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Brexit – Und jetzt?

24.06.2016, 15:13  |  1371   |   |   

Der Schreck ist groß, nachdem die Briten mit einer klaren Mehrheit von 52 zu 48 Prozent für den EU-Austritt gestimmt haben. Der EU droht eine nachhaltige europäische Polit-Krise, denn auch in anderen Euro-Staaten wie Frankreich und in den Niederlanden werden jetzt die Forderungen nach EU-Referenden lauter. Das politische Europa fungiert damit als Damoklesschwert. Zwischenzeitlich sorgt allerdings die mittlerweile krisenerprobte „schnelle Eingreiftruppe“ der Notenbanken für Krisenlinderung. Nicht zuletzt wegen den höchstrichterlichen Weihen des Bundesverfassungsgerichts fungiert die lockere Geldpolitik der EZB weiter als Absicherung für die europäischen Aktienmärkte.

Wie geht es weiter für die ohnehin verhaltene Konjunktur und die deutschen Aktienmärkte?

Vor dem Hintergrund des Votums der Briten pro EU-Austritt sind die vor dem Brexit-Referendum ermittelten positiven ZEW Konjunkturerwartungen mit Vorsicht zu genießen. Das gilt auch für die ifo Geschäftserwartungen, die ihren Aufwärtstrend mit einem Indexwert von 103,1 nach 101,6 zum vierten Mal in Folge fortsetzen. Angesichts der konjunkturellen Verunsicherung und den finanzwirtschaftlichen Verwerfungen wäre eine zukünftig zurückhaltendere wirtschaftliche Stimmung wenig verwunderlich. Ohnehin ist die Stimmungsoffensive im Vergleich zu 2013/2014 und vor allem zu 2015 bislang weniger dynamisch ausgeprägt. Die verhaltenen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die nun akute eurosklerotische Stimmungseintrübung wirken als Bremsklotz für die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen und die hiesige Exportwirtschaft.

kw 25 - 01 - ifo und ZEWSetzt man die ifo Geschäftserwartungen und ifo Geschäftslage zueinander in Beziehung, befindet sich die deutsche Wirtschaft zwar in der Boom-Phase. Es bleibt abzuwarten, ob sie diese Position aufgrund des britischen Verunsicherungspotenzials aufrechterhalten kann.

kw 25 - 02 - ifo KonjunkturmatrixMit zukünftigen Abwärtsrisiken verbunden sind auch die zuletzt positiven Erwartungen für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland, aber auch in der Eurozone gemäß Einkaufsmanagerindex von Markit. Beide Indices verlaufen oberhalb der Expansion anzeigenden Schwelle von 50. Frankreich unterstreicht mit einem erneuten Ergebnis klar unter dieser Schwelle jedoch seinen Status als wirtschaftlich kranker Mann Europas.

kw 25 - 03 - PMI VGDagegen ist eine Abwärtstendenz der Einkaufsmanagerindices für das Dienstleistungsgewerbe unverkennbar. Immerhin befinden sich die Indices für Deutschland und die Eurozone weiter im expansiven Bereich, den Frankreich jedoch wieder leicht unterschritten hat.

kw 25 - 04 - PMI DLDer seit 1992 markante historische Zusammenhang, wonach steigenden/fallenden ifo Geschäftserwartungen im Jahresvergleich ebenso Kursgewinne/-verluste beim DAX folgten, hat sich seit Mitte 2012 grundsätzlich aufgelöst. Denn das geldpolitische Rettungsversprechen der EZB von Juli 2012 mit Start der tatsächlichen Liquiditätsoffensive ab Januar 2015 und EU-politische Entwicklungen sind gegenüber Fundamentaldaten bei der Aktienentwicklung deutlich in den Vordergrund getreten. Bis sich der Nebel der Unsicherheit im weiteren Umgang der EU mit Großbritannien gelichtet hat, dürfte der politische Einfluss anhalten.

kw 25 - 05 - ifo und DAXAuch die deutschen Nebenwerte sind nicht vor der grassierenden Eurosklerose gefeit. Allerdings werden sie noch am ehesten fundamental bewegt. Seit 2015 entwickeln sich MDAX und SDAX deutlich besser als der Aktienleitindex DAX. Sie setzen sich aus den Industrieperlen des deutschen Mittelstands zusammen, die mit ihrem spezialisierten Industrie-Know How und zahlreichen wertvollen Patenten in vielen konjunktursensitiven Bereichen Weltmarktführer sind. Vor diesem Hintergrund haben sich vor allem Werte aus dem MDAX während der Euro-Krise 2012 deutlich resistenter gegenüber politischen Krisen gezeigt. Insgesamt profitieren Mittelstands-Aktien einerseits von der zunehmenden Übernahmephantasie, die auf der Finanzierungsseite durch die Zinslosigkeit und auf der Investmentseite durch massive Anlagenotstände geprägt ist. Andererseits kommt ihnen die Globalisierung zugute, die die industriellen Wettbewerber dazu zwingt, über den Zukauf von Spitzentechnologie tatsächlich Weltspitze zu bleiben bzw. zu werden. Nicht zuletzt wegen China, das statt bisher von quantitativem Pionier- auf qualitativ nachhaltiges Wachstum setzt und nebenbei seine in unattraktiven Staatsanleihen gehaltenen massiven Devisenreserven sinnvoll in renditeträchtiges Sachkapital diversifizieren will, wird dieser Prozess der Outperformance von börsennotierten Mittelstandsunternehmen weiter anhalten.

kw 25 - 07 - SDAX und MDAXBundesverfassungsgericht gibt der EZB einen Blankoscheck für Anleiheaufkäufe

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