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"Lügenpresse" Was ist dran am Vorwurf "Lügenpresse"?
Selten gelogen, aber oft einseitig berichtet

Gastautor: Rainer Zitelmann
04.12.2016, 10:58  |  3967   |   |   

Die Diskussion um die "Lügenpresse" verdeckt mehr als sie aufhellt. Die Mehrheit der Journalisten lügt nicht. Und sie wird erst recht nicht von der Politik oder geheimen Mächten gesteuert. Aber die große Mehrheit der Journalisten denkt links - und das spiegelt sich in der Berichterstattung wider.

Fast drei Viertel Drittel denken links

Fast drei Viertel der Journalisten denken links. Das wird bei statistischen Erhebungen durch den hohen Anteil derjenigen verdeckt, die keine Parteipräferenz angeben. Statista bringt eine Statistik, bei der auf die Frage, welcher Partei sie am nächsten stehen, 36 Prozent der Politikjournalisten antworteten, die stünden "keiner Partei" nahe. Ich halte es jedoch für extrem unwahrscheinlich, dass die Zahl der Nichtwähler bei den Politikjournalisten deutlich höher ist als in der durchschnittlichen Bevölkerung. Im Bevölkerungsdurchschnitt lag die Zahl der Nichtwähler bei der letzten Bundestagswahl bei 28,5 Prozent. Ich habe in den vielen Jahren, in denen ich als Journalist tätig war, überhaupt nur einen Politikjournalisten kennengelernt, der bekannte, regelmäßig nicht wählen zu gehen. Politikjournalisten sind politisch hochgradig interessiert.

Wenn bei Befragungen so viele Medienvertreter angeben, sie stünden "keiner Partei" nahe, dann wollen sie damit nur ihre innere Unabhängigkeit demonstrieren. Hätte man die Journalisten nicht gefragt, welcher Partei sie nahe stehen, sondern welche Partei sie bei der letzten Wahl gewählt haben, dann wäre das Ergebnis deutlicher gewesen (vielleicht wurde gerade deshalb nicht so gefragt, obwohl dies naheliegend wäre). Rechnet man diejenigen heraus, die "keine Partei" angaben, dann ergibt sich folgendes Bild:
42% Grüne
24% SPD
14% CDU/CSU
12% FDP
6% Linke
Die AfD kam bei dieser Befragung nicht vor.

Ende der 90er Jahre, als ich Journalist bei der Tageszeitung "Die Welt" war, hielten wir redaktionsintern eine Wahl ab. Mehr als 60 Prozent der Journalisten wählten SPD oder Grüne. Und das bei einer Tageszeitung, die allgemein eher als "konservativ" gilt.

Augstein und Blome

Die Linksverschiebung im politischen Spektrum Deutschlands kann man leicht erkennen, wenn man sich sonntags auf Phoenix die Sendung "Augstein und Blome" anschaut. Ich sehe den 15-minütigen Schlagabtausch zwischen beiden gerne. Es wird suggeriert, hier stünde "links" gegen "rechts". Tatsache ist: Augstein steht extrem weit links. Neulich musste er bei einer Diskussion mehrfach betonen, er sei "nicht Pressesprecher der Linken". Seit Jahren kämpft er vehement für ein rot-rot-grünes Bündnis. Ist Blome ebenso rechts wie Augstein links? Dann müsste er der AfD nahestehen. Das ist jedoch nicht der Fall. Blome, den ich aus meiner Zeit bei der "Welt" kenne (später war er beim "Spiegel", heute bei "Bild") ist alles andere als rechts. Er ist ein typischer Mann der Mitte.

Der Geist steht links

Bei allen Unterschieden zwischen den Augstein und Blome haben sie etwas gemeinsam: Beide haben Geisteswissenschaften studiert - Blome Geschichte und Politik, Augstein Politik, Germanistik und Theaterwissenschaften. Das sind typische Studienfächer für Journalisten. Sie sind meist wirtschaftsfern, haben in der Regel Fächer wie Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Soziologie, Geschichte, Journalistik, Germanistik usw. studiert. In diesen Studienfächern dominieren Professoren und Studenten, die links denken. Das ist kein deutsches Phänomen, sondern trifft weltweit zu. Selbst bei einer Befragung von Wirtschaftsprofessoren in den USA (kein typisch "linkes" Fach), war die Zahl derer, die angaben Demokraten zu wählen, drei Mal höher als die Zahl derjenigen, die Republikaner wählen.

Bei Unternehmern und Managern spiegelverkehrt

Je wirtschaftsnäher eine Berufsgruppe ist, desto mehr unterscheidet sich die Gesinnung von jener der Journalisten. Bei einer 2015 veröffentlichten Studie der Politikwissenschaftler Franz Walter und Stine Marg antworteten Unternehmer und Manager auf die Frage, was sie bei der letzten Bundestagswahl gewählt hätten:

54,9% CDU
23% FDP
14,8% SPD
5,7% Grüne
0,8% Linke
0,8% Piraten

Ich war in den 90er Jahren Journalist und bin seit dem Jahr 2000 in der Immobilienbranche aktiv. Daher kann ich sehr gut vergleichen, wie das politische Stimmungsbild in den Medien und in der Wirtschaft ist. Die "Immobilien-Zeitung" führt im Umfeld der Bundestagswahlen Befragungen in der Immobilienbranche durch. Auf die Frage: "Wenn heute Bundestagswahl wäre, welcher Partei würden Sie Ihre Stimme geben?", antworteten 2009 42% FDP, 29% CDU/CSU, 14% Grüne und 9% SPD. Bei der Befragung vor der Bundestagswahl 2013 lagen CDU/CSU bei 46%, die FDP immerhin noch bei 18%, die SPD bei 11%, die Grünen bei 9% und die AfD bei 8%.

Selten gelogen, aber oft einseitig berichtet

Laut einer im vergangenen Jahr durchgeführten Allensbach-Umfrage ist die Mehrheit der Deutschen der Ansicht, die Medien zeichneten kein zutreffendes Bild der Flüchtlinge. Immerhin 39 Prozent der Befragten waren der Ansicht, an dem Vorwurf der "Lügenpresse" sei etwas dran, Medien verdrehten Sachverhalte und verheimlichten wesentliche Informationen. In Ostdeutschland, wo man nach Jahrzehnten sozialistischer Indoktrination in dieser Hinsicht besonders sensibel ist, sehen das sogar 44 Prozent so.

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1 Kommentare

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Kommentare

Jemand aus der Lügenpresse berichtet darüber, dass es keine Lügenpresse gibt!

Tolle Wurst!

Sie gehören zum Establishment, wie ALLE anderen der Lügenpresse auch.

Dagegen kämpft die AfD!

Nur die AfD kennt die Wahrheit und kann den kommenden Feuersturm aufhalten.

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