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Aixtron – mieses Faul aus den USA?

Gastautor: Daniel Saurenz
04.11.2016, 07:00  |  1049   |   |   

Aixtron_Presse_3Das Übernahmeangebot eines chinesischen Unternehmen für Aixtron schlägt hohe Wellen. Nachdem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel auf Basis von Informationen der US-Geheimdienste die Unbedenklichkeitsbescheinigung widerrufen hatte, kritisierte Aixtron-Gründer Holger Jürgensen die Prüfung des Geschäfts als “Dolchstoß gegen Schlüsseltechnologien” und “sehr drastischen Eingriff in den Kapitalmarkt.” Inzwischen gibt es sogar Verschwörungstheorien. Was ist dran an ihnen?

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Hier der ausführliche Beitrag von KL Communications:
 
Am Montag wurde bekanntgegeben, dass das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie das Überprüfungsverfahren für die behördliche Zulassung der Übernahme des Technologieunternehmens Aixtron durch den chinesischen Investmentfonds Fujian Grand Chip wiederaufnehmen wird. Der Bieter ließ verlauten, dass in der offiziellen Begründung festgehalten wurde, dass „dem Bundesministerium vorliegende Informationen darauf hindeuten, dass das Know-how von AIXTRON auch sicherheitsbezogene Technologien beeinträchtigt, insbesondere im Verteidigungssektor, die durch die angestrebte Übernahme öffentlich werden könnten“

Raum für Theorien

Bis zu diesem Pendelkurs der deutschen Behörden bestand die einzige wirkliche Hürde für den Abschluss dieses Deals bei der behördlichen Genehmigung seitens der USA, die bislang noch nicht vorlag. Verschwörungstheoretiker behaupten, dass die Verknüpfung Aixtrons mit China für die US-amerikanischen Konkurrenten von Aixtron einen Wettbewerbsnachteil in China bedeutet hätte. Trotzdem gibt es viele Verschwörungstheorien darüber, welche neuen Informationen von wem den Sinneswandel des deutschen Wirtschaftsministeriums ausgelöst haben, da Aixtron seine winzige US-Präsenz veräußern könnte, was die offensichtliche Lösung gegen US-amerikanische behördliche Einwände wäre. Laut eines Berichts von heute stammte die Information direkt vom amerikanischen Geheimdienst.

Aixtron_Presse_4Zeitungsartikeln von gestern zufolge führte Aixtron „geheime Forschungen“ mit Laboren des US-Energieministeriums durch und arbeitet direkt mit angesehenen US-Verteidigungsagenturen wie der Defence Advances Research Project Agency und den Sandia National Laboratories auf der Albuquerque Army Air Base zusammen. Weitere Berichte behaupten heute, dass die von Aixtron produzierten Chips im chinesischen Atomprogramm verwendet werden könnten. Seltsamerweise hat die deutsche Regierung Aixtron zu diesen Behauptungen noch nicht befragt.

Rätsel um Vertraulichkeit

Aixtron produziert Halbleiterherstellungswerkzeuge. Es werden keine Chips oder Geräte produziert. Direkte Verkäufe an die Rüstungsindustrie scheint es nicht zu geben; und Mitarbeiter von Aixtron führen auch keine geheimen Forschungen für die US-Regierung durch. Es kann davon ausgegangen werden, dass Aixtron auch keinen Zugang zu vertraulichen Informationen darüber hat, wie seine Kunden ihre Werkzeuge für Verteidigungszwecke einsetzen könnten.

Die Fortsetzung der Logik des deutschen Wirtschaftsministeriums, dass dieser Deal eine Gefahr für die Sicherheit darstellt, würde dann auch bedeuten, dass ein Zusammenschluss zwischen chinesischen und deutschen Stahlunternehmen einzig auf der Basis, dass Stahl bei der Herstellung von USamerikanischen und deutschen Panzern verwendet wird, verhindert würde. Außerdem ist unklar, wieso es ein Problem wäre, wenn chinesische Investoren Eigentümer von Aixtron und nicht nur von deren Produkten sind, da Aixtron ja Exportlizenzen besitzt, seine Werkzeuge nach China zu verkaufen, selbst wenn diese höchst dubiosen Behauptungen glaubhaft wären.

Bestehende Regeln in Deutschland genehmigen Regierungen Unternehmensübernahmen zu stoppen, wenn diese die Energiesicherheit, Verteidigung, Medienkonzentration oder finanzielle Stabilität gefährden würden. Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der die persönliche Entscheidung fällte, die Unbedenklichkeitsbescheinigung von Aixtron zurückzuziehen, forderte vor kurzem, dass es EU-Mitgliedsländern möglich sein sollte, nicht EU Investoren daran zu hindern, mehr als 25 % der Stimmrechte an einem EU-Unternehmen zu erwerben.

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