Staatsanleihen Kurzfristige Staatsanleihen sind besser als ihr Ruf

Gastautor: Rainer Zitelmann
17.05.2016, 15:31  |  12096   |   |   

Ich habe an dieser Stelle schon mehrfach erklärt, warum ich einen Teil meines Geldes derzeit in kurz laufende Staatsanleihen investiere (US-Anleihen oder Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu zwei Jahren). Viele Gesprächspartner verstehen das nicht, weil es für diese Anleihen nur negative Zinsen gibt.

Ich fühle mich durch eine Untersuchung bestätigt, die der von mir sehr geschätzte Finanzexperte Gerd Kommer demnächst in dem Magazin "Der Neue Finanzberater" veröffentlicht (freundlicherweise hat er mir den Artikel schon vorab zur Verfügung gestellt).

Seine Argumentation: Die niedrigen Nominalzinsen sind für die Beurteilung irrelevant, da es allein auf die Realrenditen ankommt, also auf die realen Verzinsungen nach Inflation. Betrachtet man diese, dann sind Minirenditen oder sogar negative Renditen bei Anleihen eher die Normalität als die Ausnahme. Die inflationsbereinigte durchschnittliche Jahresrendite für langfristige Staatsanleihen betrug von 1900 bis 2015 in den USA 2%, für kurzfristige Staatsanleihen waren es 0,8 Prozent. Für Deutschland waren in diesem langen Vergleichszeitraum die Realrenditen sowohl für kurz- wie auch für langfristige Staatsanleihen im Durchschnitt negativ, was jedoch mit den Effekten von Hyperinflation und zwei Staatskonkursen/Währungsumstellungen zu tun hatte.

Bei kurzfristigen US-Staatsanleihen war die Realrendite laut Kommer seit 1927 in 36 von 89 Kalenderjahren negativ und in neun von zehn Jahren lag die reale Rendite unter 0,3 Prozent. Soweit die Argumentation von Kommer.

Tatsächlich waren die Realrenditen oft noch niedriger, wenn man nicht nur die Inflation, sondern auch die Steuern mit einbezieht. Der Steuereffekt ist umso höher, je höher die nominalen Zinsen sind, da Steuern ja auf die Nominal- und nicht auf die Realzinsen gezahlt werden. 1973 lagen die nominalen Geldmarktzinsen bei 12 Prozent. Damals gab es noch keine Abgeltungssteuer, sondern Zinsen mussten mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, der damals in der Spitze bei 53 Prozent lag. Einem Spitzenverdiener blieben damit von 12 Prozent nominalen Zinsen nach Steuern nur 5,6 Prozent. Bei einer Inflationsrate von damals 7,1 Prozent heißt dies, dass die Rendite nach Steuern und Inflation für einen Spitzenverdiener tatsächlich bei -1,5% lag. Wer heute -0,5% mit einer kurzfristigen Staatsanleihe erzielt, bekommt als Spitzenverdiener zunächst einmal etwa die Hälfte vom Finanzamt zurück, insofern er die negativen Einkünfte mit anderen positiven Zinseinkünften (etwa aus Unternehmensanleihen) ausgleichen kann. Da die Inflationsrate bei etwa 0,5% liegt, beträgt die reale Rendite nach Steuern etwa 0,25 Prozent (falls er mit positiven Zinseinkünften ausgleichen kann) oder eben 0 Prozent, wenn er dies nicht kann. Das heißt: Er bekommt heute nach Inflation und Steuern sogar 1,5% bis 1,75% mehr Zinsen als damals!

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