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ETF Securities – Ausblick April 2016 Gold sollte vom Negativzinsumfeld profitieren

Nachrichtenquelle: ETF Securities
19.04.2016, 14:35  |  1056   |   |   

Kaum Unterschiede zwischen der Politik negativer Zinsen und negativen Realzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Zins auf die Einlagenfazilität auf -0,4% gesenkt. Dass große Banken für ihre Einlagen bei einer Notenbank negative Zinsen erhalten, ist geschichtlich ein einmaliger Vorgang. Blickt man nach Großbritannien, dessen Datenreihen für Termingelder am weitesten zurückreichen, lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie Gold in Phasen negativer Zinsen reagiert. Wir sehen keine wesentlichen Unterschiede zwischen den negativen Einlagenzinsen heute und den negativen realen Einlagenzinsen in den Siebzigern und in der Phase nach der Kreditkrise. Bei negativer Realverzinsung kommt es in der Regel zur Kapitalflucht in Sachwerte oder Renditeobjekte – beides weiche Formen des Schuldenausfalls, die die Teuerung anfachen, indem sie Konsum und Investitionen ankurbeln, und damit den realen Wert der Schulden mindern.

 

Notenbanken sorgen für negative Realzinsen

Die Notenbanken sind mitschuldig an der von der Zentralregierung gewünschten Inflation. Vasco Cúrdia, der leitende Volkswirt der San Francisco Federal Reserve, behauptet in seinem jüngsten Aufsatz mit dem Titel Gibt es Argumente für ein Überschießen der Inflation?, dass die Fed ein Überschießen der Inflation durch niedrige Zinsen gerne zulässt. Da die Kerninflation schneller als die Nominalzinssätze steigt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass in den USA eine Politik negativer Realzinsen verfolgt wird. Jedoch kann dies nicht ewig so weitergehen, da es gegen das US-Notenbankgesetz verstößt und die Notenbank beliebiger politischer Einflussnahme aussetzt. Da aber die derzeit geltende Politik Inflations- und Beschäftigungsziele in über einem Jahr ansteuert, kann die Notenbank behaupten, dass sie ihre Geldpolitik locker hält, weil sie Risiken in der Zukunft erkennen kann.

Ganz gleich, ob die Realzinsen (Fed) oder Nominalzinsen (EZB, Schwedische Reichsbank, Dänische Nationalbank, Schweizerische Nationalbank, Bank of Japan) negativ gehalten werden, die Notenbanken der modernen Industrieländer scheinen ihre Probleme mit Negativzinsen lösen zu wollen.

 

 

Gold entwickelt sich im Umfeld negativer Realzinsen überdurchschnittlich

Bislang waren die realen Einlagenzinsen der Banken nur zweimal negativ: in den Siebzigern und in der Phase nach der Kreditkrise. Ende der 1950er waren die Realzinsen schon einmal leicht negativ, aber damals war der Goldpreis fixiert, sodass wir nur die Daten ab 1968 heranziehen, als der Goldpreis sich freier bewegen konnte. 1968 markiert das Ende des einheitlichen Systems fester Wechselkurse, aber auch den Anfang vom Ende der internationalen Bretton-Woods-Währungsordnung.

An historischen Daten lässt sich ablesen, dass es eine Beziehung zwischen negativen Realzinsen und dem Goldpreis gibt. Das obige Diagramm etwa zeigt die 6-Monats-Entwicklung des mittleren Goldpreises in verschiedenen Realzinsumgebungen. In Zeiten negativer Realzinsen entwickelt sich Gold im Vergleich zu normaleren Phasen eindeutig überdurchschnittlich. Zieht man die Entwicklung des S&P500 zum Vergleich heran, wird deutlich, dass die Realzinsen auf die Entwicklung des Aktienmarkts nur geringen Einfluss haben.

Die Banken werden wohl ebenfalls unter den Negativzinsen auf die EZB-Einlagenfazilität leiden, obgleich die vorgeschlagenen Langfristkredit-Auktionen (TLTRO II) noch erheblich günstigere Finanzierungsbedingungen als die ursprüngliche TLTRO-Initiative aufweisen. Im Rahmen von TLTRO II erhalten Banken, deren Kreditvergabe über einer bestimmten Benchmark liegt, eine Prämie, die den „Strafzins“ auf ihre Einlagen teilweise ausgleicht. Die Einführung von TLTRO II und der Aufkauf nicht-finanzieller Unternehmensanleihen durch die EZB beweist, dass die Notenbanken erfreulicherweise weitere alternative Anreize suchen und die Negativzinspolitik nicht unbedingt das letzte Experiment der Zentralbanken ist. Die EZB ist sich der nachteiligen Wirkungen sehr wohl bewusst, die Negativzinsen auf die bereits dürftige Kreditvergabe in Europa haben können.

 

 

Die unbeabsichtigten Konsequenzen der Negativzinspolitik

Die Negativzinsen der EZB haben diverse unbeabsichtigte Konsequenzen. Laut Bloomberg denken Großanleger, Sparkassen und Pensionsfonds darüber nach, ob es nicht wirtschaftlicher wäre, die Versicherungs- und Logistikkosten für die Verwahrung von Bargeld zu tragen, da die Zinsen auf Übernachteinlagen unter null fallen und die Renditen beeinträchtigen. Entsprechend suchen sie nach Ausweichmöglichkeiten für ihre Überschussliquidität. Die Münchener Rück zum Beispiel hat ihre Goldbestände aufgestockt.

 

 

Die Negativzinspolitik könnte die Terminpreiskurve von Gold umkehren

Zinsen sind ein entscheidender Faktor bei der Preisermittlung eines Rohstoff-Terminkontrakts und bei Anlagen in Total-Return-Futures der Vermögensklasse von entsprechender Bedeutung.

Die Preisfindung für Rohstoff-Terminkontrakte erfolgt auf Basis der Haltekosten, die sich aus den Verwahrungs- und Versicherungskosten sowie den Finanzierungskosten zusammensetzen, die für den Kauf des zugrunde liegenden Rohstoffs anfallen. Infolge der erwarteten niedrigeren und möglicherweise negativen Zinsen gehen die Preise entlang der Terminkurve für Rohstoffe zwangsläufig zurück, da sich die Finanzierung verbilligt. Je tiefer die Zinsen fallen, desto größer ist die Chance, dass sich die Rohstoffkurve umkehrt (Backwardation).

Weil darüber hinaus in einem Negativzinsumfeld das Halten von Bargeld mit Kosten verbunden ist, sollte die steigende Nachfrage nach defensiven oder „monetären Vermögenswerten“ wie Gold die Preise am vorderen Ende der Kurve heben, da die Opportunitätskosten von Bargeldbeständen steigen.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich Gold in einem Umfeld negativer Realzinsen oder einer Negativzinspolitik im Vergleich zu normalen Phasen wohl überdurchschnittlich entwickeln wird.

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