Prozent). Lesen Sie mehr dazu hier und hier.

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