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Buchtipp Warum Erben gerecht ist - gute Argumente gegen die Erbneider

Gastautor: Rainer Zitelmann
10.07.2016, 10:04  |  2468   |   |   

Gerd Maas, Warum Erben gerecht ist. Schluss mit der Neiddebatte, FinanzBuch Verlag, München 2015, 223 Seiten.

Das Buch hat mir ein Leser empfohlen, dem meine Kritik an dem ärgerlichen Erben-Buch von Julia Friedrichs gefallen hat: Julia Friedrichs Neidbuch über die Erben in Deutschland. Er meinte, dieses Buch würde mir bestimmt besser gefallen. Und Recht hat er gehabt! Wer sich über die Neiddebatte zum Thema Erbschaftsteuer ärgert, sollte dieses Buch lesen, denn er findet hier eine Menge gute Argumente.

Bevor der Autor jedoch zum eigentlichen Thema "Erben" kommt, setzt er sich ausführlich mit den Diskussionen zu den Themen "soziale Gerechtigkeit", "Zunahme der Armut in Deutschland" usw. auseinander. Allem, was er hier schreibt, kann ich zu 100% zustimmen. "Wo sozial gerecht draufsteht, ist meistens Egalitarismus drin", resümiert Maas (S. 64).

Autoren wie Julia Friedrichs oder Politiker wie Sarah Wagenknecht singen das hohe Lied der Umverteilung. Sie plädieren für eine Erbschaftsteuer von 100%, zumindest oberhalb eines Freibetrages, der bei Wagenknecht gnädigerweise eine Mio. Euro beträgt, bei Friedrichs eher Null. Was wären die Folgen? Der Umverteilungseffekt wäre gering und würde rasch verpuffen. Je nachdem, wie hoch man das jährliche Erbschafts- und Schenkungsvolumen schätzt - die Schätzungen liegen zwischen 65 und 260 Mrd. Euro - würde jeder Bundesbürger 800 bis 3.200 Euro bekommen (S. 71 f.).

Die negativen Folgen stehen in keinem Verhältnis zu dieser Beglückung: "Es wäre ein Programm faktischer Enteignungen für jährlich Tausende von inhabergeführten Unternehmen. Ein Unternehmenswert von einer Million wird leicht schon bei einem Jahresgewinn von rund 50.000 Euro erreicht. Das kann bereits bei einem Einzelhandelsunternehmen mit acht Mitarbeitern der Fall sein. Alles was darüber hinausgeht, soll nach Wagenknechts Vorstellungen im Erbschaftsfall in Belegschaftshand übergehen… Der gesamte deutsche Mittelstand wäre über kurz oder lang von Zwangskollektivierung aufgrund des Generationenwechsels bedroht. Danach wäre die Wirtschaft geprägt von Aktiengesellschaften, konstruierten Produktionsgenossenschaften, die vermutlich wegen Führungsschwierigkeiten sukzessive in staatliche Obhut übergehen… Woher soll denn plötzlich der unternehmerische Geist in den Belegschaften kommen, während man vorher nie unternehmerische Selbstständigkeit gewagt hätte?" (S. 171 ff.)

Eine gute Frage. Ja, die Gewerkschafter denken immer, sie wüssten und könnten alles besser als die Unternehmer. Wenn sie es mal selbst ausprobieren, hat allzu oft in schrecklichen Pleiten geendet - man erinnere sich an die Beispiele der Gewerkschaftsunternehmen "Neuen Heimat" oder "co op".

Außerdem: Wer würde, wenn alles über eine Million besteuert würde, überhaupt noch etwas übriglassen, was oberhalb dieses Betrages liegt? Maas beschreibt treffend das Wesen der Erbschaftsteuer: "Der Konsumverzicht der Erblasser wird den Erben als Steuer aufgehalst. Die Erbschaftsteuer ist eine Mehrwertsteuer auf Nicht-Konsum. Das aber widerspricht jeder natürlichen Vernunft. Steigende Erbschaftsteuern wären der Versuch der widernatürlichen Konditionierung der Elterngeneration auf Konsum, wo sie eigentlich für die eigenen Kinder und Kindeskinder sparen würden." (S.134)

Aber ist denn Erben "gerecht" - wenn der eine das Glück hat, zu erben, der andere dagegen leer ausgeht? Wie schizophren Gleichheit als Gerechtigkeitskriterium ist, entlarvt Maas an einem Gedankenexperiment, wenn man nämlich die Verteilung von Negativem betrachten würde. Wer würde denn zum Beispiel die Gleichverteilung von Erbkrankheiten fordern? (S. 72) Diejenigen, die Erben ungerecht finden, finden es meist überhaupt ungerecht, dass es Ungleichheit gibt - sie finden es auch ungerecht, dass es Reiche und Arme gibt. Als ungerecht könnte man es genauso bezeichnen, dass der eine ein gutes Aussehen von den Eltern erbt, der andere nicht, der eine mehr Intelligenz, der andere weniger (S. 74 ff.). "Menschen sind ungleich. Ungleichheit als Ungerechtigkeit zu definieren ist daher absurd und lässt sich dementsprechend nur totalitär umsetzen." (S. 83)

Auf S. 146 ff. setzt sich Maas ausführlich mit dem Neidbuch von Julia Friedrichs auseinander. Eine ihrer Thesen lautet ja, Geld verderbe den Charakter bzw. wer Geld erbe, dessen Charakter werde dadurch verdorben. Der Autor erwidert: Ein Vermögen ist eine Aufgabe, wenn es wenigstens erhalten bleiben und eine Rendite erbringen solle. An Aufgaben könne man wachsen oder auch daran scheitern. "Dass man allerdings von einer Aufgabe verdorbener wird, als man vorher war, habe ich noch nie gehört. Die Geizigen sind geizig mit oder ohne viel Geld. Die Machtgierigen und Herrschsüchtigen ebenso. Verschlagene und Hinterlistige gibt es unter Habenichtsen und unter Pfeffersäcken." (S. 147)

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Kommentare

Absolut ihrer Meinung!
Das Schweigen ist allerdings perverserweise im Besitz des liberalen Bürgertums begründet. Die linken Neider haben es mit ihrer Gleichmacherpropaganda soweit gebracht, dass das Bürgertum wegen seines Eigentums ein schlechtes Gewissen hat anstatt stolz auf seine Leistungen zu verweisen, mit denen es dieses erworben hat. Karl Marx hat schon diese Schwäche des Kapitalisten gespürt.....

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