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Terroristen an der Börse?

Gastautor: Bernd Niquet
18.06.2016, 13:00  |  5536   |   |   

Meistens kommt es in der realen Welt anders als in der Modell-Welt vorhergesagt. In meinem Buch „Der Zauberberg des Geldes“ fand sich dazu eine schöne Szene:

 

Ein Kaninchen schaut gebannt auf die Schlange. Es ist völlig starr und komplett auf die Schlange konzentriert und fixiert. Doch dann plötzlich ein dumpfes Geräusch – und das Kaninchen wird von einem Bären gefressen.

 

Das entsprechende Kapitel heißt: Der Große Kaninchenverstand“.

 

So ist das ja immer an der Börse: Da blicken alle gebannt auf mögliche Crash-Ursachen – der wirklich Unfall kommt dann jedoch aus einer ganz anderen Ecke. Ein echter Bär kommt nämlich immer unerwartet.

 

Ähnlich läuft es derzeit auch bei der Fußball-EM in Frankreich. Dort richtete sich anfangs alles gegen mögliche IS-Terroristen, doch dann waren es besoffene und berauschte Fußball-Hooligans, die alles in Schutt und Asche legten.

 

Und wie sang der Franzose Leo Ferré so schön: „Shakespeare aussi était un terroriste: Words... words... words…“

 

Leben wir nicht generell mit einer Doppelmoral? Und hilft uns diese Sichtweise weiter?

 

Gerade hat ein Fußballtrainer in Deutschland die einzige Lösung im Selbstmord gesehen, weil er sich eines minderjährigen käuflichen Call-Boys bedient hatte. Der Volksmund setzt ihn jedoch mit Kinderschändern gleich. Dabei hat es sich hierbei um ein beinahe legitimes Geschäft gehandelt.

 

Und was ist dagegen mit den Börsengeschäften? Soros aussi était un terroriste. Was ist mit denjenigen, die mit massiven Maßnahmen die Kurse nach unten prügeln, um daraus für sich selbst Profit zu ziehen?

 

Ich weiß, derartige Spekulanten verhelfen nur den ökonomischen Realitäten zum Durchbruch, so sagt man. Doch was ist dagegen mit den Realitäten der Menschen?

 

Warum wollen wir eigentlich alle Moslems aus unseren Ländern verbannen, hofieren gleichzeitig aber gerade diejenigen, die uns wirtschaftlich die Kehle durchschneiden?

 

Manchmal denke ich, sich zuzusaufen und dann zu randalieren, ist wirklich die konsequenteste Lösung. Zumindest ist das ehrlich.

 

Wenn ich nur nicht so wenig vertragen würde ...

 

 

 

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5 Kommentare

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Kommentare

Vor allem den Titel "Der Zauberg" von Thomas Mann für seine eigenen Schriften zu "vergewaltigen" ist mehr als unterirdisch.
Genau! Lieber richtig enthauptet werden, als "wirtschaftlich die Kehle durchgeschnitten" zu bekommen von den bösen Spekulanten! Ein Hoch auf den Linkspopulismus!

Mann, Mann, Mann! Kaum geht es an der Börse abwärts, schon liegen die Nerven wieder blank.

Echt abartig, Jungs, die mit Kalaschnikows durch die Clubs ziehen, Menschen enthaupten und sich in Menschenmengen in die Luft jagen, mit Fußball-Hooligans und "bösen Spekulanten", die irgendwie die Kurse manipulieren (keiner weiß, wie "sie" das machen, aber alle sind sicher, dass "sie" es tun), zu vergleichen.

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