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Eigentlich ein Ideal-Szenario

Gastautor: Bernd Niquet
08.12.2003, 10:26  |  3576   |   |   
Der Investor George Soros ist dafür bekannt, abrupt seine Haltung zu ändern, wenn er merkt, dass sein bisheriges Denken in einem Irrtum gefangen war. Also los: Spielen wir einmal Klein-Soros! Was ist mit der ausgesprochen skeptischen Haltung gegenüber den Märkten, die wir in den letzten Monaten an den Tag gelegt haben?

Das große Damokles-Schwert, die Gefahr einer schweren Deflation mit Preisrückgängen und Kaufzurückhaltung der Verbraucher, scheint vorerst nicht mehr aktuell zu sein. Alan Greenspan hat sich dabei unsterbliche Meriten verdient, die allerdings erst die Historiker verleihen werden.

Gegenwärtig befinden wir uns daher eigentlich in einer Börsenwelt, die besser kaum denkbar ist: Die Wirtschaft wächst, die Unternehmensgewinne steigen, die Preise bleiben jedoch relativ stabil, von Inflation ist nichts zu sehen, von Deflation auch nichts. Die Zinsen sind niedrig, der wirtschaftliche entscheidende Teil der Welt befindet sich im Frieden und es gibt keine Rohstoff-Krisen.

Hinzu kommt: Die Aktien sind drei Jahre lang gefallen. In Deutschland haben wir höhere Kursverluste zu verzeichnen gehabt als in der Zeit der großen Weltwirtschaftkrise von 1929 bis 1935, also auch vor und nach Hitlers Machtergreifung. Der Pessimismus ist daher so weit verbreitet wie lange Zeit nicht mehr.

Wann haben wir in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren einmal ein derartiges Ideal-Szenario erleben dürfen?

Ich weiß, ich weiß, als aufrechter Gallier ist man sich natürlich stets der Gefahr bewusst, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt und anschließend alle Spatzen tot sind – und das andere ebenfalls kaputt ist. Doch wahrscheinlich ist das das Einzige, was wir derzeit wirklich zu fürchten haben. Dass uns der Himmel auf den Kopf fällt – oder dass er sich zumindest kurzzeitig einmal kurz verfinstert und damit die in den letzten drei Jahren so erfolgreich trainierten Reaktionen des Pessimismus noch einmal wie die Murmeltiere kurz zum Erwachen bringt. Doch gemeinhin schlafen die Murmeltiere im Winter.

berndniquet@t-online.de
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