Zombie-Apokalypse
KPMG: In Europas Banken gammeln 1,3 Billionen Euro an faulen Krediten vor sich hin
Europäische Banken feiern seit Beginn der Finanzkrise jeden Tag Halloween. Denn anstatt ihre faulen Kredite abzubauen, häufen sie lieber immer mehr davon an. Mit einem Gesamtwert von 1,3 Billionen Euro an NPLs hat die Zombie-Apokalypse nun ein neues Ausmaß erreicht.
Pünktlich zu Halloween hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG einen wahrlich schaurigen Bericht zur Finanzlage europäischer Finanzinstitute herausgebracht. Demnach wird die Branche zunehmend von einem Virus namens NPL - oder auch non-performing loan (=notleidender Kredit) befallen, der die Geldhäuser schrittweise in untote Kreaturen verwandelt. Das Gesamtvolumen solch toxischer Kredite belaufe sich laut "Bloomberg" auf mittlerweile 1,3 Billionen (oder auch 1.300.000.000.000) Euro.
Nur noch ein Schatten ihrer selbst, versuchen diese seelenlosen Banken den tückischen Krankheitserreger mit diversen Rückstellungen und Veräußerungen zu bekämpfen. Doch im hiesigen Niedrigzinsumfeld und ohne jegliches Wachstum sind sie zum scheinbar ewigen Dasein als pseudo-solvente Kreditgeister verdammt. Den Analysten von KPMG zufolge wird der konsequente Abbau von NPLs noch Jahrzehnte dauern.
Auch die verschärften Eigenkapitalregeln stünden einer Verwandlung in ein gewinnbringendes Unternehmen oftmals im Wege. "Die Profitabilität europäischer Banken wiederherzustellen ist keine aussichtslose Sache aber es wird in jedem Fall viel Arbeit werden", sagte Marcus Evans, Partner beim EZB-Office von KPMG. "Es ist klar, dass sich Banken europaweit mit der neuen Welt von niedrigen oder negativen Zinsen sowie mit steigenden Kapital- und regulativen Kosten herumschlagen."
Kapitalpolster zu dünn
Wo der Anteil fauler Darlehen am Gesamtkreditgeschäft im Jahr 2008 noch bei 1,5 Prozent lag, ist er 2013 schon auf über fünf Prozent angeschwollen. Nach Ansicht von Ifo-Chef Clemes Fuest hätte es zur Behebung des Problems von Anfang an viel härtere Kapitalauflagen gebraucht.
"Die Politik hat einen schweren Fehler gemacht nach der Finanzkrise: Man hätte die Regulierung in Detailbereichen geringer halten sollen und dafür bei der Kapitalregulierung deutlich härter vorgehen müssen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Er hält die Kapitalvorsorge europäischer Banken für unzureichend.
Konkret schweben Fuest höhere Sicherheitspolster an Eigenkapital bei den Banken vor. "In der Bankenunion haben wir uns auf eine Mindesthaftung privater Gläubiger von acht Prozent der Bilanzsumme geeinigt", sagte Fuest. "Wenn wir das als Maßstab für die Verschuldungsquote, die sogenannte Leverage Ratio, angestrebt hätten, dann würde bei Banken auch nicht gleich eine Krise entstehen, wenn mal eine unerwartet hohe Strafe kommt oder faule Kredite in der Bilanz auftauchen."
