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Fremdwährungen Geldanlage oder Spekulation?

Gastautor: Uwe Eilers
02.12.2016, 13:46  |  2328   |   |   

In Zeiten von Minuszinsen fühlt sich der Privatanleger bei seiner Geldanlage heute wie ein Reisender in der Wüste, dem langsam aber sicher das Wasser ausgeht. Wo gibt es noch Renditeoasen zum Auftanken, die man halbwegs sicher erreichen kann ohne von Räubern überfallen oder in Sandstürmen verloren zu werden? Das Investieren in Fremdwährungen erscheint eine Alternative zu sein. Renditechancen von bis zu 10 Prozent locken. Doch handelt es sich wirklich um eine Oase mit frischem Wasser oder eine Fata Morgana?

Währungen sind der größte und liquideste Markt. Aktuell werden Devisen im Wert von 111 Milliarden US-Dollar pro Tag gehandelt, davon rund 20 Prozent Kasse und 80 Prozent in Derivaten. Doch zugleich geben hier die Schwergewichte den Takt vor. Wer sich auf dieses Parkett wagt, ist wie ein Sandfloh, der mit Kamelen tanzt. Wissen, Erfahrung und Vorsicht sind also geboten.

Das einfache Tauschen des Geldes in eine andere Währung ist in den meisten Fällen nicht die optimale Lösung. Schließlich gibt es dann keine Zinsen und hat trotzdem die Inflationsrate des jeweiligen Landes und das Kursänderungsrisiko. Es gibt viele Anlagestrategien, mit denen man Fremdwährungsinvestments effizienter tätigen kann. Dazu zählen Fonds, Anleihen, Derivate oder als neue Entwicklung virtuelle Währungen.

Grundsätzlich kann man in jede existierende und handelbare Währung investieren. Um jedoch sicher zu sein, dass der Wert der Währung relativ stabil bleibt, sollte man als Anleger eher auf sogenannte Hartwährungen, wie US-Dollar, der japanische Yen, das britische Pfund, der Schweizer Franken oder die norwegische Krone setzen. Weichwährungen, wie beispielsweise der brasilianische Real, die indische Rupie, die türkische Lira, der chinesische YUAN oder der der südafrikanische Rand, auf der anderen Seite sind Devisen, die in der Vergangenheit eher deutlich schwächer gegenüber dem Euro notierten und gleichzeitig starke Schwankungen aufweisen.

Das typische Investment ist für den Privatanleger der Erwerb von öffentlich vertriebenen Fonds, die in Fremdwährungsanleihen investieren oder der direkte Kauf von einzelnen Fremdwährungsanleihen. Im Falle von Direktinvestments kann man in eine börsennotierte Anleihe eines Staates oder Unternehmens (zum Beispiel Daimler Benz) in eine der oben genannten Währungen investieren.

Eine andere Möglichkeit mit Fremdwährungen Geld zu verdienen, ist die Spekulation mit den Devisen. Dies erfolgt aufgrund der Hebelung grundsätzlich mit dem Handel von Derivaten. Die gängigste Form für Privatanleger ist der Kauf von Optionsscheinen an der Börse. Dabei bietet die EUWAX in Stuttgart eine sehr große Zahl börsengehandelter Optionsscheine auf Fremdwährungen an. Dies können sowohl Kauf- als auch Verkaufoptionsscheine sein, sodass man sowohl auf steigende wie auf fallende Währungen spekulieren kann. Es ist zu beachten, dass der Emittent der Wertpapiere bonitätsstark ist und höchstwahrscheinlich den Handel dauerhaft in engen Handelsspannen (Kauf- und Verkaufskurse) gewährleistet.

Eine andere Alternative sind sogenannte CFDs (Contracts for difference). Diese werden von spezialisierten Brokern (bekannt wurde unter anderem CMC-Markets durch erheblichen Werbeaufwand) angeboten. Dabei erhält/zahlt der Kunde ähnlich wie bei Terminkontrakten nur die jeweilige Kursdiffenz, er wendet also kein Kapital auf und erhält mit einem großen Hebel die Möglichkeit der Spekulation. Einzig eine Sicherheitsleistung (ähnlich dem sogenannten „Initial Margin“ bei börsengehandelten Terminkontrakten) ist beim Broker zu hinterlegen. Die Gefahr eines großen Verlusts ist dabei beträchtlich, da eine Nachschusspflicht besteht.

Professioneller aufgestellte Handelsteilnehmer bevorzugen den Kauf und Verkauf von Optionen, die an den verschiedenen Optionsbörsen gehandelt werden. Dabei sind Optionen rein formal keine Wertpapiere und die Banken oder Broker benötigen die Termingeschäftsfähigkeit des Anlegers. Vorteil ist die größere Liquidität der Optionen, da verschiedenste Market-Maker dauerhaft handelbare Kurse mit engen Preisspannen zur Verfügung stellen.

Eine weitere Möglichkeit für professionelle Marktteilnehmer ist der Einsatz von Terminkontrakten. Diese gibt es auf fast alle gängigen Währungen. Dabei handelt es sich um reine Differenzgeschäfte. Das bedeutet, dass die Marktteilnehmer sich gegenseitig nur die Kursdifferenz ausgleichen. Da also kein direkter Kapitaleinsatz nötig ist, ist dies die riskanteste Form der Spekulation.

Fazit: Fremdwährungen können eine Renditeoase gerade in Zeiten von Niedrigzinsen sein. Sofern man in Fremdwährungsanleihen investieren möchte, ist es am sinnvollsten, breit diversifizierte Fonds auszuwählen, die im Verhältnis Ertrag zu Risiko gute Kennzahlen aufweisen. Bei Direktinvestments in Anleihen sollte man jede ausgewählte Währung inklusive der volkswirtschaftlichen Erwartungen dieses Landes genau analysieren. Zudem sollte man das emittierende Unternehmen, deren Anleihen man kaufen möchte, durchleuchten. Schließlich sollen Währungs- und Bonitätsrisiken minimiert werden. Darüber hinaus ist es unabdingbar in mehrere verschiedene Währungen und Emittenten zu investieren.

Derivate sollten von Privatanleger eher gemieden werden. Nicht nur, dass die Märkte hochkomplex und deren Takt von institutionellen Anlegern nach deren „Regeln“ bestimmt wird, allein schon die exakte Berechnung der Call- und Put-Positionen als Absicherung ist schwierig.

Egal welchen Weg man wählt, sollte man bedenken: Das Spekulieren in Fremdwährung ist eine Ergänzung jedoch keine Kernanlage. Maximal bis zu 50 Prozent des Vermögens sollten vom Kursverlauf von Währungen bestimmt sein. Die Höhe des Prozentsatzes hängt ab, welche Rückschläge beim Vermögen sie faktisch und auch mental verkraften können. Denn der Tanz als Wüstenfloh mit Kamelen braucht starke Nerven.

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